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Full text of "Schwarze Faden - Zeitschrift Nummer 0-77"

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RCHiSTiJCHE ViERTELlAHRESSCHRiFr 

_ J NH/ 3.00t» ] 


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REDAKTIONELLE KÜRZMITTEILUNGEN 


“ Wi r grüßen Fritze Teufel und wünschen ihm, daß 
JUSTITIA sich nicht weiterhin verbissen nach den 
verbundenen Augen sticht - sie könnte treffen! 

- Halu Altenhoff! Dich scheint's - wie uns,vgl. 
Leserbrief van J.Roos - nicht zu geben. Jedenfalls 
bekamen wir den "SF" aus Berlin und München zu¬ 
rück: UNBEKANNT ??? 

- Beim Überweisen auf's Konto bitte nicht an 
M Red. Schwarzer Faden", sondern an Fri Kamann; 
sonst kommt das Geld an euch zurück. 



- In der Nullnummer gab's einige fehler: bei der 
Hälfte der Auflage muß S.4 mit S.6 vertauscht 
werden, um den Artikel flüssig zu lesen. 

Auf S.14 fehlten bei allen Nummern folgende Zeilen 
" Enthusiasmus und Depressionen-, die Namensän¬ 
derung von Patricia in "Mizmoon" nach einem Ge-r 
dicht ihrer Freundin Camilla Hall. Die im fol¬ 
genden Gedicht ausgedrückten Gedanken sind im 
Kontext des "Berkeley Youth Ghetto" (Weed,S.214) 
auch nichts ungewöhnliches, obwohl ungewöhnlich 
schön fprmuliert: 

Poems ..." (also tschuldigung 


Inhalt dieser Ausgabe: 


AUSGEPACKT 

Schmidt 1 sches "Modell D . ,f contra 
Strauß* Konzeption vom popu¬ 
listischen Obrigkeitsstaat 
Erstes Internationales Symposium 
über Anarchismus in Portland/USA 
Wider die Marginalisierung 
des Subjekts 

Let's all drink to the death 
of the clown 

Sozialkritik - Grundlagen 
und Ergebnisse 
Öl, Nato und die Kuh von 
Tysf j ord 

Knastarchitektur - Die Suche 
nach dem "richtigen” Ver¬ 
nichtungsbau 
Abrechnung 


j Herausgeber : 

Redaktion Schwarzer Faden 
Ob. Weibermarktstr. 3 
741 Reutlingen 

Druck: 

winddruck verlag 
Am Dünkelsloh 13 
3554 Lohra/Rodenhausen 

jEDITORIAL 


Redaktionskollektiv dieses Heftes : 

Herbert Wieder,Niederhöchstadt 
Horst Blume, Hamm/Westf. 

Stefan Blankertz,'Münster/Westf. 

Volker Eichler, Frankfurt 
Friederike Kamann, Reutlingen Herbert Wieder 

Gudrun Winkelmann, Reutlingen ^. , , 

Ginsterweq 4 

Wolfgang Haug, Reutlingen 

Jürgen Wierzoch, Oslo 62 36 Eschborn 




Es spinnt sich ein schwarzer Faden durch die Geschichte der Menschheit: 
die Geschichte der kompromißlosen Kämpfe um und für die Freiheit. Wo dieser Faden heu¬ 
te "ist", wo an ihm anzuknüpfen, wie er weiterzuspinnen ist, um das herauszufinden, 
machen wir den SCHWARZEN FADEN . 

Auf die Gefahr hin von unseren Sponti-Freunden als "Theorie-Freaks" verschrien zu werden, 
halten wir es für notwendig, die Geschichte und Gegenwart der Unterdrückung, wie der (ja 
leider bisher meist erfolglosen) Befreiungskämpfe kritisch aufzuarbeiten - wir sind der 
Auffassung, daß diese Aufarbeitung zu unterlassen bedeutet, sich der Geschichtslosigkeit 
| hinzugeben und sich von den wichtigsten Erfahrungen abzuschneiden. Ohne bewußte (aufgear¬ 
beitete) Erfahrung jedoch kann es keine fortschrittliche Praxis geben. Wir verstehen 
unsere Artikel als Diskussionsbeiträge, auf die - auch kritisch - eingegangen werden 
kann ! 

die Redaktion der science-fiction-Zeitung 

SCHWARZER FADEN (SF) 

|Titelbild aus dem Buch 'PEOPLE'S PARK' ,verlegt bei WIIIDDRUCK/LOHRA 



S. 1 

s. 3 

S. 7 

S. 9 

S. 21 

S. 24 

S. 2 8 

S. 30 
S. 4 0 












*»(...) Ich wünsche Euch viel Spaß bei Euter 
Arbeit, und schreibt was Vernünftiges* Wie 
wär’s mal mit dem Thema Anarcho-Feminismus? 

Was ich bisher so gehört habe, da gibt’s 
Typen, die haben den Sinn des Anarchismus im¬ 
mer noch nicht begriffen. Oie Freiheit aller 
Menschen bedeutet selbstverständlich auch die; 
Freiheit der Frauen, da sie ja wohl zu den 
Menschen gehören, oder??? Aber dann kommt so'n 
Quatsch mit "Frauen verbrauchen". Ihr wißt 
vielleicht, dies blöde Lied, das auch mal im 
Pflasterstrand abgedruckt war. Was *ne freie 
Anarchistin ist, die läßt sich weder ver- 
noch gebrauchen" 

Marlies HageL, Hamburg 



"(...) grad aus dem Wendland retour, liegt der 
SF vor mir. Oas letzte Exemplar. Der REGEN¬ 
BOGEN (Vertrieb für Berlin) hatte wohl nur noch 
10 St. für uns, Kurzskizzierung: die befreite 
Ausdrucksgestaltung macht mich schon an, die 
Inhalte, bloß diagonal durchquert: RAF als 
Anarchismus/Marxismus Problem ist langweilig 
und ärgerlich, die Koppelung Trakte/US-Gefäng** 
nisse umso wichtiger. Ansonsten keine' MUMIEN* 
Diskussionen, die Übercodierung mit der ($.33) 
Arbeiterklasse, denn wir wollen ja all© raus 
aus der Kiste und brauchen keine Zwangsjacken* 
den Traditionalismus sollen die Frührentner und 
Gralshüter der Ideologie mitschieppen, ich be~ 
daure es immer so, daß das Durchschnittsalter 
unserer Altanarchisten bei 20-25 Jahren liegt. 
Also, ich wünsche mir, daß wir mehr den Codes 
unserer "Ideologie" entrinnen, und mehr frische 
Luft zum DENKEN-ATMEN nehmen, nix mit an Be¬ 
wegungen dranhängen, sondern MACHEN! Der 
Arnold von uns war grad in Amsterdam und er¬ 
zählt mir von den Beton Nomaden, also viel 
nomadische Gegenmacht entfachen, die Theorie 
subversiv gestalten, jedes Denken, das keine 
Beteiligung erfordert, sofort angreifen; aber 
zurück zum SF, die Geschwindigkeit nicht der 
anderen Seite überlassen, und alle 2 Monate 
•erscheinen, der Auflage ne Null dranmachen 
und zügig ausliefern.,, wie sollen wir mit 10 
Exemplaren 50 Abos werben, die reichen j a 
noch nicht mal fürs ganze Rhizom. Also Speed, 
und alles fließt schneller, und die nächste 
Nummer wird hoffentlich genausogut, (...) 
und noch was: Berlin ist noch kein Dorf, 
da müssen mindestens 800 Exemplare des SF 
zirkulieren." 




"Ich habe mich sehr gefreut als ich inr letzten- 
ID von eurem Projekt gelesen habe. Ich finde 
es sehr gut, daß sich endlich Leute aufraffen 
auch mal ein theoretisches Anarcho-Blatt raus¬ 
zugeben, denn leider ist ja unsere Theorie 
nicht auf dem modernsten Stand. (..*)" 

Wolfgang Fabisch, Bad Oeynhausen 

"(...) auf so was wie den 1 SF* habe sicher 
nicht nur ich schon lange gewartet; ich finde 
eure Ansatzpunkte ungeheuer wichtig; den Vor¬ 
hang der Tabus zu lüften, die über "Anarch¬ 
ismus heute" liegen. 

Gtidrun Ziegler, Ermschwerd 

ABER AUCH DIE ZENSURSCHEIßE HAT SICH SCHON 
EINGESTELLT: 

! 

"(*..) was die rücksendung des sf ar?geht, so 
hatte ich derartiges leider befürchtet, logo 
hab ich das nie gesehen, wenn ich das über¬ 
haupt zurückgeschickt hätte, dann bestimmt nicht 
kommentarlos* na, wie komrnts nun? also im 
gründe isfc's schnell gesagt, hat ganz einfach 
mit meiner haftsituation zu tun und mit den 
kontroll-, schnüffel- und sonstigen mechanismen, 
die halt so laufen, ich könnte dir jetzt 1 ne 
seitenlange aufZahlung von solchen dingen machen, 
denke aber, daß so was inzwischen nicht mehr* 
so ganz unbekannt ist, weshalb ich es zumindest 
fürs erste unterlasse^...) na ja, wie dem auch 
sei, im gegensatz zu einigen genossen versuche 
ich denn doch wenigstens ab und zu, mich mit auch 
weniger "internen" dingen rumzuschlagen, auch 
wenn das denn doch meistens mit gewissen 
schwierigkeiten verbunden * ist. ein wort noch 
zur üblichen pressezensur und anderem, wenn du 
davon ausgehst, daß so dinge-r wie päd.extra, 
frontal, deutsche volkszeitung - von•so was* wie id 
oder pflasterstrand oder ähnlichem gar nicht zu 
reden - nicht durch die kontrolle laufen, so 
weißt cu denn, warum ihr das an mich•gesandte 
exemplar zurückbekommen habt." 

jens stuhlmann, liegen (jva) * 

Sin NICHTS zu sein tragt es nicht länger... 

■ liebe Genossen, 

euer -Lnweis, den "Schwarzen Faden" 
unbedingt auszuhänd.len, hat die Knasilaitung 
nicht beeindruckt. Die ist nämlich größenwahn¬ 
sinnig und hat befunden, daß es euch garnicht 
gibt! Da haben sie extra im Handelsregister 
von Reutlingen nachgefragt und festgeatellt, daß 
ihr nicht als Verlag eingetragen seid (echt, die 
| haben sonst nichts besseres zu tun!). Eure 
Zeitschrift ist somit ganz offenbar ein Phan— 
km (frech genug, daß ihr für NICHTS auch , 


Franz , Berlin 








2 



noch Geld verlangt!) - und das liegt jetzt 
bei meiner WICHT- "HABE”. Oie händigen hier 
nämlich Zeitschriften nur aus, wenn 3ie vom 
Verlag kommen. Und da es euch gar nicht gibt. 
Noch läuft die Beschwerde und wir werden j 
sehen, ob aus euch noch was wird! Nehmt's 
nicht so schwer, daß ihr NICHTS seid - 

solidarisch, Johannes Roos, 
Schwalmstadt-2 


"Als erstes begrüß ich euch herzlich zu eurem 
mutigen. Unternehmen im BKA-Deutschland ein Dis- 
kussionsforum ermöglichen, wiederspiegeln und 
entwickeln zu wollen.(...) Ich bin "momentan" 
Gefangener in einem italienischen Spezialge¬ 
fängnis auf der adriatischen Südseite der Halb¬ 
insel, genauer, in der Nähe von Bari, Kurz und 
schlecht im Trakt der terrorisierten Gefangenen, 

- mit den sogenannten normalen Gefangenen be¬ 
stehen keine Kommunikationsmöglichkeiten. Wir 
Anarchisten, Marxisten, Marxisten-Leninisten- 
Stalinisten sind alle in einer Abteilung. (Ich 
erinnere mich, als die RAF forderte in inter¬ 
aktionsfähige Gruppen zusammengeführt zu werden 
und noch dazu für diesen gefährlichen Unsinn 
Hungerstreiks durchführt© mit dem Erfolg, soweit 
ich das von hier aus sehen kann, die im Begriff 
befindliche antagonistische Bewegung zu des¬ 
orientieren.) Ungefähr 3 6; aber es herrscht, wie 
es anders auch gar nicht sein kann, Widerspruch 
zwischen uns (...) was 'ne Bündnispolitik er¬ 
möglicht, ist der neue Repressionscharakter, aber 
das sind faktische Probleme." 

Willy Piroch, Trani (Italien) 




UND NUN NOCH EIN PAAR FRAGEN, OIE STELLVER¬ 
TRETEND EUR WOHL VIELE Reinhard Sick AUS HEIDEL¬ 
BERG GESTELLT HAT: 

durch den "Schwarzen Gockler" habe ich von 
eurer geplanten Zeitschrift "DER SCHWARZE FADEN" 
erfahren. Mich interessiert nun alles was mit 
diesem Projekt in Zusammenhang steht. Also vor 
allem die inhaltliche und theoretische Konzeption, 
praktische Verwirklichung. Nach welchen Kriterien 
werden die Artikel ausgewählt, von einer Redaktion 
diskutiert? Wie soll die Zeitschrift finanziert 
werden? Auflage? Grafische Gestaltung? Und wichtig 
Warum zu diesem Zeitpunkt (Beginn der BOer Jahre, 
mit allen ihren sozialen, politischen und ökono¬ 
mischen Entwicklungen) in der 8R0 (Warengesell¬ 
schaft) eine anarchistische Zeitschrift? Welche 
Möglichkeiten wollt ihr dem Anarchismus damit er¬ 
öffnen, bzw. den Anarchisten? Und wo steht ihr ' 0^ 
bei dieser ganzen Sache?" 


Die meisten Fragen sind nicht leicht und vor allem 
nicht allgemeingültig zu beantworten. Also nur 
ein paar Stichpunkte. Unsere 1.Auflage zum "an- | 
testen" betrug nur 500 Exemplare? danach haben i 
wir 400 bei den Freunden vom Windd ruck -V erlag nach - 
drucken lassen. Klar, daß unser Zwischenziel, auch 
um den niedrigen Preis zu halten, bei mindestens 
1000 liegen müßte. Die Redaktion wird pro Zeitung 1 
namentlich ausgewiesen und fühlt sich auch als 
^Kollektiv für den Inhalt verantwortlich. Die 
Einzelbeiträge werden an einem langen Wochen¬ 
ende von möglichst allen Redaktionsmitgliedern 
diskutiert, thematisch zusammengestellt und 
ausgewählt. Auswahlkriterien sind z,0. , daß 
keine 'nur' Berichte, Erklärungen oder Meldungen i 
reinsollen, weil es dafür ID, TAI etc. gibt 
und diese Zeitungen von uns weiter intensiv 
genutzt werden sollten, D.h, in den "SF" 
sollen theoretische Beiträge und Hintergrunds- 
berichte rein; Meldungen nur, wenn wir sie 
für sehr wichtig und längerfristig inter¬ 
essant halten. Ein negatives Auswahlkriterium 
ist der Platz -, bei nur 40 Seiten ist klar, 
daß nicht alles aufgenommen werden kann; aber i 
finanziell erschien uns dieser Umfang als 
die beste Lösung. Inhaltlich wollen wir ein 
Diskussionsforum verschiedener anarchistischer 
und libertärer Strömungen werden; d.h. daß 
nicht zensiert werden soll, - trot2dem behalten 
wir uns vor, Beiträge, die wir fit schlecht 
halten - egal aus welcher Richtung (auch Unsere 1 
eigenen) rauszulassen. Finanziert wird, das 
ganze zunächst durch Privateinlagen der Rebaktichs- 
mitglieder - jeder soviel, wie er gerade ent¬ 
behren kann und soviel, damit die ersten beiden 
Nummern gewährleistet sind. Oansoh hoffen wir 
auf ABOs und guten Vertrieb, so daß die Schrift 
sich selbst trägt. Logisch, daß wir uns Ober 
Spenden sehr freuen - besonders gut wären einige 
Patenschaftsabos für unsere Freunde in den 
Knasten, denn das sind leider nicht wenige, und ! 
wir wollen keinen, der um ein Freiabo bittet, 
frustrieren! 

Wie wir uns im Bezug auf die anarchistische Se~ ! 
wegunq verstehen, war in der Nulimimmer ja schon 
angedeutet - vor allem eben: Zusammenhänge ent¬ 
wickeln gerade angesichts wachsender Bedrohung, 
der unsere Vereinzelung hochwillkommen-ist. 
Ansonsten wollen wir keine hochgeschraubten Vor¬ 
stellungen predigen - entweder unsere Schrift 
wird von vielen Anarchisten-innen genutzt, so 
daß sich daraus ein wirkliches Forum (und anderes?) 
ergibt, oder sie degeneriert wie so vieles zum 
bloßen Konsumblatt \ 

W.H. + F.K. für die REDAKTION 









SCHMID I'SCHES "MODELL DEUTSCHLAND" CONTRA STRAUß' KONZEPTION 
VOM POPULISTISCHEN OBRIGKEITSSTAAT VQn Woifgang Haag 



Was unter dem Begriff "Modell Deutschland" in 
den letzten Jahren ausgebaut wurde, läßt zu¬ 
nächst wenig Unterschiede zwischen der SPD/FDF* 
und den Absichten der CSU/CDU erkennen* 

G5G 9, personelle und militärische Aufrüstung 
von Polizei und Bundesgrenzschutz r §88a, Hoch¬ 
sicherheit strakte..» sind Schlagworte, die. 
eine Entwicklung kommentieren, die keinesvrega 
auf die BRD beschränkt ist, sondern unter dem 
Begriff "Germanisierung" ganz Westeuropa beein¬ 
flußt. Die BRD versucht z u n ä c h s t. in 


Gewalt daran festhält, den Energiesektor mehr 
und mehr zu zentralisieren und indirekt (aber 
sichtbar) zu militarisieren. Aus dezentral 
gewonnener alternativer Energie erwüchse dem 
Staat keinerlei Machtmonopol, im Gegenteil, 
es könnte das Bewußtsein entstehen, daß die 
zentralisierten Komplexe aller Länder wenig 
zur vernünftigen Lösung des Energiebedarfs 
beitragen können. 

für die Frage, wie nun trotzdem der starke 
Staat gerettet werden könnte, gibt es derzeit 



■smt. 


Vor allem zwei Vorstellungen 


vermag. In diesem Zusammenhang sind wir■Zeü%an 
eines Prozesses, der damit enden kann (dplrl;)» . , 

daß innerhalb der BRD die ganze re formerische > 
Gesetzgebung nach dem 2.Weltkrieg uiid >sp##fi||ll- \' 
Ende der 6oer Jahre vom Tisch gefegt wird..T^r • 
Staat versucht seine Kontrollmacht zu ■. 

noch bevor die erwartete ökonomische Kri&e ■ | 

wirklich eintritt* Und niemand sollte g:laoh«Ä* 
daß die dazu notwendigen Gesetze aus . 

V.r^/>v 

Angst vor der Guerilla entstanden sind bhd 
entstehen, wenngleich sie oft geschickt:'- ; ry- 

■ v* t '• • 

einen solchen Zusammenhang gebracht w e™ ; 
Einen viel besseren Einblick in den Sinn dieser 
Gesetze bieten die staatliche Stärke demonstrie¬ 
renden Polizeieinsätze in GQRLEBEN. Oer Staat 
bereitet sich mit einer beängstigende.n ‘Vund M ^ 
internationalen (besser: n a t o n s t i o n a 1 e n 3 
matik auf MORGEN vor. Eine Energiekrise w 
voraus gesehen und einkalkuliert, weil man 
weiterhin auf Wachstum setzt. Aus diesem 
muß die Kernenergie notfalls auch militori^cb 
dnrf'hnP7nnf»n werden. Dss Schlaowort VQW 


mmmamrn wm* y t 5 C H L A N D 

-SCHMIDT 1 SCHES "M0DE1-L D __- 


DAS, MODELL DEUTSCHLAND ODER OER VORTEIL DER 
•SOZIALDEMOKRATIE 


#$^ Spiwicklung ln Schweden, wo die Industrie 
|§Slb(iend auf die mit dem Staat verfilzte 
'S:tetdi#empkratie 'urosteigt*, zeigt, daß deren 
attraktiv geworden ist. Geht man davon 











4 


aus, daß diese Entwicklung eine starke büro- 
kratisierte Sozialdemokratie voraussetzt, so 
ist sie neben der BRD besonders in GroSbritan 
nien, Skandinavien, aber auf längere Sicht 
auch in Frankreich, Spanien und Portugal vor« 
stellbar. Eine Kooperation mit der Sozial¬ 
demokratie bringt der Industrie eine Politik 
ein, die auf kurzfristige hohe Gewinne ver¬ 
zichtet, d.h. z.B. nur mit einer kalkulierten 
begrenzten Arbeitslosigkeit rechnen darf, da¬ 
für aber auf eine weitgehende "Sozialpartner- 
schaft" aufbaut. Bei dieser Partnerschaft wir 
nichts am eigentlichen Produktionssystem, nie 
an der Wachstumspolitik etc. verändert. Die 
SPD garantiert, gemeinsam mit deS von ihr 
dominierten DGB, daß dis Kämpfe der Arbeiter¬ 
schaft institutionalisiert und kanalisiert 
werden. Unkontrollierte Arbeitsausfälle durch 
Streiks etc. unterbleiben. Ein MITbestimmungs 
modell ist dabei die perfekt inszenierte 
Täuschung des Arbeiters über seine wirkliche 
soziale Stellung. Ober Repräsentanten in 
Giertien mitzuwirken und mitzuverantworten, be¬ 
deutet an der Basis das Maul halten zu müssen 
weil man ja sonst gegen die angeblich eigenen 
Enteressen verstößt. Der BETRIEBSFRIEDEN ist 
ein wesentlicher Garant für das Funktionieren 
des "Modell Sozialdemokratie' 1 : Mitbestimmung, 
institutionalisierte Betriebsräte und Tarifve 
träge, gar Aktien-Teilhaberschaf z etc, ergebe 
eine neue repräsentative Bürokratie, die der 
Industrie scheinbar Macht beschneidet, aber 
tatsächlich weder, am Eigentum, am Verfügungs¬ 
recht noch an der Profitverteilung oder In¬ 
vestitionsregelung wesentlich rüttelt. Und wa 



schlimmer ist: diese innerbetrieblichen Schein- I 
fortschritte vernebeln selbst den wenigen be¬ 
wußteren Arbeitern oft den Blick dafür, was 
außerhalb der "Sozialpartnerschaft" vor sich 
geht. Daß die Aufrüstung von Polizei und Grenz¬ 
schutz auch gegen Arbeiterinteressen verstößt, 
wird kaum registriert. Um diese Ablenkung auf- j 
recht zu erhalten, um die Gewerkschaftsbasis in 
ihrer Rolle zu bestätigen, um den Apparat der 
Gewerkschaftshierarchie und der aufstrebenden 
jungen Gewerkschafter fortzuführen, müssen 
die Gewerkschaften - obwohl Teil des Sytjtems - ■ 

gelegentlich Konflikte mit den Unternehmern ! 

suchen. Dies geschieht in den regelmäßig wieder¬ 
kehrenden Tarifauseinandersetzungen und endet 
meist als pure Farce. Abgesehen vQD h: -,f.flefSttt-- " 
liehen harten Auseinandersetzungen, die die ' ! 

Gewerkschaft dann eingeht, wenn sie sich unter 
starkem Druck der Basis fühlt, enden spXshe 
Scheinkämpfe meist mit Warnstreiks und Kompro¬ 
mißprozenten, die hinter verschlossenen Türen 
ausgemauschelt werden - damit es 1 %eln.:|:b.■ Seite. i 

weh tut. Schließlich wollen beide' f paxtner ! • J 
ja weiterhin die Interessenvertreter bleiben 
und kein .Mißtrauensvotum ihrer Klienten einten. 
Gegen dieses fast perfekt auagekIil|^ÄÄ Adlern g 
haben die Arbeiter bisher kaum dliÖg- 

liehkeiten entwickelt. Vielleic ht, feil;. ■' da s 
System so komplex ist; vielleicht!'tiiftn < l 

weiß, daß man "seine eigene" Gewdrßschuft an- 
greifen müsste und allein natürlich auch > 

keinen besseren Weg aufzeigen kann* 
aber auch weil es keine politisch# .kjsa.ft gibt, 
die an einem solchen eigenständigen Weg der . 

Arbeiter interessiert ist. Eine bloße Ablenkung ' 
funktion üben auch die diversen Kommunieten- 
gruppen aus, denen es jeweils nur datum' gahty 
entstehende Unzufriedenheit für sich und die 
Partei auszunutzen. \J 

CSU-POPUL ISMUS UND AUTORITÄRES STAATSKONZEPT 

Gegen das SPD/DGB-Modell hätte die CSU/CMJ mit - 
ihrem autoritären Steatakonzept #nn eine Chance, 
wenn es der SPD/FDP nicht mehr gelingt, ge¬ 
fährdete Industrien wie die Atomindustrie 
politisch durchzusetzen. Da dies im Homent 
gewährleistet scheint, schlägt Strauß den 
einzigen anderen Weg ein. Durch Irrationalis¬ 
mus und Populismus sucht er eine breite Basis 
des deutschen_Uolk S! hinter sich zu bringen und 
gleichzeitig die Großindustrie eindeutig zu : 

fördern. D.h. er spekuliert durchaus mit j 

gesteigerter Arbeitslosigkeit und Höherer 
Inflation, um die Sozialkosten füjr die Industrie 
zu senken bzw. unrentable Industrien "gesundzu- ,'j 












sich selbst überiiaupfc nicht an die herrschende 
Moral hält. Oie Skandale der letzten Jahrzehnte 
müßten Beweis genug sein - aber anstatt ihn 
politisch zur unmöglichen Figur zu machen, 
findet er bei einem Großteil der Bundesrepu¬ 
blikaner vermehrten Anklang.,. Bestechungen,' Lügen 
Vetternwirtschaft, ja Abweichungen von der 
f reihe i 11 i c h - d e m o k ratischen Gr und o r dri ung oder 
der demokratischen EJthik (vgl* Chileäußerungen) 
werden plötzlich zu positiven Eigenschaften des 
STARKEN MANNES, Strauß ist der männliche Held, 
der sich gegen das Chaos s.temmt-, um sich da 
.durchzusetzen, darf er schon mal unter die 
Gürtellinie schlagen,. das.| findet man ganz pfiffi< 
> und er kehn t es v erst and ni p v o11 grins en d an. Und 
unter "Kumpeln" gibt man schon zu, daß man das 
alles selbst auch gern täte, wäre es nur schon 
erlaubt]" • '• *- 

Eine Linke , die -meint mittels seiner 

: ( §kahdaie für die öffentliche Meinung "entlarven" 
können, übersieht vollständig, daß die von 
5®6$"«ÜS^®das allgemein als demo- 
'krä tis c h, be z eieh n e t e W e r t e sys t em bereits hinter 
sich gelassen hat. Benutzt die linke bewußt 
dieses Wertesystem um Strauß besser (?) kriti- 
/älbr.Chzu können, verliert sie an Überzeugungs- 
ibaft,;:.-weiI sie', verschweigt, daß sie ebenfalls 
z 4 he gen M o ra 1 v o r s t e 11 ung e n gekommen ist, die in 
P b s i 'i i v er Weise über die b e s t eh enden Tiinaus- 

gjehenv ;V ; . : 










DAS KLEINERE ÜBEL, DAS NIE EINES WAR . 


Aus dem vorausgegangenen wird deutlich, daß sich übertragen werden soll. 

SPD/EÖP und CSU/CDU zwar in ihren Methoden und DEUTSCHLAND, DEUTSCHLAND ÜBER ALLES ~. entweder 

in ihren Bezugsgruppen über die sie die ;politische mit nationalem Pathos oder über eine leisem $ 
Macht erlangen wollen unterscheiden, nicht aber treterische Technokr atenbürolferatii? 

im Ziel, den Atom-und Polizeistaat aufbauen zu Trotz mangelnder Alternativen bei. der Bundes- 

wollen* Um noch einmal zusammenzufassen: Seide tagswahl (die GRÜNEN werden .wohl kaum die .5?« | 

wollen ein geeintes Europa, beide wollen über erreichen) gibt es keinen Grund das eine dem 

die NATO eine nukleare "Abschreckungs-^masehinerie anderen vorzuziehen * 

zur Verfügung haben, beide wollen für Deutschland Die Öko- und Alternativbewegung bleibt in 
den Ausbau eines starken Staatesbeide wollen beiden Konzepten unbedacht; d.h.wir sind die 

die deutsche Wirtschaft als eigentlichen Macht- einzige Oppositionsbewegung, die nicht im , 

faktor in einer europäischen Gemeinschaft voraus durch Vereinnahmumg m^ntftot' gemacht/ 

stärken. Um diese Entwicklung abzusichern, ver- werden kann - für uns sind im Moment jeweils 

folgen beide den Ausbau der Atomenergie. Der die Polizeiknüppel vorgesehen. . 

Unterschied auch nach außen liegt nur in der 

Methodei Während Strauß und sein Konzept Deut- < ,:■ /; •' s 

schlarada Einfluß direkt über die nationale 


Macht einbringen und Deutschland zunehmend auch 
als internationalen Weichensteller aufbauen will, 
so bevorzugt das Schmidt r sehe SPD "Modell Deut¬ 
schland” die indirekte Einflußnahme, bei der - 
wenn möglich über die Sozialdemokraten anderer 
Länder- daa äeutsche Modell auf ganz Westeuropa 






) 


/ 












(das Original des. Artikels wurde uns von der^ 
Londoner Zeitung FREEDOM überlassen;W.Haug) 

Portland, das in Oregon an der Mordwestseite 
der USA liegt, könnte - sogar Für Amerikaner- : 
als abgelegener Platz für ein internatiofialö^ v 


..Literatur reichte, bei der u. a * die Science 
Fiction Autorin Ursula Le iSain beteiligt war, 
oder von einer po 1 itisehen Agitatlionsrede des 
alten Kämpfers Sam Dol^b/f ■' {S),bis zu einer Vor- 
f U hjeu n g anarchiat i s c h e r M ü s i"k d u r c h Fla u r i c e 
Lema.it re und John Cage. y • 


Treffen erscheinen» Außerdem wird der Fremdph^’ ’T Die Tatsache., . daß solch ein |a ; usgearbei tetes 
führer kaum vorschlagen, daß es eini.'Tagungs-/ Programm geplant worden' war, AeÖetitet#, daß an¬ 
ort für irgendwelche Radikale, am wenigsten fjangs zuviel Aktivität Vo* Podium ausging und 

für Anarchisten, werden soll. v ''■<’>£.Tfir/ttie/Versammelten .im. S^al zur piskussion kaum 

"Ein bestimmtes Maß an Selbstzufriedenheit RaUni blieli, Die Teilnehmer bereiteten dieser 

Teil des Lebensstils von Portland: die -'£'^14^-C ; i;oa‘'.jedoch' tc'biiteil' eih*-Ende 'n)ach dem 

wohner Oregons, haben allgemein -eine Att "uhiier ; 'ersten Tag wurde den 'zwar im allgemeinen 

Garten Eden"-Komplex hinsichtlich ihres 5 zu gehört, aber l-angej. 4^tictifteifende Diskurse 

Sie mögen ihn wie er ist und f-nicht mehr toleriert, 
jede Art von Veränderung zum schlechteren 1 ' fplfrte diesgespannten-Momenten; und 

führen würde." (Beautiful Portland, von Robji.n^, hitzigen Wortwechseln, so mußten einige Redner 
Will). (1) ' V ';"'^^A^v^: : 'i#'' v ^skusslone:zeit'f'Zum>|‘eil : wütende Angriffe 

Trotzdem wurde das jüngste Internationale , K \ ? a^straiten. Arthur:Mendäis Bemühungen die revo- 
Symposium über Anarchismus im Februar d ieses ' ( .\S ' iutionare Gewalt des Anarchismus den sexuellen 
Jahr in Portland abgehalten und brächte zuzuschreibeo, wurden 

Richtungen von Anarchisten und Anarcho- \ 'nie der gern acht Gepf f rey Gneuh 1 s 

symeathisanten zusammen; hauptsächlich aus Vlty,Versuch eine eh.rist lia^^ Position 

den USA, aber auch aus Südamerika und Europa. 0 vorzustellen in einer Flut von Schimpfworten gegen 
Schlagzeilen in der Lokalpresse verkündeten, . ^athrolisöhe ‘ Kirche* Untergang * 

daß die Anarchie auf dem Campus 

tablen lokalen. Privatcolleges losgelassen ein solidarisches Gefühl unter den Teilnehmern,' 

worden sei, aber die Portländer Bürger schienen das dazu befähigte, echte konstruktiv^ bespräche 
nicht übermäßig beeindruckt von dem Ganzen zu führen; - es war das tragende Gefühl vor- 

j;. ... - „hwohi tn J^|f$l:db«ndig^n Bewegung 


und die Autoritäten - obwohl in Alarmbereit- handen, daß man Teil einer lebendig 
Schaft,'- hielten sich sehr zurück. Einige ist; bei der sich die Gemeinsamkeit 
der Berichte wurden im Fernsehen 


tatsächlich 


der Berichte wurden im Fernsehen übertragen - in verschiedene Richtungen aufspalten kann. Es 
so daß es schien, als würde das Symposium ist schwer bestimmte Versammlungen herauszupicken 

mehr Interesse und Neugierde erwecken als um dies zu illustrieren, \*ah©,r ■•ich !• glaube*--daß- 

Mißfallen Hervorrufen. Oie einzige Person,/ , ' • die meisten Teilnehmer'sowohl stimuliert und er- 

die Ängste über die ganze Angelegenheit zu mutigt waren durch die nachfolgenden Diskussionen, 

entwickeln schien, war der Collegepräsidsnt.. : q/.jEi'^faodxetne teilweise lebhafte Debatte über 
Ungefähr nach der Hälfte der Vorträge sagte ; ‘f; Anarchismus und Feminismus statt, in deren Ver- 
er einen offiziellen Empfang ab, der am Fenrinistinnen Zeigten, daß sie auf 

Ende der Woche in seinem Haus geplant ge- theoretischem und praktischem.Gebiet konstruktive 

wesen war. iVilftfv"unternehmen Um einen anarchistischen 

Das Programm des Symposiums war entwickeln. Es gab' eine beeindrucken- 

ehrgeizig; es füllte eine ganze Woche mit de Diskussion innerhalb eihe.r großen Versammlung 

Veranstaltungen die den literarischen und von Anarcnisten und Anarchosympathisanten, die 

künstlerischen Aspekten des Anarchismus von dem Vortrag des radikalen Erziehers Joel 


harchi-sten und Anarchoaympathisanten, die 
des Erzieh«rs Joel 

dtiri?ir:::,- ; fer 
den destruktiven Einfluß des "Üb4 *t 
gs~Unterrichts" der - amerl;k'ärri^cS|e^ -Steefe* ” 


genauso wie den-politischen und 
gewidmet waren. Eine vage Vors toi X-Uri^ 

den Bereich, den das Programm de ^ 

darüber vermittelt werden, daß es vom ; ge*'-. erziehung auf das Denken des Individuums zu 

lehrten Vortrag des ausgezeichneten Bakunin- bekämpfen. E3 gab eine tiefschürfende |rito,r|uetiuiig 

Kenners Arthur Lehning (Z) bis zu einer moderner kooperativer Projekte, von der Pro- 

_i i __ r\z __i .".hör amirRhiatiBeM -'^-i 4’vt düzenten- und Konaumentenseits aus o. 



informellen 


Diskussion über anarchistische duzenten- und Kpnsumentenseite aua -/als Aftl&fatt 






1 







auf Len Krimermans Beitrag über die geschicht¬ 
lichen Versuche und zukünftigen Strategien.(7) 
Schließlich fänden mehrere wichtige Diskussionen 
statt über die praktischen Versuche anarchistischer 
Siedlungen |,nfaftg des 20.Jahrhunderts - 
"Cecilia" ein einfühlsamer Film über die ital¬ 
ienische anarchistische Siedlung in Brasilien, 
provozierte ©inen Ideenaustausch über den Wert 
dieses Experiments als einem Versuch das tra¬ 
ditionelle Familienleben in das Leben einer 
anarchistischen Gemeinschaft zu integrieren 
die Beiträge von Martin Ackelsberg (8) und 
Burnett Ballotin (9) stimulierten eine kon¬ 
struktive Untersuchung der Errungenschaften 
und Probleme der spanischem Anarchisten im 
Bürgerkrieg 36*39. Zuletzt gab es eine 9 ®hz 
spannende Debatte über die Bedeutung von 
Chomskys Theorie der Individuen in der Ge¬ 
sellschaft. (10) 

Natürlich gab es aber auch außerhalb der eher 
formellen Sitzungen Versammlungen von sich 
nahestehenden Gruppen oder persönliche Kon¬ 
takte^- und dies trug vielleicht mehr als 
alles andere dazu bei, kreative Diskuesionen 
zu fördern und Freundschaft - and i-t-ät 

^u festigen.Es erschien mir so., als wäre in 
Portland eine Gelegenheit genutzt worden, 
die unreale Differenz zwischen Theoretiker 
and Aktivist, akademisch und militant, auf t 
zubrechen« Ein traditionelles Vorurteil in 
der anarchistischen Bewegung, seit Bakunin 
das arrogante Führergehabe der Wissenschaft-'' 
ler denunziert hatte. Die Tatsache, daß 
radikale Bewegungen ihren Denkern so oft 
übertriebene Bedeutung zu kommen ließen und 
dabei dazu tendierten die Kreativität des 
Volkes auszulöschen anstatt zu fördern, sollte 
uns nicht daran hindern, die Beiträge von 
Theoretikern und Lehrenden aufzunehmen. Als 
Anarchisten sollten wir in gewissem Ausmaß 
Theoretiker und Aktivisten sein, - aber wo 
ein Genosse mehr Einblick in praktische 
Aktivitäten haben mag, mag ein anderer den 
klareren Zugriff für intellektuelle Konzepte' 
besitzenV (...) 

Zusammenfassend, glaube ich, war das Sympo¬ 
sium ein kleiner Schritt vorwärts in dem Be¬ 
mühen eine Theorie und Praxis des Anarchismus 
zu entwickeln, damit er eine kreative Kraft 
in der heutigen Welt sein kann. Wir müssen 
dies dringend tun, weil zweifellos sehr viel© 
Menschen, heute mehr als jemals zuvor, unzu¬ 
frieden sind und parlamentarische Politik, 
Mationaistaat und internationalen Kapita¬ 
lismus satt haben. Wir können das, was wir 
zu sägen haben nicht anbringen, wenn wir nur 


fortwährend negative Statements wMi|lbdi©n ' ; 

und gegen Staat und Autorität sind. Wie 
Marianne Enkell von der C.I.R.A. ' 

ihrer programmatischen Rede auf I|jtweh~ , 
digkeit beharrte, den Anarchismus in|||rnational 
zu verjüngen, - 'so haben wir wirtiye 
Vorschläge über die Art einer anarchistischen 
'Gesellschaft in der gegenwärtigeyMdfr-en. 
Anarchisten können einfach nicht ßi^ffee^vdi'e - 
brillianten aber im.'wesentlichen 
Visionen vorr Bakunin, Kropotkin o"fer M^latSSta zu 


Visionen von Bakunin, Kropotkin oder Malatesta zu i 
wiederholen - auch können sie ka \ 
lutionären Aktionen zufrieden sein, die hur darin 
bestehen' die Versammlungen und Demo 


Kgn,^'.>e 


bestehen die Versammlungen und Demonstratiönen 
anderer politischer Organisationen zu- stÖ|^h 4 ,i 
Wir brauchen den Einblick in die 'Theor^ 1 ^^^ *f\' 
'Praxis- der Vergangenheit und 

text der Probleme unserer modernen Gese 11 sc|l ä . 

entwickeln. Dies bedeutet, daß wir neue Vorschläge 
darüber auszuarbeiten haben, wie Si.ediun ge n- auf f 
anarchistischer Basis sich selbst organisieren 
können; nicht mit der- Absicht einen 
die Zukunft festzulegen, sondern um eine Fülle 
bedeutsamer Vorschläge zu machen, die das Denken 
und -die Praxis von gewöhnlichen 


anarchistischer Basis sich selbst qj 
können; nicht mit der Absicht einen 


und die Praxis von gewöhnlichen Menschen, 
Freiheit rufen, inspirieren. Es 
das Symposium in Portland eine der ersten 
vielen Gelegenheiten war, bei der Anarehii 
wirklich Zusammenkommen - auf internation* 
Ebene - um genau das voranzutreiben. 


von 


aler 


i, 


Am letzten Tag des Sympsiums wurde zum ersten Mal*., 
der Dokumentarfilm "The Free Voice of Labt 
The Jewish Anarchists" gezeigt. Vielleichl 
hielt dieser sympathische Film, der das Ei 


alten jüdischen anarchistischen Zeitung v fre!ä f 
Arbeiter Stimme” beschreibt, die 1890 gegründet 1 
worden war, die Programmatik fü^^^.zeitge-- • ■ 

nössische anarchistische Bewegu^ ; ^- den Vorschlag 
daß wir die Inspiration der Vergangenheit dazu r 
nutzen^ unsere Aussagen für heut^fu-' entwickeln!- 

' , , . ^ ' ■ Ü4 ''"■K'*' * * ■ 

(x) s.5 ; 

(2) Anarchisrn and Marxism (übersetzt-b,l Karin ; ‘ 

Kramer-Verlag, Berlin) . |vf|»V ; 

(3) Anareho-Syndikalism and- 

• Movement . • -i'j 

(4) Bakunin 1 s Politcs: The Role cf Violence and 1 

Leninist, Organisation - *£&:*'T :VM: ’■ 

(5) Anarchisrn and Religion - A &gr 

(6) Institutional Transformatier: 

the Mind V. ' ^ 


: bei Karin : • 


(7) Anarchisrn! a Sharing of Pa^^jsriencei and 
' Futu^e Strategies 

(8) The PTactice- of Anarchist 
Position of- Women in Span||||^ 

(9) Anarchistische Dilemmas 

krieg ’ 

(105Chomsky 1 s Theory of Man an^/tii^i^ty 







WIDER DIE MARGINALISIERUNG DES■SUBJEKTS 

von Matthias Watermann 


Der Titel diese® Beitrages mag verwirren - 
wird doch "das Subjekt" gemeinhin als sen- 
traler Gegenstand sog* "politischer Arbeit" 
begriffen^ sei es das eigene (Stichwort* 
Politik in der ersten Person), sei es das 
revolutionäre (Stichworts Avantgarde-Poll* 
tik). Demgegenüber will ich aufzeigen, wie 
sehr doch Subjektivität zum Fetisch verkom¬ 
men ist, der je nach Geisteshaltung angebe-* 
tet oder verdammt wird, der gleichwohl den 
ihm gebührenden Platz noch nicht gefunden 
hat* 

Indem ich versuche, mich Begriffen wie "Die* 
ziplinierung", »Wahrheit", "Bedürfnis" f; 
senschaft" u.a.m* zu nähern, entwerfe ich feiü 
begriffliches Szenarlon zwischen Subjekt uM 
Objekt, zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung, 
zwischen Rebellion und Integration, zwisdheii 
Ideologie und Emanzipation * 

Es liegt in der Natur dieses (begrifflichen) 
Experimentes, daß vieles nur gestreift, man¬ 
ches nur benannt, einiges nicht naher erklärt 
und das ein© oder andere wohl auch übersehen 
wurde. - Schließlich wird es der weiteren 
Diskussion Vorbehalten bleiben (müssen), dtSK 
praktische Seite, die Alltagsansicht also eig¬ 
ner freiheitlich/sozialistischen Theorieent¬ 
wicklung näher zu bestimmen und darzulegeiii 
genauso wie es gilt, das Spannung©Verhältnis 
zwischen den Eckpunkten Wissen, Intelligenz 
und Macht zumindest gedanklich zu entladen* 



Politische Gegner und Intellektuelle kamen als erste ins 


Auseinandersetzung und Macht 

Es ist erschreckend * wie das Bezweifeln 
immer wieder infrage gestellt wird, ja 
z ueDe kg ew le se n w ird * He 11lg e Kühe , w oh i n 
man blickt* [■" 

Fast scheint es, als sei es schon ein 
Regelverstoß, wnn eine einmal auf ge¬ 
stellte These, die Uber einige Zelt sin- 
hinterfragt blieb - vielleicht* well sie 
einleuchtend klang - oder die qua Diskos- 
sionsergebnis gefunden worden war, 
plötzlich aufgegriffen wird und kriti¬ 
siert, angegriffen. Ihre Apologeten wider¬ 
setzen sich mit all ihrer Kraft den Gegen¬ 
argumenten, suchen den Kritiker und die 
von ihm vertretene AntIThese zu isolie¬ 
ren. Wahre Diskussionsprozesse finden 
selten statt» Einzelne Diskursfragmente 
werden einander gegenübergestellti doch 
eine fruchtbare Debatte kommt dabei nicht 
zustande $ denn Ziel Ist oft nicht die 
Einigung (nicht* Vereinheitlichung), 
sondern die Überwindung des Zweifels, 
der Sieg der eigenen Auffassung. 

Dabei Ist es ein ausgesprochen unphilo¬ 
sophisches» unlauteres Verfafsrbfi, ein¬ 
zelne Gedanken aus einem Diskurs heraus- 
i'ufcelSen, um sgdann die feige ne Kritlk 
darauf aufzubauen * leder Gedanke ist nicht 
für sich und ln einem beliebigen Zusammen¬ 
hang, Kontext richtig und "Wahr". Er ist 
'äs ' nur ■ jewe 11s ln-: dem; Theorem, in dem er 
'■ entstanden ist, In dem er steht» Nur* 
oeis Wird, kaum begriffen* kaum eine (r) 
richtet sich danach. Man nimmt das eine 
odpr ändere Wort, den einen oder anderen 
Satz, >hd baut dann die "Widerrede" darauf. 

■' Und begreif t doch nicht den Gesamtzusam- 
■;' menbang ..der : auf gegrif fefiel*- Äußerungen . ■ 

.. : ,;fä;""nun e ben 'd 1 eher" 1 usamme nhang nicht 
'■ ■ ■ 'ägf gänommen 'wird, bleIbt auch die Detail- 
‘■tyftllk so läppisch, so folgenlos. Die 
Fauihe11 der Diskutanten macht die Dis- 1 
kupslon aberwitzig, weil faktisch irreal. 

Besonders deutlich wird dies, betrachten wir 
das , was "Politik" genannt wird» "trad 111ertei¬ 
le" zumal* Verstanden sei hier darunter die 
I Komb Ina11on von parteipolitischer und par la¬ 
ll me rifcar ischer Arbeit* die Hys t if iz lerung eines 
I"revolutionären Subjektes" verbunden mit der 
Oefeegatlon der "ttevolut1on" an dieses* die Fi- 
xiftiifig auf sowohl legislative wie exekutive 
||Gewalt, d *h • vor allem die Ergreifung der 
I^Jt^lsmacht» .als auch-das Streben nach Er-, 

bef initionsmacht über poii 11sch/ , 
|^!^Äp:glÄbe Be griff 11 chice lie n, um sch 11 eß- 
Ipgjfe36h ■ der • Mächt über die Alltäglichkeiten 
Jp gipfeln* die Auffassung, nahezu alles 
^|^i|äStiye Sein und Mandeln lasse sich zu- 
.iß bkPÖhffe^n-. auf ökonomische Gese t z mäßiqke 11en 
wjjNf dann angeführt* "Das Sein bestimmt 
|äs Ö^wDtselh".*.), In der Folge (dieser 
L > T'l|fe.b^'le.i,?yollz%en sich also allein aus der 
lirihdetDng der objektiven (das sind vor 
•' ällern ; ökonomische) Gegebenhei ten auch je ne 
:.de:fe;':..ädb jektlvei* ( Bewußt - )Sei ns . 







10 


0 }g frage nach einer pol it Ischen Strategie 
umfaßt also zunächst die Frage, was denn 
eiqentlieh unter politischer Praxis verstan¬ 
den «erden soll* Ur ad it 1 one Ile ) Politik 
abstrahiert sehr oft vom unmitteibaren Er¬ 
fahrungsbereich der von ihr (der Politik) 
aktiv und passiv Betroffenen - was sich 
aus den Strukturmerkmalen von Politik im 
Rahmen des bürgerlichen Staates ergibt. Oie 
Abgehobenheit ist dabei bestimmt durch den 
notwendig entstehenden Charakter politischer 
Auseinandersetzung in der Klassengese1 i- 
schaft* Wesentliches Ziel Ist hier politi¬ 
scher Einfluß t wie gesagt, die Nacht, die 
eigenen Interessen in einer verbindlichen 
Regelung gesellschaftlicher Interessensge¬ 
gensätze auf institutioneller Ebene zum 
Tragen zu bringen. 


So kollidiert schon die Form politischer 
Arbeit in der bürgerlichen Gesellschaft mit 
freiheitlichen Ansprüchen an emanz Ipator i- 
sehe politische Arbeit. Dies kann nun keine 
Absage bedeuten an jegliche Form Institu¬ 
tionalisierter Politik, es ist Jedoch ein 
deutlicher Hinweis darauf, wie sehr diese 
Art Politik quer zu den durch sie getra¬ 
genen Ansprüchen läuft, wie sehr sie sich 
hinter dem Rücken der Agierenden durch¬ 
setzen, verseIbständiqen kann. Aber auch, 
daß politische Arbeit mehr sein null als 
bloßes (Ab-)Arbeiten in Institutionen, 
ergibt sich daraus . Und schließlich stellt 
sich hier die Frage nach der Trennungs- 
iinle, der Linie zwischen revolutionärem 
Handeln bzw. den Möglichkeiten hierzu auf 
der einen Seite und rein integrierter und 
Integreirender politischer Arbeit auf der 
anderen Seite* Nicht Aktivität um der Ak¬ 
tivität willen kann hier gemeint sein? 
nicht blindwütiger Aktionismus, sondern 
stets auch die Frage nach der Erfolgs-Ce- 


bärf Hhlgket t. Fs kann nich t ausreichen, 
für eine Demonstration tausend Leute zu 
.mobilisieren, wenn nach dem dadurch roögll- 
chen Eintauchen ln die Hassen, dem Bad ln 
der Solidarität, dann die Frustration kommt, 
.eil langsam deutlich wird, daß ^s Mittel 
(Demo) Immer mehr zum Ziel wird. Das Mittel 
verkommt zuni Selbst-Zweck, die Frage nach 
Übereinstimmung von Ziel und Weg wird bald 
nicht mehr gestellt. Und es geht noch " el ^ er f, 
In vielen Zirkeln (und hier sind die großen 
Parteien durchaus eingeschlossen) wird es 
beständig zum Lebens Inha it, Zustände, Ent¬ 
wicklungen, Gefahren etc. zu formulieren? 
die Frage, ob die Art und Welse, in der diese 
Formulierungen dann (ln Anträgen oder Reso¬ 
lutionen etwa, aber auch militanten Aktionen 
und "spontanen" Wutausbrüchen) durchgesetzt 
werden (sollen), wie einmal errungene (Ab- 
stimmungs-)51ege abgesichert werden, taucht 
nicht mehr auf. V» öle Ideologie der Befrei¬ 
ung durchzusetzen, wird von Herrschafts¬ 
wissen, Intrigen und Kungelel rücksichtslos 
Gebrauch gemacht» 


Im Gegensatz zur bürgerlichen Politik, die 
das ICH der an Ihr teilhabenden Individuen 
ausklammert, muß libertäre Politik (für sich 
selbst, nicht für die sie formulierenden 
Individuen) stets d le qesel lsc ^ a Pff®'? f , 
Perspektive der Befreiung durch Selbstbefrei¬ 
ung ln und durch Politisches Engagement ver¬ 
mitteln. Damit wird ”«0 nicht der Herrschaft 
der "animalischen Seele Aristoteles , der. 
"Eptthymia" Platons oder Freuds Es das 
Wort geredet, noch der Faszination des Un¬ 
bewußten/ -bekannte n/-erf erschien, oder gar 
eine schlichte Verinnerlichungslehre ver¬ 
kündet, etwa nach dem Motto: erstmal muß Ich 
mich verändern, bevor Ich die Welt verändern 


kann. Auch Ist nichts von der Auswechselung 
des "lieben Gott" gegen den "hl. St. Marx” 
zu halten * Doch ist die gleiche Abwehr der 
Herrschaft der "vernüftlgen Seele”, des ”Lo- 
gistlkons”, des "Ober-Xch" angebracht,, 

ln der Überzeugung, im Besitz des alleinigen 
Schlüssels zur "Wahrheit” zu sein, begegnen die 
Verfechter eines solchen " trat! J flöhe 1len” Poli- 
tIkverständnisses Angriffen auf Ihre Theorie 
und Praxis nahezu stereotyp mit demr Vorwurf des 
AbweichJcrtums, des Verrats. "Blanker Zynismus" 
wird in Ihren Augen der Versuch ' e|nz e |ner , £ le,** 
mente einer soz 1 aJistisehen Gesellschartsver- 
Tassung schon im Hier und 3etzt zu verWirklU 
eher», angesichts der Masse des verelendenden 
Proletariats, Micht-Marxisten, so die einfache 
Rechnung in diesen Tellen der lfnkeb, stehen 
"objektiv" Im Dienste der h e r r schemfe m kIasse 
- ein Dialog erübrigt sich somit, A.'usgrChzting 
wird an seine Steile gesetzt. Wichtig ist |e- 
doch nicht, ständig von Sozialismus, Emanzi¬ 
pation und Befreiung zu reden oder dazu Pa¬ 
piere zu verfassen, sondern vielmehr in der 
eigenen politischen Praxis zu versuchen, .fl*« 
mente einer f r ei he1 1 11 che n Ge seIlse hat t vor¬ 
wegzunehmen, Dabei kann Individuelle Emanzi* 
patlon und gesellschaftliche Befreiung nicht 
getrennt werden. Solange es nicht möglich 
ist, angstfreie und solidarische Verkehrs¬ 
formen ln der eigenen Praxis zu verwirkliche«.,'' 
solange wird man andere weder zur Mltverände> 
rung bewegen können, noch Irgendwann In der 
Lage sein, repressionsfreie GesefliÄ^Fis^^ 
Strukturen aufzubauen. 


Ebenso folgerichtig bleibt dann ln diesem Ver¬ 
ständnis die Befriedigung emotio haX/pglitiseNefV ' 1 
Bedürfnisstrukturen und -Zusammenhänge Immer 
nur zukünftig, wind enth.i^to ni^ieni und entkon - 
kAeti^teAt, iaZ nttA. im. Panadie# denk&on* Die 
konk.Ae.tR ün tendn fl ckun g im Meinen 'den Akkiimlitation 
te.da.Afi 40 deA Kompensation dunch. eine Heilten* 
uaiiung ("Poiitlkon" 45, S. 6 >. Gleichzeitig 
kommt in einem solchen Politikverständnis 
eine Scheu zum Ausdruck, die nur mühsam' 
theoretisch verbrämt werden kann: die Angst 
vor dem Einlassen auf das hier und jetzt, 
die Angst vor der Entwicklung sozialisti¬ 
scher Lebens- und Arbeitsformen schon heut¬ 
zutage * 


auT wonioer inden HierNtafc« 
demnach eine Radikalität, die mit einem 
t adi 11 oneilen Polltikverständgis" kaum zu ver 4 
einbaren ist. Denn dies Ist ja gerade gekenn- ! 
zeichnet durch den Mechanismus, Jetzige SedÜ*?f* 
nlseInschrankungen zu begründen; #urob' /gmkMWfii* 
u?*«. t“* nil *«iohnet durch die Trennung von i 

Mitteln und Zielen, von Prioritäten und Neben * 1 
sachlichem etc pp, (woraus dfee- 1 
stimmte öundnlskonzept Ionen wordenl 


Wahrnehmung und Wirklichkeit ; - 

Gibt es eine Wirklichkeit? Nicht erst ein 
Blick In die Leben, die In unsO;fl»;;ÄWOljU ' - 
Schaft psychlatrislert werden, Ist/nütif, 
um diese Frage mit einem eindeutigen Nelnl 
zu beantworten. Schon der Vergleich ver¬ 
schiedener Schilderungen ein und derselben 
Situation durch mehrere Personen wird; davorr 
überzeugen, daß Wirklichkeit kein einfach 
gegebener Zustand ist, der über jeden Zwei- 
, * ub « r jede Differenz in der Betrachtung, 

In der Wahrnehmung erhaben wäre* Und dies 
nicht, well der Eine lediglich über andere 
öewertunqskrl ter len verfügte als ein Arnle- 
rer, sondern aufgrund eines ursprüngliöfc 
menschliches Zuges: der Fähigkeit zu indi¬ 
viduellem Sein und Denken. Daneben können 












11 


wir Wirklichkeit auch begreifen als einen 
Prozeß wechselseitiger Beelnflussung*. Me 1» 
muth Plessner faßt diesen Aspekt folgender¬ 
maßen zusammen: Die Gesellschaft hat eine 
doppeIgnündige (d inkl ichkeit, Sie ist eine 
objektive Gegebenheit infolge den Objekt i** 
vienung den menschlichen l/tfahnung im ge - 
Seltschaftlichen Handeln, in sozialen Hol- 
len, Sprache, Institutionen, Sym1otsystemen » 
Obwohl die letzteren Produkte menschlichen 
Handelns sind, gewinnen sie eine Quasi-Bu - 
tonomie. So übt Gesellschaft auf den ein¬ 
zelnen Zwang aus, wähnend sie zugleich Be¬ 
dingung seinen menschlichen £xistenz ist * 
Denn Gesellschaft ist auch eine subjektive 
Mink lieh ke it: sie wind vom Einzelnen in 
Besitz genommen, wie sie von ihm Besitz t 
e/ig/ie ift. Doch warum eipie Beschäftigung mit 
Wirklichkeit? Was ist objektiv? Was ist 
Wissenschaft? 

In der inner linken Ause1«anderse tz ung Ist 
das Stellen dieser Fragen zunächst eine 
Provokation für die Sektoren, die meinen, 

"marx ist isch" zu sein und über da s Instru¬ 
mentarium des “wissenschaftlichen Sozialis¬ 
mus" zu verfügen; denn es mag zwar eine 
Wirklichkeit an und für sich geben, daß sie 
sich Indes unserem Wahrnehmungsvermögen be¬ 
harrlich entzieht, wir somufc auch keine 
"Wahrheit schlechthin“ zu erkennen in der 
tage sind, Ist seit Kant Allgemeingut 
philosophischer Betrachtungen und - nicht 
zuletzt' - auch durch die neuere Soziolo¬ 
gie und Psychologie hinreichend untermau¬ 
ert". 

Fs erscheint ln diesem Zusammenhang notwen¬ 
dig, den hier verwendeten Begriff der ’■ Wirk¬ 
lichkeit“ etwas näher zu bezeichnen, ihn zü 
differenzieren, um den Umgang mit ihm über¬ 
schaubarer zu gestalten. - Zunächst soll 
unterschieden werden zwischen der inneren 
und äuÖenen Wirkllchkelt, wobei letztere 
als das beqriffen wird, was quasi objektiv 
ist, also die Ui/iklichkeit an sich, während 
erstere jenes Bild bezeichnen soll, das ln 
uns qehlldet wird. Jedem eigen ist seine 
eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit, jedem 
eigen also eine eigene “Wahrheit* 1 * Wahrge¬ 
nommen jeweiis durch die Sinne? gefiltert 
durch die "Vernunft", die - quasi einge¬ 
stellt, Justiert durch das, was wir "Sozia¬ 
lisation" nennen, jenen Prozeß, der den 
herrschenden Apparat von Normen, Werten, 
Verhaltensweisen etc. hl ne in pr ojfez iert in 
e.in Jedes menschliche Wesen - uns das Bild 
dessen liefern, was alsdann von uns für 
"wirklich" erachtet wird? ohne daß wir je¬ 
doch das "Wahre an sich" begreifen könnten* 

Öoch wird zum Verständnis von Wirklichkeit 
noch eine weitere Unterscheidung notwendig 
in beiden benannten Kategorien* - Inner¬ 
halb der Inneren Wirklichkeit Ist zu diffe¬ 
renzieren zwischen Ihrer emotionalen Stnuk- 
tunienung und der intellektuell/nationalen. 
Während letztere bezeichnet werden kann als 
das durch die Vernunft nach den ihr innewoh¬ 
nenden Regeln (die ja ihrerseits jeweils ab¬ 
hängig sind von der gesellschaftlichen Kon¬ 
struktion der Wirklichkeit) Zusammengesetzte 
Bild der Äußeren Wirklichkeit, bezeichnet 
ersteres die gefühlsmäßigen Folgerungen und 
psychischen Reaktionen auf die Wahrnehmung 
der Äußeren Wirklichkeit. - Innerhalb der 
Äußeren Wirklichkeit nun ist zu differen¬ 
zieren zwischen ihrer xmmitte Hanen (dinkung 
einerseits und der durch Medien (Im weitesten 
Sinne) vorgenommenen Venmitttung Ihnes Bildes, 


Es Ist offenbar, daß es kaum möglich sein 
dürfte, alle diese Formen der "Wirklichkeit" 
zur Peckungsqlelcbhelt zu bringen. Jene also, 
die behaupten, DIE Wahrheit erkennen und be¬ 
nennen zu können, begeben sich ein zweifa¬ 
ches Dilemma» 


Können sie realiter ja nur eine Wahrheit (näm¬ 
lich ihne 1ntellektue11/rationale Strukturie¬ 
rung ihrer Inneren Wirklichkeit) erkennen 
lund bestenfalls noch ihre psychischen Reak¬ 
tionen auf ihre Wahrnehmung der Äußeren Wirk¬ 
lichkeit bezeichnen), so verdrängen sie doch 
gleichfalls das eigene Subjekt aus Ihrem Ge¬ 
dankengebäude; denn eben da die Behauptung 
der Wahrnehmung DER Wahrheit dazu verleitet, 
auf "objektive" Betrachtungsmöglichkelten zu 
schließen, vollzieht sifoh eine Marglnallsle- 
rung, wenn nicht Ausgrenzung der Kategorie 
"Persönlichkeit" oder "Subjektivität"; etwa 
indem sie die Folge Ihrer eingeschränkten 
Wahrnehmungsfäll igkeit PS ozial i sat 1 onsbr I Ile") 
- oh ne sie insgesamt anz uer kennen! - so weit 
*&zmn 9 daß keine IndivIdua li täfc mehr zu 
existieren scheint . Die Menschwerdung der 
Einzelnen durch die Kommunikation - vor 
allem über die Wahrnehmung der Wirklichkeit - 
wird als Indiz genommen für den (Trug-) 

Schluß,*daß die gesellschaftliche Einigung 
über die Wirklichkeit (also die Cieichsefc- 
zung der Summe der Inneren Wirkiichkeiten 
mit der Äußeren Wirkiichkeit> identisch sei 
mit der "Wirklichkeit an sich". 


Bier nun wird ein begriffliches Problem 
offenbar* Zwar läßt sieh, wie wir gesehen 
nabefi, der Anspruch auf "Objektivität” 
verstanden als Bezeichnung für "wahr" und 
wirklich" - nicht aufrechterhalten, eben 
da di« Äußere Wirklichkeit für uns nicht 
faßbar ist und somit unsere Verwendung des 
Begriffs (der "Objektivität") nicht nur 
falsch, sondern auch irreführend, letztlich 
elsb vollkommen Überflüssig Ist• 

Gleichzeitig Jedoch bedingt eine Jede Subfektl- 
Vttat eine gegebene Objektivität, wie auch die 
kn« S ;Tr Z | el r eF Sl,i > Jekt ivltät eine Objektivität 
konstituiert - genauso wie die Existenz eines 
Heren unlösbar verbunden ist mit der eines 
Knechtes . 


»a**, umraHt unser Begriff der "Objektivität" 
also sowohl die Summe der Subjektivitäten (die 
ja ihrerseits objektiv" da slnd), als auch die 
Ihnen zugrunde liegenden objektiven Gegebenhei¬ 
ten, welche wiederum - wie aufgezeigt - von 
uns nicht an sich begriffen, sondern nur annähe- 
rungsweise bestimmt werden können (eine 
Prämisse unseres Lebens, die sich Ja auch 
als durchaus ausreichend erwiesen hat, wurde 
diese annähernde Bestimmung", wenn sie 
sieh nicht mehr halten konnte, nach einigen 
gesellschaftlichen Auseinandersetzungen 
immer wieder korrigiert, so ist man sich 
Inzwischen Ja auch über die Kugelf orn^der 

will *Iat 9 .*ar in® 1 * P ? rson » d *e begreifen 
"*;;• **‘ *" ar Ihrerseits für uns nicht be- 

dlnthiw«’ abe *; genausowenig von uns ”weq- 
denkbar , sondern objektiv existent. 


PorsÜplichkeifc und Kritik 

Soll nun einmal die "Persönlichkeit" (das Ich) 
zuni Gegenstand der Diskussion gemacht werden 
und dies notwendig vermittels. Der Kritik der 
"Objektivität" - t werden die Angriffe auf das 
Theorem der "Wahrhef t" aufgefaßt als Angriffe 
auf die es tragende Persönlichkeit • Die Auffas¬ 
sung von den "Wahrheit" ward zum Teil des Ichs; 



12 


durch die I nf raqestel 1 ung des "Theorem den 
Wahrheit 1 * (wie - im übrigen auch der Auffassung 
der "objektiven” Wahrheit) vollzieht sich Im 
Kritisierten - ohne das Dazutun des Kritisie¬ 
renden - der Eindruck eines umfassenden Angriffs 
auf sein Selbst • 

Und da - theoretisch - die Existenz einer "Per¬ 
sönlichkeit" negiert wird, Individualität nur be¬ 
arelfbar scheint als Nuancierung der Masse, wird 
das Ich des Ob jekt Ivl sten ihn? als auf das Schwer¬ 
ste getroffen erscheinen* Aber da die Kritik, 
bzw , die ihr zugrunde liegenden Denk sinukiunen y 
für den kritisierten Objektivisien außerhalb 
'seiner (durch sein Denken bestimmten) Wahrneh- 
mungs- und Rezeptionsbereiche Hegt, sind die 
Angriffe für ihn irreal. Irrelevant und objek¬ 
tiv" falsch* Durch sein Zurückwelsen der Kritik 
wiederum verfestigt sich das objektivistische 
Denken, die Tatsache der Kritik wie lhr^Inhalt 
werden von Mal zu Mal unverständlicher. Theo- 
rem'Vynd "Persönlichkeit" begeben sich auf das 
Lager der Vereinigung* 

Würde der Objektivist also (auch nur ln Tellen) 
der Kritik zustimmen, würde für Ihn sein Ich ln 
sich zusammenbrechen - und mit ihm sein ganzes 
Gedankengebäude . Seine (theoretische) Heimstatt 
würde ihm zur Ruine* 

Doch wir sehen auch! Im Objektivisten selbst 
ist schon der Widerspruch angelegt zwischen der 
"Wahrheit" und dem "Ich", 

Hätte er kein (ünter-)üewufttseln vom .eignen Ich, 
so könnte es "objektiv" auch keine Angriffe auf 
dies (nicht-existente) Ich gehen. Indem er (der 
ObeJ ktIvist) aber die Kritik am "Theorem de* 
Wahrheit" auffaßt als Angriffe auf sein ich, an- 
I erkennt er de facto das theoretisch zuvor Celcug- 
j netes Das Sein des Iclis. 

I Undt Im Objektivisten selbst ist auch schon 
I die Ahnunq von der Dimension der "PersÖn- 
; ilchkeit". Gegen sie Indes sträubt er sich; 

| solange, als er sich als nicht-fähig zum 
| konstruktiven Zweifeln erweist. Mit anderen 
Worten! in ihm tobt ein Kampf von Un- und 
Vor-Üewußtem mit dem Bewußten, seiner Ver¬ 
nunft* Der Zweifel seinerseits stellt sich 
Ihm dar als einer der Hauptfeinde, eben da 
Ihm jener den Blick frei machen könnte auf 
die" bisher an den Rand gedrängten (marqtna- 
Msiertcn), wenn niclt sogar negierten Dimen¬ 
sionen seines Seins. Der Zweifel, so will 
ihm scheinen, würde sein "Theorem der Wahr¬ 
heit" aufbrechen und dies dann In der Folge 
seine (objektivistisch angelegte) Persön¬ 
lichkeit zerbrechen. Mit diesem Zusammen- 
i bruch des Objektivistischen ln ihm fiele 
! er vollends in sich zusammen* In einer Ge¬ 
sellschaftsform, In der Schwäche - gleich 
^ welcher Art - scharf sanktioniert wird, 
j hat er kaum eine andere unmittelbare Reak- 
| tlonsmöglichkelt, als sein Theorem zäh und 
erbittert zu verteidigen* Einem solchen Ver¬ 
halten Ist daher auch nicht durch seine De- 
nunzlation beizukommen, sondern nur durch 
hartnäckige Kleinarbeit, verbunden mit dem 
Trachten, derartigem Po 111lkverständnls den 
Nachwuchs abspenstig zu machen* 


Disziplinierung und Bedürfnißverzicht 

Um nun der - auch theoretischen - Bedrohung 
durch die Kritik der Objektivität und der Forde¬ 
rung der und nach Subjektivität und Inner 1 ichkeIt 
zu entgehen, verlagert er die Erfüllung des Dran¬ 
ges nach persönlicher Emanzipation ln die nacAre- 
volut ionäre Zelt. Denn - so behauptet die dies 
begründende Rechnung -, eine Emanzipation sei 
nur zu verwirklichen, zu erreichen Infolge der 
Revolut Ion Jerung aller Lebensumstände , «Mi. die 


grundlegende Umqesta ltunq der "objektiven" Le - 
beräumstände; eine solche Revolutionierung Ist 
Ihrerseits nur zu realisieren durch die parteili¬ 
che Organisation (wobei die öngan isaiion der Mas¬ 
sen von Individuen gestellt wird über die Önga - 
niAiesiung ihrer Bedürfnisse); und die Parteior¬ 
ganisation ist nur zu verwirklichen mit Hilfe 
von Disziplinierung* Das Ergebnis dieser 
Rechnung* Heute disziplinierte und diszipli¬ 
nierende Arbeit und (Bedürf nls-)VerzIcht an¬ 
stelle von Emanzipation und Selbstverwlrkll- 
chung (die sich ja dann später "objektiv" 
von selber erqibt *•*). Und das, obwohl so¬ 
gar schon die Marxistin Rosa Luxemburg ge¬ 
warnt hat« "Nicht durch die Anknüpfung an die 
ihm durch den kapitalistischen Staat einge¬ 
prägte Disziplin - mit der bloßen Übertra¬ 
gung des Taktstockes aus der Hand der Bour¬ 
geoisie In die eines (,,.) Zentralkomitees, 
sondern durch die Durchbrechung, Entwurzelung 
dieses sklavischen Diszipllngeistes kann der 
Proletarier erst für die neue Disziplin 
die freiwillige Disziplin {,..) erzogen wer** 
den" (Politische Schriften), 

Die Inneuenung den wintscha^tlichen Bez iehungen 
im Sozialismus kann im Sinne den Qleichleemcki 
gang allen nun winksam wenden , hält z *B • Erich 
Müllsam solchen Konzeptionen entqeqcn, 6ei gle.ic.k~ 
zeiiige/L Cnneue/iting den. geistigen Be.ziahu.ngen 
zwischen den Menschen, wie nun enn.eue.nle geisii* 
ge Beziehungen imstande sind , im Minischa£tliehen 
aus dem Individualismus den Ungleichheit den -So* 
z ialismus den Venlundenheit zu. scha/jlen» 

Im "traditionellen" Ob Jekt I v I sten wird Vmlt-' 
(etwa Marx *sche) T he or ! e zur he r rso hat tss 1che ro¬ 
de n Leg 11 ima 11 ons Ideo 1 og le und Örd nuiigs lehre * 
Insofern nämlich, als nicht am Pein zip von Herr¬ 
schaft , Zucht und Ordnung gerüttelt wird, son¬ 
dern lediglich die Vorzeichen gewandelt werden 
sollen, unter denen sie ausgeübt bzw* durchge¬ 
setzt werden sollen* Die Strukturen Im objekti¬ 
vistisch angelegten "wissenschaftlichen Sozialis¬ 
mus" unterscheiden sich nicht von denen der so 
erbittert bekämpften hier und heute gegebenen 
Zustände, Sozialismus-Vorstellungen bleiben 
- wenn sie überhaupt über einen Abklatsch der 
staatskapita1ist1sehen Repressionsapparate 
des Ostblocks hinauskommen - immernoch ln 
den hier (im Monopolkapitalismus) befindli¬ 
chen Logiken haften. Sozialismus bleibt nur 
denkbar in Abgrenzung zum Kapitalismus, nicht 
seiten wird eine Summe von den jeweiligen 
kapitalistischen Erscheinungen entgegenge¬ 
setzter Vorschläge als Sozialismus ausgege¬ 
ben* Die freie Gesellschaft Ist sozusagen 
ein Negativ-Bild der heutigen* Aber! ist 
Sozialismus nicht mehr als ein spiegelver¬ 
kehrtes Abziehbild?! Das große Manko der heu¬ 
tigen Linken scheint zu sein, daß sie sich 
hauptsächlich abstrakt konstituiert, d*h . 
daß sie ihre Identität über Theoreme und 
Theorieversatzstücke zu finden versucht, wo 
es doch viei wichtiger wäre, einmal (und 
immer wieder) die eigenen Wünsche, Bedürf¬ 
nisse, Interessen zum Ausgangspunkt ihrer 
Politik zu machen. Das Problematische ist, 
daß die 1ndlvuelle Motivation zu politischer 
Aktivität immer wieder verdrängt, ja, bei¬ 
zeiten sogar geleugnet wird, anstatt sie be¬ 
wußt ln das (Gruppen-Reben mit elnzubezie- 
» en * t! ur a t wird das leichtfertig als 
persönlicher Kram" abgetan, der gefälligst 
zuhause zu erledigen Ist ... Man kann zwar 
seinen politischen Werdegang aufzeigen, sei¬ 
ne politische Sozialisation; aber die sehr 
persönlichen (und dadurch noch keineswegs 

verwerflichen) Motivationen werden kaum ein¬ 
mal eingestanden. Das Wohi-fühlen, das Mett¬ 
finden und -gef unden-werden * All das wird 
beiseite gewischt. Gilt es doch, die Klassen- 
auseInandersetzungen ln der BRD voranzutrei- 
ben .** 














Privatsphäre und Politik 7- •* v. 

. . - 

Die (auch theoretische) Recht-Fertiqunq 
tradierten Politikverständnisses Ist auch 
Umstand geschuldet, daß "traditionelle Vor- 
stellungen von Politik im und für 
sein Vieler zunehmend unbrauchbar werden^ Ä-Ie 
Ist sozusagen des "Objek t ivi ste n" F lucht bew,fej-, 7> 
gunq nach vorne# Unbrauchbar eben aufgrund 
der in ihr angelegten immanenten Widers;|>r ; u^li|-« 
lichkeiten: und unbrauchbar gemessen am Ziel 
einer gnund lege nden Umwälzung der hier gege¬ 
benen Zustände, die die Kategorien Freiheit #v . 
Gleichheit, Gerechtigkeit, Gerneinschaf t, Frie- fr 
den, Liebe, Glück, Lebensfreude usw # nicht n#r, 
in den individuellen Verkehrsformen ugd Ver- 
halte nswelsen zum Prinzip erhebt, sondCr ff j , t ./ ■7 :V 
auch in den ökonomischen und gesellsc ha f t J t - 
dien Uez iehungen, >\ ; 


t'i ; : I :Kj 4Ä ' f; 

i mm ... 



Einer größer werdenden Zahl von M c n sc h 0 n ., £ ■■ j 
wird bewußt, wie tief die ka pita1 istisch^, 

Wirt Schafts- und Gesell sc haftv er f assung j l#:;//, 
jedem einzelnen verwurzelt ist. Die •/'■ 
Gewalt des A111 äg liehen" , die Her r schal 
des Hannes über die Frau, die Herrs'dh.af:^.vU#f:'‘- 
Erwachsenen über die Kinder, die Gewalt.. uW/ 
Gesellschaft und des Staates gegen 
xuelle Männer und Frauen, die sctrullsche G^- - 
walt, die Diskriminierung von Ausländer^» 


" :/:£U}e solche/. Qualität des Kampfes muß auch Herbert 
Marcuse Im Kopf gehabt ha heb als er anmerkte, 
das sei/ ein P/ihiett au4 alten Kta.44en den Qeteli- 
4cha/it motivient von einen tiefen könpeni ichen 
und gfii&tigen Unfähigkeit mit zumachen und dem 
WJ&'&?.**• da4 zu /teilent wo. 4 noch--an ften4bhlich~ 
heU t 7 neM.de . SeUstüesi immung zu /leiten ist, 
r ftetfolie den Le^enstniete gegen den ge4elt4chaft- 
tt&k g/ignnüienien IgdetLnlei* Die&e*i Pnoie4jt 
, #4g*n den pnodukiiv de^inukiiuen Tpntschnitt 
aktivient den 4ulje,fciiven Taklon in dem Umteäl» 
^zung* £n oenankent die Emanzipation in den zum 
O&jeki gemachten Aber wir 

/kbnhen heute nich;t hiir e in defensives Auf - 
/ . bäumen fjege n als ■.un.ve^'^hderbar er.lebte ■ 
/Strukturen beobachten»/ Tn wachsendem Maße 
w je r c)e n nu n me h r a u c b pr aki Is c he A l t er nativen 
zu den abgelehnten wirtscUVaftllchcri und 
gesellschaf tlichen lieg/Leitungen entwickelt. 

|abel kann die Inten11 jon der A11ernä11 ven 
?✓/schon aufgrund der JUajssehzusatomen Setzung 
j*-.diCsef Bewegung keine universelle sein., 

aber', ist diese' Bjeweguhj' ehr lieber a 1s . 

C,Viele Ihrer Kritiker, .-die einen abstrakten 
l smusbe g r 1 ff eI n|ef. konkreten V rax 1 s 
gegenüber halten. Einer Praxis, die für eine 
(inögliche?) Arbeiterklassenbewegung das sein 
kann, was die "utopischen 1 * SerialISten Owen, | 

v'.fcaü^le.r uSw* mit' ihi/eir pr akbise-hen' ßelsple- 
, r >jen selbst verwalteter Betriebe und Wohnge- ' 

/ meinschaften für die vergangene Arbeiterbe-* 
/■/wegu.h'g. des 19» Jahrbuhder ts ■ war en . .. Ü1 e VIe 1 -■ 

,/ -f g lt d lese r Ile w ejyhge n • (die pragna 11 sc he r - 
//we Iso : auch b ler ' un't er- jÄ 11er na11v be wegung lr ' 
gefaßt werden sollen) macht, eine "Def ini- 
•i tlbn" dieser llewegung schwer » Doch stellt 
sieh die Frage, ob nleht gerade dieVersu* 
^C:bi^/elner' elnhe lt liehen und griffigen, d.h, 
5^hahdbabbaren Def Inltion iiberw lege nd aus dem 
/ ,; .'.i. ; nte.ress e : e iner Abscliä-|ri'ung' de r - Ge f ähr 1 Ich - 
/ke lt d lese r Öeweg u ng ( fur das öürger tum 
,, bzw . seine Werte , wie auch die traditlone1- 
.^'Ie,;Uln'kel -entstehen ./■' 


Die Alter na tlven habjbh of f enbaf die Konse- 
.•uenz aus den verqangene-n. zeh n '3ahren ge z o- 
• ^btu’ die kiel nbü t ge rlj^be-1 Ink e' ha t . t war 
V- : |?bf pi'ä : he ui f h r 4 se n ,Vgh^rier; 13ef r e l Ung aller" 
vön Ausbeutung und•Üh#erdrückung' it# Hunde 
/ geführt, auf Flugbläfejbern verteilte sie hat 
Ärbeiter unt|>fe. : rktä"tIgen in Ihrer 
konkreten Praxis nicht mobilisieren können 

. ■■ A t« »Jk. Ca. 1’ ~ t «k «. • - J * _ . 


die Gewalt durch famlliale Strukturen und, ^ ^ ^ uch dJose Feststellung kann nicht denun- 

dergleichen mehr sind Formen v on .Mensen e ( n«| r . v ; : Wl-iiv würde •'•die ahge- 

rechtsver letzungen, die immer r • H doch ln einer 

wahrgenommen werden. Sie' sind f (ir ■ d IC • '^4 >■''/ .C; ln ■ -der ’ORD 

troffenen (und das ist ln der einen oder y d^r 5Sper und 70er 3 ah re noch' zusätz lieh 

anderen Form ein jeder) direkt erf ahfhaf ; ;Üwjd K ,/; Re-pr^iion veruntn'ögJlehl 
sind im gesellschaftlichen Rahmen folgen- ^ OieAlter nativen, «die sefe Inbar also den An¬ 

schwer , denn sie werden von jedem ei nz einen,^spruch der Befreiung anderer aufgegeben ha- 
direkt oder indirekt selbst ausgeübt-bz^ . ; ; bcn.r' sind die praktische Seite einer Kr i- 

weitergeqeben» Die Verfestigung traditiene - tlk r ^1® seit langem an der tradltlonelien 

ler Polltikformen ist somit auch Reflex o&- : Linken geübt wird. 

rauf (oder besser* Rückzugsgefecht), daß 

eine gesellschaftliche Entwicklung of ; NjA;/ 7 ;:/^aU2ip4tio*i und Wissenschaft 

wird, die bisher als gnivat deklari.ev v 

dürfnlsse, die ebenso privat zU lassen sich Sinnlichkeit und Spontaneität 

waren, nunmelir artikuliert ln der * G^sundhe 11stropfen gleich - verordnen. 

tiiitchen Sphäre. Verbunden damit ' Entwicklung von und der Tä- 

welse ein das Zerf Hessen der ^ ^ Iven ..Kämpfen lassen sich soli- 

schen ä ff ent t ich-politischen Konftik e >cn * Spontaneität, Phantasie, Krea- 

pnivat- int imen. tlvltät entwickeln *■- - Es kann also nicht darum 

vi-ü&ü fefdrm 1 srous" • da$- Wort zu re- 
Doch dies über komme ne Geflecht v . Vielmehr aber 
<'"<1 »"»• Hevoliitlon Ist a ufz uhi ec lie hüf^I-ji^Ve^• 9 «alltät sorialt- 

Ist der (theoretische " ln fc «■ I ndlvltlue Iler » 

auf die Dimension und Otte/ftiM der R<?vo I wie kollektiver l)efrelun«| durch s le der an ;i5r ' 

ru ni| der qeqcmvär tl«ien Lehensumstaiidey b^k|Ä#n : '. ifte 0/tbaniii*.4.ung der 

I e t nd t v t due 1 le Emanzipation Im • - •Mir auf 


rung der ejegenwär t tgen Lebensumsl andc 
je t ndlvIdnoJ le E ma nzIpa Lion Im q CSC1 




eben Kähmen wie auch r,l.e lchermnden^lie .«ändloeb AuseIn¬ 
tet Ion der "Gesellschaft als et n Hf br . pAli'l I- 

die Summe der Einzelnen. Dies (be Ides I if ^ dem , sdh#|- Apparaten, Gedädlllfttgebä’uden und Orqa- 

Maße, da der Kampf um Sei bs » verwirk I lehuhgj se i - nl44tioWji. bic Hotwendlgkel t einer solchen 

nerselts auch selbst » de nt I tä t sh i Id ßn(I/wl-|kl>'/hdC'r^Setzuflg. ei?glÄ' ; .4ucb aiigh-;'aus ei-* 





14 



ner Studie des amerikanischen Sozial* 
Wissenschaftlers Andrei S. Markowitz Uber 
den DGB, die ln den "Gewerkschaftlichen Mo¬ 
natsheften 12 / 79 " veröffentlicht wurde, und 
ln der er Klage führt Über die äbenbünokna- 
tlAienung täglichen QewenkAchaftAanbeit, 

Die Problemlaqe fmänufeAiienej 4 ich in vie¬ 
len &£>& inen und unwichtigen , aber auch be¬ 
deutenden V enhaIteAfonmen * Auffallend war 
da* stänke AbteitungAäenken * dar f * «*/ deA 
öfteren typische Züge knapsen AmtArivaliiät 
und unproduktiven CifenAucht aufwieA* Iti- 
format tonen wenden deA öfteren dadurch # 

Atatt wichtige BeAtandteiie zu einen kol¬ 
lektiven CntAcheidungAAtrat egte beizuAteu- 
enn* zu innenonganlAatoniAchen Machtkämpfen 
miß braucht. Durch ln formal ton Abehindemmg 
Aowohi unbewußt Atnuktunellen alA auch le- 
wubt manipulativen Art kommt eA dann lei¬ 
den tatAächlich zu venAchiedenen 7 ehttei- 
A tun gen , die dann wiedenum daA bilnokndti- 
Ache Benehmen noch mehn recht fertigen und 
bestärken. Allgemeinem Mißtrauen •wind dann 
nun mit überspitzten Tonmaliiät und enhöh- 
ten Berufung auf hienarchiAch richtiger 
Verhalten begegnet, Rückendeckung und daA 
gehörige *Abchecken* entwickeln eine tigen- 
ständigkeit, die nicht nur viele zeitliche 
wie auch geistig intuitive Vorteile von 
Spontaneität verhindert , sondern auch die 
Qualität des IndneAuttatA beeinträchtigt, 

Teil einer solchen Auseinandersetzung muß auch 
sein der Versuch, das Erkennt nl sstibjekt Im Ver- 
laufe des {politischen und) philosophischen 
Diskur ses nicht lä nger auszuklammprn aus dem Er¬ 
kennt nis/MOziiß) verbunden - auch - mit einer 
ProbleroatIslcrunq der Nolle der Vernunft und. 
damit des "Intel i-etftuel l.en", wie auch der Ber¬ 
mel nt 11 eh "unumst bß liehen" Kategorien "Vfafer hei t H 
"Subjektlvität", "Ob jektIvltät", "Wissen" , 
Vernunft wird nicht selten zur Ordnungsmacht, 
well nicht unterschieden wird zwischen der 
menschlichen Tähigkeii zu vernünftigem Han¬ 
deln einerseits und der spezifischen Torrn t 
In der dies In einer menschlichen Gesell¬ 
schaft Im allgemeinen und In der kapitalisti¬ 
schen Gesellschaft Im besonderen geschieht. 

So korrespondiert die Überbetonung der Molle 
der Vernunft ■( insbesondere, aber nicht aus¬ 
schließlich ln Intellektuellen Kreisen) har¬ 
monisch mit der gänzlichen Ablehnung von 
Vernunft und vernuftbest 1 mmten Handeln in 
Teller» der "Szene" , Intellektuellen wie man¬ 
chen Freaks gemeinsam ist die FetIsch-Funk¬ 
tion der Vernunft? die einen werfen das Kind 
in den Brunnen, die anderen schütten es mit 
dem Bade aus;'den einen dient es als Instru¬ 
ment zur Entwicklung von Derrschaftswtssen, 
den anderen als Gegenstand der Verdammung * 

Oelde vereinigen sich In Ihrem Ungleichge¬ 
wicht von "Seele" und "Geist”, von Emotiona¬ 
lität und Rational!tat# Darüberhlnaus sind 
Realität, Wissenschaft und Objektivität durch 
den spezifisch bürgerlichen und dogmatisch- 
sozialistischen Ce brauch dieser Begriffe 
sinnverwandt, ja gleichgesetzt worden mit 
"objektiv richtig”, "wahr" - wie wir schon 
oben, gesehen haben. Dabei Ist gegen Rationa¬ 
lisierung von (z.B,) Wut und Enttäuschung 
solange nichts einzuwenden, als ersichtlich 
ist, daß es sich um eben solches handelt * 

Wenn dies allerdings unter dem Mäntelchen 
der "Objektivität" geschieht, so ist dies 
zumindest unkorrekt. Aber warum sind Emoti¬ 
onen etwas, das rationalisiert werden muß 
oder Für das man sich "entschuldigen" muß? 

Sind sie nicht gerade das Merkmal, das die 
Menschen von Maschinen und Robotern und An¬ 
droiden unterscheidet? Hier wird ein weite¬ 
res Dilemma der Linken offenbar? zwar gibt 


sie vor, für Freiheit, Solidarität, Gerech- 
11 gu ng e tc * pp * z u kämpf ert, a 1 sd (z umiAde s 1 t 1 } 
auch) für Menschlichkeit, aber gidlchzettld 1 
wird von Ihr implizit gefordert, Emotionen 
auszuschalten, Gefühle verwirren nuf den i 

Geist, also hebe man sie sich auf fürs Bett, 
aber verbanne sie um-Gottes-W 1 lien nur aus j 
der politischen Arbeit Vergessen wird 

nicht selten, daß auch Begriffe wie "Moral" J 
und "Subjektivität" bzw, die dähinterstehen- 
den Inhalte durchaus auch In einer,(doppdl- } 
ten) Beziehung zu kapitalistl Sebef 
lität stehen, Z um einen na ml l 4 ,h“ v 'S#|le'n’ s-lc 
die individuellen A usw 1 r ku ng e ii a gf WlWn. 4 

3 eden der Erfahrung der dreifachen Entfre^ 
düng des Menschen in der kapita: : MstlsCh-eh ; .>.'4 
Gesellschaft (das Gefühl des*(Nt;)r:Whp|.ifiMi '• •J M 
von sich selbst, von sei ner ArhfeÄ ,ft '■ ‘ ■’ •.4 

seiner Umweife) als quasi Ä'/l 

greifbar machen) das AufelnanÄ^<^f#pJ^^vJ 
Gesetzmäßigkeiten von kaplfeal|^|^Ä^,."^j|^| : ;s^i 
mu lat Ion elnerse Its und - dem *•• • 

Anspruch auf Demokratie, Frel^ff||^iN( 
recht Igkeit bzw . die of fens 1 
Sprüche zwischen beiden 'sollen--mitt'lI 
einer spezifischen Moralität und 4 

vltät als unabänderlich dargestellt werd ^^ ; ';^4 
("Nicht der Kapitalismus ist ah den beschiss i 
'■senen Lebensumständen schuld, son 
eigene Unzulänglichkeit", > 

- und das Ist die Kehrseite 

■ kann eine positiv 'gewendete vV, ‘ : m 

unver klemmte Subjektivität ■ 
sicht in die Unvereinbarkeit 
stischer Akkumulation und dem:;gÖärinWfeBÄti 
ologIschen Anspruch) die Mbg 1 :Jf 


für die hochlndustrlallslerteil/'ßäWMv^Ä?^^?! 
ein Antrieb für die FortexIstegi;''iifhp'■ ■ '**■ ■ *' ; g 

breiterenq antikapital 1 stlsch||ySfcr^#|^V- 
begriffen zu werden) In der F je tW % dI #j 
Alternativen, die Aufhebung d : er'! ; !•'uhbe/bag 1 Jlv''. 
eben Zustände gedacht werden 
also Unbehagen und Moral, Wissen und Phah- 
tasie, Subjektivität und' Akt! ’tS Z;ud mm eh,!) ;ff 
so kann die .als kapi tallst 1 

säte Blume (Moralität etc,) er:'"ÄJiite'■J 

durchaus freiheitlich sozial 'S 
bergen, ■ «;y,*• •- ;•<<:: ; ;;'•>; r - ;jJ 

Der Oerjrlff der neuen IfinentleUkmi charak¬ 
terisiert dabei nur unzureicW^i#^«|;^'-Mi*^ 
w.lcklunq der letzten Zelt ln -,j 

ren der Linken. ■ . ; f ! y | 

Solanqe Innerlichkeit elnen^' Ins rein 

Private bezeichnet, der die £Ü*»v. Jtow'j*. 4^ 
Wirkungen der gesellschaftlichen Umwelt ä M 
(also? hkonomlseh wie ökologisch, pdlltIsclv ,r fl 
«le sozial) auf das. IndlvMati;^ 
sucht oder sogar negiert, 

kritisieren. Dieser Rückzug HÄSTitÄi'•?$ 
durch Denunziation und BcsichiM|&|*:aÄ ^: : M 
kehrt werden, die noch dazu 

vergessen, daß hinter' Jedem SM 

eigene menschliche Geschichtfe^hlfiS^iÄ^^i 
nächst e 1 nma 1. zu respektiere^' y$ji 

Soweit die Heue Innerlichkeit Jedoch dl, 
sInnung auf die subtile -Gewa 

schreibt , Ist sie eine durchaus »IjNlagiw- ■’ ;r-^l 

werte überwIndung des früheren Mäntfitrens ■'" V : 1 

mit der» großen Hämmern. (Fasch^l^ruV 

Die Wahrnehmung der "Hlkrophy^ik. der^ Waclffef 

geltt einher mit dem Versuch der 

oer emanzipatoniAchen Inhal t e SOz-taJl 

Staates°ai, V* ? 1 *, fr0here 

Staates als Leviathan, als Ul^^o^er 

‘ - tendenziellen Ignorieren set^dr^'l 

Insoweit er sich als nicht pgflölv vwSndeiffrÄii 

bar erweist, wird Ihm der praktische 

einer Gegcnkultur e n tg eg eng eitel, t^iSer?:^!,!^ 


MMmM 









licfarität der Demokraten” bürgerlicher Pro- 
vlnlenz wird die subversive Solidarität der 
Alternativen gegenüber gestellt, - Doch zu 
rück zur "Wissenschaft”. 

Das Instrumentarium der Wissenschaft, die 
wlssenschaf tliehen Untersuchungsmethoden, 
können nicht getrennt werden von dem Epfcw-Ij 
lungsqrad einer Gesellschaft, in dem sie a 
gewendet werden. So war das ptolemäische 
Weltbild zur Zeit des Ptolemäus das einzig 
"wahre, richtige” Bild von der Welt und dem 
Platz der Erde im Universum. Wir sind also 
auch Immer an den Erkenntnlshorizonfc von 
Wissenschaft und Insbesondere der Wissen¬ 
schaftler angekoppelt . Oder anders ausge- 
drückt, mit den Worten Erich Mühsatös t w Wis¬ 
senschaft ist nichts als Mittel der Erkennt 
nis und ändert sich ln Verfahren und Erfeb^ 
nlssen mit der Veränderung dessen, was f|e 
erkennen soll” (Wahrhaftigkeit, in* Fanal, 

S. 126). Der Verweis auf das, was die Men¬ 
schen "objektiv” tun müßten, aber eben nicht 
tun, wird so oft zur Rechtfertigung der elr 
genen "korrekten” Politik, die - Dank : !de;P , • 

"objektiven Situation" - gegen Jede "sub* * 
jektive" Anfeindung gefeit ist. 

Die Mechanismen der Ausgrenzung, die nach; ; p/ ' 
Oskar Negt die Geschichte des Marxismus aüsJ 
machen, sind es, die Begriffe wie "ObJekti-| 
vität, Wissenschaftlichkeit und Realität” : * 
von zwei Selten her in großen Kreisen der 
heutigen Alternativb eweg ung d 1 skred 1 tl'ervt 
haben: vom Sprachgebrauch der bürgerlichen 
Klasse und Ihrer Po 11tmanager her und von 
dem permanent unhistorischen Anspruch der 
Marxisten an "ihre” Politik, die einzig 
richtige und korrekte gewesen zu sein, z 
sein und zu werden. Von dieser "Objektiv! 
tat” bis zurii politischen "Sachzwang” ist 
der Schritt dann nicht mehr weit* E.s Ist 
daher eine Vor ausse tz ung zur (Re - ) Konstruk^ 
tion einer freiheit11ch/s oz ia11s11 sehen 
Iheorle, den falschen W1ssenschaft1ichkeits 
anspruch des so benannten "Sozia 1 Ismus," . . 

barmungslos anzuqreifen. Im Mittelpunkt eig¬ 
ner solchermaßen gestalteten Arbeit muÜ Miev 
(Fein-)Ana lyse gesellschaftlicher Mikrobe- 
reiche stehen, die Analyse der Machtstriik- 

turen seihst. (Also z.B. die Suche nach dem 
"Hitler In uns selbst" anstelle eines an- « ! 

11 fasch Ist! sehen Üünd nl sses” ? d ami t sol lCp . j:.-,. 
jedoch nicht falsche Fronten aufqebaut wer-* 
den, sondern nur auf den Umstand hingew e- 
se n werden, daß solche "Bündnisse” v |c* . 
und Energie darauf verwenden, den Balken 
Auge das anderen zu suchen (Me of asch Ismus.; 
und dabei die selbst verinnerlichten Momente 
von Macht, also den Splitter im eigenen Auge 
über sehen .) 

Arbeiterbewegung und »wissenschaftlicher 
zial Ismus” stehen doch in einem e igena-r 
Verhältnis zueinander* während der wi 
schaftl. Sozial." noch heute (dort* 

von den herrschenden kommunistischen wml Ai: ^ 

beiterpartelen vertreten wird) DIE 
DIE Erkenntnis- und Analyseanielfcurtg. 
beiterklasse zu sein beansprucht, 

Jedoch, wenn wir die Gesamtheit der 
bewegting betrachten, nur von M Inder hei; 
sltiv vertreten. Und selbst da, wo er 
f iz leiten Doktrin einer Arbe i terbewegU^W|Jrf 
de (also - unter Vorbehalten - 
land, ln Rußland) verlor diese Arbei 
gung Ihre revolutionäre Durchschlagskraft, 
mauserte sich zur demokra fe i sch -*soz Ia 1 \ Jw.- 
sehen "Reformpartei» oder zur terror.ist! 
»Diktatur des Proletariats" über die Arbel|rr> 
klasse . 


Revolution 


.... • 
i""'’"i'■' * 

in dem Aufsatz 

. :hen den 2ei täl ter n",s, daß die. gesamte 
^ ^yietgtliscke R^votutiänsleiOegung' zü einem 
v Bestandteil dem ktlmggeliehen hielt 
^euoMdeh .ist und daß es möglich *toa*, eevotu - 
iigndn.efi Psig leia /i ie/tn io eiszumachen , das nach- 
mevötuiioAäJie Rußland mit seinen siaalskapi - - 

talisiischen t kp eeimenten und seinen Ve/ifot- 
Jedes selbstständigen Denkens habe die 
' ftf|§^ä iphe..hieUpen io de n ülemwunden? (. . . } ti - 
• die zentral ist is ch o mqa nisten i 

von den 0lenen £o/ident* 
Ausbeutung mit sich 

. fmevg tuiignän sein, ist Iüa i- 

,. *; gegen die kü/igee liehe 

itumß.fi litji den Sozial is - 
I "kamp-l §egen den Staat, 

p|gf : ai*$etr erklärte in seinem letz - 
ew, er linde nun, daß jede Paniei 
di ge/nie jse dumm i st . hielt di e I dee.n 
len kommen und das beeinträchtigen, was 
gedacht Mied, Das ist die beste Ant* 

nall!d-[ 


; v lieh muß das denken Unten entstehen « Plan 
5C it° * da/t/ es nicht von ölen v6€ptiSHehmen,, -j/ 


i 








18 


Dieser (alte) "wlssensehaf11 * Sozialismus” 
scheitert überall; sein Schwanengesang als 
leb endige , kapltailsmuskrltlsehe Bewegung 
ist der Untergang der deutschen und öster- 
re Ich!sehe n Arbe 1 terbewegung ■ In der. Macht . 
des Faschismus* Immerhin waren diese Bewe¬ 
gungen noch )U£<u£j«Abewegungen, deren Ideo¬ 
logen zwar überwiegend dem Kleinbürgertum 
e nt stammten , aber "Marx", das war ein Pro¬ 
gramm für soziale (sozialistische) Demokra¬ 
tie, für den Kampf gegen den Kapitalismus 
und seinen Staat, doch - wie dlö Geschich¬ 
te tragischerweise lehrt - nicht gegen den 
Staat schIech th1 n. 

Die Aneignung des "wissenschaftl • Sozialis¬ 
mus” durch die Intellektuellen der 60er und 
70er 3ahre muß von Jener Rezeption radikal 
unterschieden werden; I nt e nt Äonen, soziale 
Träger Schaft und der materielle Boden die¬ 
ser Rezeption unterscheiden sich von der 
Arbeiterklasse vor dem Faschismus und Welt¬ 
krieg . 

Der "Wissenschaft!« Sozialismus” entstand 
einst Am Kampf gegen andere Strömungen in 
der Ar.bei feer theor le • Er beansprucht seine 
Wissensohaftiichkeit aus den Instrumenten, 
die er Im Kampf gegen Theorien entwickelte, 
die nicht in der Arbeiterbewegung wirkten, 
Sondern ln der jungen deutschen Intelli¬ 
genz? gegen die 3unghegellaner , Im Laufe 
der Zelt wurde und wird das Ökonomische und 
empirische, das psychologische und soziolo¬ 
gische Denken insbesondere des jungen Har« 
lmrogx wieder ersetzt durch eine eher phy¬ 
sikalischen Denkmustern verhaftete "Wlssen- 
schaft”* Und wie bewährt sich nun dieser 
”wissenschaftl„ Sozialismus” in der histo¬ 
rischen Praxis? Ein Beispiel beschreibt 
Shlomo Na ’amanns £4 heißt, man muß Jetzt 
(mit der. revolutionären Organosatlon, d.V.) 
alwarten, 11 a zur nächsten KriAe,, Deswegen 
14 t die Au/löAung deA Kommun iAten lundeA 
(105o, d*V.) vollkommen berechtigt und Plarx 
hat mit de *1 Überitegenhelt der UiAAenAcha/t 
gehandelt, £4 kommt dann aIterdingA eine 
kleine Panne, aber da die meisten "Planxo- 
logen* keine äiAtoniken Aind, übergehen Ale 
da4 1 18 57 t4i eine KniAe und e 4 geschieht 
weder in England no$h au/ dem Kon t ineni 
legend eiutaA, Und Pia ex Aeller hat Aich nicht 
daran erinnert, daß lei de*t riächAten KriAe 
die Revotut Ion auAlrechen und den Kommuni - 
4tenßund 4ich du*ich4etzen muß, Die Histori¬ 
ker könnten diese Reihe beliebig fortsetzen. 
So werden, dann - nach E. Mühsam die bei¬ 
den hervorragenden Cnila/tven. de4 kapitati - 

Ali Achen UnterdrückungAven/ahren.A, die auA» 
gezeichneten Lehrer deA protetariatA zue 
BurchAchauung Aeiner eigenen KlaAAen tage, 
die den Revolution le idenAcha/tt ich j enge le¬ 
nen §e4e ££4 cha/tAkrit iker von OlrigkeitA» 
mahn ufid Un/eht&arke itAdünkel * /er/tthri, die 
Re/grmerpolitik der Sozialdemokratie alA 
HemmAchuh an den Kamp/wa gen deA Pro letari» 
at4 zu hängen. 

Die (Re-)Konstrukt1on einer freiheitlich/ 
sozialistischen Theorie steht noch aus* Was 
f 1 n de fr 6 öe r und 7 Oe r 3a h r e n s t a 11 f a ndw a r 
sicherlich der Bruch der Vorherrschaft der 
in ihrem Ursprung bürgerlichen Ideologie an 
den Universitäten. Das hat aber mit einer 
Wiedereinsetzung des "wissensehaftl* Sozia¬ 
lismus" als Theorie der Arbeiterbewegung 
nichts zu tun*, Diese Wiedereinsetzung fand 
in den Köpfen der "Wissenschaft!* Sozia¬ 
listen" statt; sie war gleich*eit auch In 
strument bei der Ausgrenzung antlautoritä 
rer, utopischer Theorien ln der ”3ugemibe 


Wegu ng ” nach 1967, Doch diese neue Wejie 
"wissenschaftl* Sozialisten" trifft nur neblig 
auf Reste von "wisserisehaf11 * sozialisti¬ 
scher” Theorieaneignung Inder realen Ar^ 
beiter-{Gewerkschaffcs~)Beweg ung; insofern 
also hat dieser "Marxismus nun auch nidhts 
mehr mit der Arbeiterklasse zu tun. Damit 
aber muß der "wissensehaftl. Soz ialismus 11 
heute seine vermeintliche Über lege nf^Öfc' 'V 
über andere und seien es noch so verguere 
Theorien nicht so sehr "empirisch" und * 
"wissenschaftlich", sondern vor all|#-|i*Msb> 
"prak 11sch" beweisen. Insofern ai*ch ; Äafc " 

Karl Korsch, der mittlerweile wieder^ef- 
gessene, produktive Ketzer des Marxismus 
In seinen "Zehn Thesen über Marxismus hsu- 
te" l95o (11,1 ein Programm sozialistischer 
Theorlebiidung f ormuliert t i ; v 

//. Alte VerAuche, die marxiAtiAche Lehre 
at4 QanzeA und in ihren ur4 prangticM^ 
tion als Theorie den Aozialen Rev 0 lut/idn- den 
ArteiterktaAAe w iederherzuAtet len, Aih'd' : kew» 
te reaktionäre Utopien * Tptiv’/ 

UL* Im Quten und BöAen Aind aber : 

BeAtandteite, der darxAchen Lehre mit verün~ 
derter Punktion und au/ veränderten Schau» 
plätzeh , noch heute wirkAam, Auch auA der 
Praxis der vormaligen marxiAtiAcheur^M&'l** 
tertewegung 4 iwd wichtige Antriebe 
heutigen praktiAchen AuAeinanderAeLMhfen * Y- 
von Völkern und KlaAAen eingegangen, 

IV, Oer en4te, Schritt zum Ui e de na ti /.lad , e tner > 
revolutionären Theorie und PraxiA leAteht 
darin, mit dem monopo lirt iAchen An 4 prm& 






HanxUAmd au£ die aeäotut iondne fnUimdlu^ 
und auf die iheoneiiAche ufld pnakt iAch<L 
Tllhnung zu Rechen» 


Intelligenz und Klassenmacht 

In der "Marxschen Geschlchts-» Gesellschafts* und 
Staatstheorie” schreibt Cunow Sätre» die nicht 
nur als gängige Auffassung der heutigen Sozialde¬ 
mokratie begriffen werden können» sondern auch 
als die der Dünger des "wissenschaftlichen Sozi¬ 
alismus": An die Sielte deA einAÜgen dgnaAti- 
A dien fla’c/iiwosiieA: * Den. Staat Hn ich?* iniit nun 
in einem Aich mehn und mehn entoeiiennden StaaiA- 
lUngenkneiAe daA enAiankende Bewußt Ae in i * Ben v 
Siaat Atnd Mint" - ) Den Siaai wind nicht 

Uten/ f.üAAig t en ventlent nicht, wie f.ngetA mein* 
ie, einen Immen gnößenen 7 eil Ae inen. einAtigen 
Tunkt tonen an die QeAellAchafi, Aondenn en ü&en- 
nimmt im Gegenteil Immen weitere aqz iale Aufga~ 
len und enweitent dadurch Ae ine Venwa tiungAma- 
Ach ine/iie . 

Erneut die Frage i Was ist dem e n t ge«jen&uhalten? 
Die 7nage iAt nicht den töidenAiand gegen den 
Staat, saqt etwa Dernard-Menry Levy, Aondenn ^ 
gegenüßen dem Ideal vom Staut, gegen fiten dem 
Staat, den in unA allen IaI, Boa Pnotlem iAt 
nicht die StaatAmaAchine alA Aolche, Aondenn 
den liiunAch nach dem Staat, die M otwendigkeit 
deA StaateA, die Konknetion deA StaateA, die 
Aich in den Köpfen von ao vielen Leuten &e- 
f.indet • DaA CntAche idende iAt daA Ideal 

deA StaateA, dieAe Tondenung nach dem Staat, 
die von unten kommt, dieAe 6o fl il 1 ionen Siaq- 
len, die eA in Deut Achland gilt, dieAe 6o 
Millionen Denunzianten, (•*,} dieAe 6o Mil** 

Honen hegelianiAche Su&jekte, die zu Staa¬ 
ten geworden Aind , Doch kann auch Levy nicht 
verleugnen, wes* Geistes Kind er ist: wer» 
wenn nicht die Intelligenz» kann denn dies 
von Ihm kritisierte Ideal aufbrechen? Wer, 
wenn nicht Leilte ,seines Schlages, kann denn 
dies Problem als Problem artikülieren? Es 
ost also Vorsicht angebracht, auch bet Phi* 
losophen, die die F ühr ungsr ol 1 e der Intel¬ 
ligenz aufbrechen wollen. Gleichzeitig aber 
darf ein solches Mißtrauen nicht dazu, füh¬ 
ren , wieder e inmal das Kind mit dem Üade 



ausz uschüttcn. Der Versuch, die Gründe und 
Hintergründe, die Ersehe!hungsformen und 
Auswirkungen (ln einem jeden einzelnen) der 
staatlichen Repression (aber nicht nur sei¬ 
ner) erst einmal zu begreifen» bevor man 
sich daran macht, aus der Analyse gewonnene 
Erkenntnis in praktische (öffentliehe) Ak¬ 
tionen umzusetzen, ist In Jedem falle wich¬ 
tig # 

Der Staat in uns • ** Hegel hatte ,davon gespro¬ 
chen, der Staat sei nicht um den Düngen mitten 
da f die Bürger sollten ihn als ein 1/idiAch- 
QöiilicheA venehnen f da: alleA, wüa den PlenAch 
iAt, vendanki en dem Staat und alten Ment des 
Menschen hat en allein dun eh den Staat . - Wie 
sehr diese Auffassungen seither Allgemeingut 
- auch der Linken l-' geworden sind» Ist offen¬ 
sichtlich* Dies Denken» aber auch das entspre¬ 
chende Handeln I» aufzubrechen, ist eine notwen¬ 
dige Aufgabe dieser Zelt* 

Daß Theorie ihre Ordmingsfunktion und Wissenschaft 
wie Intellektuelle das "Monopol den Wahrheit” ver¬ 
lieren (müssen) Im Nahmen einer solchen Arbeit, 
ist evident, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß 
ein Offenlegen und die Kritik der Machtstrukturen 
schwerlich einhergehen kann mit dem Aufrechter¬ 
halten ihrer (der Macht) Prinzipien, wie es ja 
angelegt Ist z *U * Im sog* "wissenschaftlichen So¬ 
zialismus" (ein Beispiel dafür ist die Vorstel¬ 
lung einer "Diktatur des Proletariats", die ent¬ 
sprungen Ist dem kleinbürgerlichen Ideenkreis 
des 3akohlnertums und bezeichnen soll eine mit 
diktatorischer flächt ausgerüstete Negierung» die 
einen "Sozialismus" anbahnen und durchführen soll 
durch gesetzliche /TacAtgehote)• Verbunden mit ei¬ 
tler derartigen Kritik (an "Objektivität 11 , 
Wahrheit", "Macht" u*dgl *m *) ist die Ab¬ 
lehnung einer De leg Innung der Revolution 
an ein imaginäres (eingebildetes) "revo¬ 
lutionäres Subjekt"| denn solange dies 
nicht identisch ist mit der zumindest über¬ 
wiegenden Mehrzahl der Individuen könnte 
es die Revolution nur verwirklichen mit 
Macht und Herrschaft* Und daraus folgt dann 
wieder auch Repression und Entmündigung» 
Unterdrückung und Unterwerfung eigenstän¬ 
digen Denkens und Handelns * Und da unter 
.Sozialismus nicht die Herrschaft staatli¬ 
cher Bürokratien zu verstehen ist» sondern 
ne^umfassende gesellschaftliche Selbst- 
Ist die volle Geltung demokra- 
nzipien und bürgerlicher Trei¬ 
dle notwendige Voraussetzung 
Gesellschaftsform» die deh Na- 
s" tragen will» Weil zwischen 
ig, Zweck und Mittel ein 
tlger Zusammenhang besteht, läßt 
sozialistische Gesellschaft nicht 
tären Methoden und Organisations¬ 
elchen* 






18 


Und wenn d ie. von fl an* und Enge €s legr linde te und 
in unseren lugen von Lenin wiederhergesiellte 
Theorie den revolutionären proletarischen Dikta¬ 
tur mit diesen Illusion des BabuvietIsch-Blan*. 
quistisehera So sin Heraus scheinbar völlig gebro¬ 
chen und /Me die VenwinkEichung den Spezi/liehen 
Au/gaben den protitanischen Revoluticn auch einen 
spezi/lschen proletarischen Staat /ür neilend ig 
erklärt hat, schreibt in diesem l usamme nhang Kerl 
Korsett in einer 193© erschienen Rezension, 40 be¬ 
steht doch den wesentliche Unterschied dieses 
neuen Staate* den protetu ei*chen Diktatur von den 
bürgerlichen Jakobinerdikiatur auch nach der ma * 
zisiischen und len in ist Ischen Konzeption mieden 
nun in meinen Zwecktest immung 9 deinem sozialen 
Träger, ku/izum in meinem ökonomischen und sozia¬ 
len Wesen, dagegen durchaus nicht in irgendeinem 
Unterschied seinen politischen Torrn* 

Der Gegensatz zwischen diesen Auffassungen und 
einem "traditionellen” Politikverständnis - der 
Linken, nicht zuletzt - ist strukturell angelegt* 
denn, stellen Brodt/Bamolin/WIllet fest, die Beset 
zung der $ibidin&sen töunsckverketiungen mit to¬ 
tal Hären Signi/ikattonen des Staates oder der 
revolutionären Arbeiterklasse , der Zwang, die ei¬ 
gene hJ un Schökonom ie in die Einheit eines kollek¬ 
tiven Subjektes - des herrschenden oder des re¬ 
volutionären - zu integrieren, bieten zwar das 
Qe/ahl der Au/gehobenheit, der Sicherheit, der 
Geborgenheit, des Anerkanntseins, zumeilen auch 
die Emp/indung eines kollektiven Rausches, aber 
nur um den Preis der Disziplin und des Ver¬ 
zichtes, *- Auch diese Sätze sind nichts an¬ 
deres als ein Plädoyer für Menschlichkeit 
auch ln der Politik, was meint, die eigene 
Emotionalität, die eigenen Wünsche, Bedürf¬ 
nisse und Interessen nicht a priori den An¬ 
sprüchen einer Organisation unterzuordnen, 
nur well diese das verlangt und sie nur als 
Gegenleistung für diese Unterordnung die 
Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit 
gibt, nach der sich doch ein Deder sehnt, 

Mitte der 70er 3ahre wurde nun ein Buch des 
Franzosen Andre Glucksmann Ins Deutsche 
übersetzt und bei Wagenbach veröffentlicht! 

"Uöchln und Menschenfresser - Ober die Be¬ 
ziehung zwischen Staat, Marxismus und Kon¬ 
zentrationslager"* Einer der Heuen Philo¬ 
sophen, ein Aktivist lm französischen Mal 
1968, danach bei der aktivlst Ischen maoisti- 
sehen "Gauche Proletarlenne", unternimmt den 
Versuch, die Im Titel des Buches angedeutete 
Beziehung nachzuweisen • über ein 3ahr war 
Funkstille ln der deutschen Linken* Dann, 
so langsam, langsam, setzt die Reaktion ein* 

Martin Buchholz redete sich ln der "konkret" 
Oktober 1977 heiß, die Berliner Literatur¬ 
zeitschrift "alternative" dekumentlerte die 
Positionen der nouvetle Philosophie und einen 
Beitrag von Hegt, die Frankfurter Rundschau 
brachte ln ihren Wochenendbeilagen vom H .2 ., 

22*4* und Io .6 .1978 eine Auseinandersetz ung 
über die Franzosen, die diesmal nicht ihren 
König, sondern (angeblich) die "Vernunft" 
köpften, die Göttinger Zeitschrift "Politi¬ 
ken" widmete das lieft Nr , 60 der Angelegen¬ 
heit; den Reigen rundete schließlich wieder 
die "konkret" lm Oktober 1978 ab! Michael 
Schneider, Der Unglucksmann, Und als Mach¬ 
sch lag wieder die Frankfurter Rundschau! lm 
Feuilleton vom 12*7.1979 ein Bericht über die 
Einheitsfront von Sartre über Foueaulf bis 
Glucksmann unter dem Titel "Die einzig freien 
Menschen sind die Gefangenen", - Es stimmt 
nachdenklich, wenn man sich die überwiegende 
Reaktion auf die Provokation der Neuen Phi¬ 
losophie ln deutschen Landen ansieht! hier 
gedankenlose Zustimmung, dort dümmlich-weh¬ 
leidige Ab- und Ausgrenzung « * * 


Was will er denn nun, der Mede Philosoph 
Glucksmann? - Kurz zusammengdfaßt vertritt er 
neben anderen die Auffassung, daß der "Mar¬ 
xismus" ln den realsozialIst!sehen Länder« 
nicht bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, son¬ 
dern "zur KenntIIchkelt real" geworden sei, 
Hegel - Marx - Stalin, das sd| ; vdie ; 'Reihe der 
Ordnungsdenker| die Reihe deifdf, #te die le¬ 
bendige Vie1f a11 des Widerstandes’ gegen den ! 
"Staat" kasernieren und unterjgehen wollten: 
Diese Konglomerate von $ Jlppiken, die links 
und ganz links sein mollen, sich ein Erbe 
streitig macheni Leninisten, Nichlleninisien? 
Sie haben nur ein gesetzt lm ■Mimen, eines 
Ismus*, einer 7he orte zu Apnechen, die ihre 
führen hat , so wie man beschlossen hat, dati \ 
die Elite die Plebs, der Verantwortliche die 
Basis oder der militante genösse die Hassen 
an/ährt, 1 

Natürlich freute sich die bürgerliche Presse 
über die Kritik "ehemaliger" Lihfeer an Linken 
- wie denn auch sonst? Besonders lm Herbst 
1977 f ‘tn der Zelt der allgemeinen Intellek- 1 
tuellenhatz und des Test der Herrschenden auf 
die "Stärke" der linken (fast gleich null) 
erfreuten sich die Neuen Philosophenwachsen¬ 
der Beliebtheit. - Aber dann diese Kritiken !, 
So schreibt beispielsweise Oskar Hegt ln sei¬ 
nem Artikel "Wotan und Gargantua - Der jüng¬ 
ste Aufstand geqen die dtal etc bl s bh e V er nunf t s 
die 'Neue Philosophie' Frankreichs"! vie-\ 

te von ihnen haben in wenige^ dls'^e/tn j ahnen 
mehrere Enttäuschungen erlebt* sie Waren Be¬ 
geisterte der flai-Reuolte und gaben ■.'de4 11fV 
die Schuld, den letzten Schrlit~ 'nickt ■getan 
zu haben. Einzelne suchten dann'■ Lm: Le/tin 
mus mao istischer Prägung toeiienzumachen und 











waren spätestens kitte.*, enttäuscht» als sich 
in China den. flachtwechsel vollzog» Als dann 
zwar keineswegs authentische Informationen* 
wohl aker zuverlässige Gerüchte aus Kamkod* 
scha drangen, in denen von Deportationen und 
flassenerschieQungen die Rede war, nahm für , 
manchen der Neuen Phitosophen dte Qnundg&ei** 
chung ihrer Kritik: Sozialismus * Gulag * 

Marx, die Gestalt einer fixen Idee an*. Fixe 
Idee? - Für die überlebenden Kambodschaner 
wird (He Gleichung des Heuen Philosophen 1h* 
re Wallr heit haben, ebenso für die Vietname¬ 
sen, die verschämt M boat people" genau nt wer¬ 
den, aber auch für die deutschen Soldaten dos 
Zweiten Weltkrieges, die In der UdSSR noch 
lange nach 1945 arbeiten mußten, für die sog. 
Schuh macher-Leutc" der DUR ln Wor kut a und 
dergleichen mehr,; 


Hit dem Kampfruf M Ant1kommunIsmus" oder dem 
Verweis auf die eigene saubere, weiße M mar¬ 
xistische" Wäsche Ist es nicht getan* Und 
deshalb sind die Kritiker der Heuen Philo¬ 
sophie auch in der Defensive - well sie Ihr 
Publikum nur noch langweilen. Sie sind schul¬ 
dig, an den Universltäten ln tödlichen Semi- 
nare« den Marxismus von einer Provoka11on 
und Waffe zu einer positiven Wissenschaft mit 
Bewertungen "bestanden*' oder "nicht bestan¬ 
den" gemacht zu haben - der Neue Irrationa¬ 
lismus Ist Ihr legitimes Kind mit der bürger¬ 
lichen Gesellschaft, mit der notwendig auch 
bürgerlichen Sozialisation derer, die kämpfen 
lernen wollten und dafür das Wort "Sachzwang” 
odar "Objektivität* 1 im schlechten lausch er¬ 
hielten, - Diese Kritiker sind unglaubwür¬ 
dig# Die Heue Philosophie wlrkt^nicht durch 
Ihre zum Teil unerträglichen Werke iLardreaw/ 
Oambert ), sondern durch die unglückliche Ver¬ 
knüpfung der deutschen Ordnungsfanatlker des 
Deutschen Herbstes 1977” mlt den senilen Uni - 
vef'ii tttsmarxIsten . - ei.ne 1 ähmende Koaiition 




















20 


Werkzeugkiste und Ideologie 

Daß die "Ideologie des Verzichts“ unweigerlich 
ln eine Sackgasse führt, wurde bereits auf ge¬ 
zeigt -sie geht an ihren Inneren Widersprüch- 
Itchke 1 te n z ujjr untle (als "revolutionäre" Ideo¬ 
logie) und bestärkt die dem ge seilschar11 lohen 
Status 9 1,0 &ugr undei lege ncfe n Me ch anismen durch 
Ihre Übernahme in den eigenen Prinzipienap¬ 
parat« - Es darf jedoch nicht vergessen wer¬ 
den, daß soziale Revolutionen auch durch die 
verschledensten Interventionen von außen zer¬ 
stört bzw« rückgängig gemacht werden können; 
Spanien, Chile, Portugal, Polen, Ungarn* Tsche¬ 
choslowakei u*a*m, sind mahnende Beispiele* Der 
Bankrott des "wissenschaftlichen Sozialismus" 
als Theorie (und Praxis) der Befreiung Ist 
ot r ens ich tuen und wird beispielhaft offenbar 
am Legallsmus der gängigen Marx-ßezept1on, etwa 
der mehr oder minder begeisterten Auf- und Über¬ 
nahme parlamentarischer Cef I ogerihe 1 ten , dem Hlt- 
rotschen-Wollen ln der parlamentarischen Tätig¬ 
keit, mittels derer Klassenkampf und Drang nach 
Emanzipation, der Wunsch auf die Befriedigung 
emot lona1/polltlscher Bedürfnisstrukturen und 
-Zusammenhänge und die AuseInandersetzung mit 
dem (eignen) "hegelianischen Subjekt" zur Farce, 
kanalisiert In die Läufe der herrschenden Zu¬ 
stände . 

Recht zutreffend daher stellt denn auch Heinz 
Brüggemann fest, da* BewuBUein de.* AnZeile** im 
panlamentani*chen Spätkapital i*mu* an eine zen~ 
£nali*ti*ch ongani*iente Pantei (und was sind 
die bundesrepublikanischen Parteien von weiß bis 
braun, von rot bis grün denn anderes ? ) (Linden 
zu wollen t heißt, die Initiative und die nevotu- 
tionäne Energie den fla**en zu en*ticken, da* 
ohnehin dunch die Soziali*ation*agentunen den 
lüngenlichen Qe*elt*cha/t enzeugte <Je/üht /Un 
<Jehan*am und fiienanehie, /an kon/onm i*t i*che 
Venhalten**tnuktunen und Pa**ivitäi zu nepnodu - 
zienen. Auch unter diesem Aspekt also ist also 
eine Konzeption von "Revolution", die den Weg 
über die Errlnqung der Macht im Staate vermittels 
der Übernahme der Staatsmacht letztlich nichts 
als kontehrevo lutiogär* 

Keineswegs Jedoch wird hier einer politischen 
Gleichgültigkeit das Wort geredet, aßen, so äames 
GuliJaume auf dem Haager Kongreß 1877, im gegen- 
*atz zu den Man*. i*£en *ind win negative Politi¬ 
ken, indem win an* nicht die Enolenung, *ondenn 
die Zen*tönung Jeden po lit i*chen /lacht alt Ziel 
*etzen » In diesem Sinne ist also auch zu warnen 
davor, z ,B . eile Staats f lx lerting der "traditio¬ 
nel len" Linken zu ersetzen durch eine bloße He- 
qterunq (des Staates) In der eigenen Praxis* 

Auch hei einem solchen Unterfangen würden ledig¬ 
lich die Vorzeichen verändert - nicht aber das 
Prinzip des Handelns. Bern gegenüber muß es 
- wie schon mehrfach betont - darum gehen, 
einen politischen Kamp/ gegen *äm£liche fla~ 
*chinen den henn*chenden (lacht zu ent/achen, 
ol e* *ich nun um die (lacht de* tfUgenti - 
chen Staate* handelt, um die flacht alten 
Anten von Bänoknatien, die *chuti*che flacht, 
die /amiliale flacht, die phatloknati*che 
flacht in den Zweienleziehung, öden *ogan 
um die nepne**ive flacht de* IHenich* Ulen 
da* Individuum , erklärt Felix Guafctarj. Und 
das heißt, der (auch politische) Kampf um 
den Ausbau und (Erhalt demokratischer Rechte 
und bürgerlicher Freiheiten kann nur dann 
sinnvoll und erfolgreich geführt und bestan¬ 
den werden, wenn eine Identität: berge stellt 
Ist bei den agierenden Individuen zwischen 
dem Zu*tand des T.rwUn*chten , Fr ho//ten, zu 
Erkämp/enden einerseits und der (Ersehe 1- 
nungs- )Tonm des Kampfes andererseits. Bur 


so kann der Prozeß des politischen Kampfes 
zu der notwendigen Erfahrungsebene Werden 
für welfeergehende gesellschaftliche Verände¬ 
rungsprozesse f denn: erst auf der Erfahrung 
erfüllter Bedürfnisse eröffnen sich neue 
Bedürfnisebenen. Damit ist Sozialismus 'nicht 
mehr die Proklamierung eines abstrakten Prin¬ 
zips (Abschaffung des Privateigentums an den 
Pr oduktionsmittein), sondern die Uer eh se t- 
zung von Selbstbestimmung der -'Hinsehen über 
ihre Bedürfnisse und deren Erfüllung. Dies 
bezieht sich sowohl auf die "#bjektlve" Sei¬ 
te (Veränderung der Produktionsweise), wie 
auf die "subjektive" Seite (veränderte Le¬ 
bensweise) dieses Prozesses. Lefettend liebes 
Ziel dieser Entwicklung bleibt also eine Ce- 
Seilschaft, ln der Se Ibsfe orqaniwfei on, Selbst 
Verwaltung und SeIbstreqierung (ohne die Exi¬ 
stenz eines "Staates") verwirklicht sind. 


Die Aufgabe steht also an, aus dem vielen 
Schrott vom Kehrichthaufen der Geschichte 
das auszusortleren, was noch weiter verwend¬ 
bar Ist; seien das nun Bestandteile des 
"wissenschaftlichen Sozialismus", des kom¬ 
munistischen Anarchismus, der Heuen Philo¬ 
sophie, der Anti-Psychiatrie, der Lehren des 
Don 3uan ... Kein SeIbstbedienungs laden für 
orientierungslose Linke ist hier gemeint, 
sondern die Konstruktion e inet Theorie, die 
weder in Widerspruch zu der aus Ihr folgen¬ 
den Praxis gerät, noch den Keim zu neuer 
Unterdrückung und Entroündlqung ln sich trägt. 
Ein schwieriges Unternehmen, aber packen 
wir es an I 
























Die Clowns sind tot. Die Narren gibt es nicht 
mehr - sie zogen just for fun in das Land 
Phantasie am Flusse Nirgendwo. 

Wir aber leben noch im Land Realität und das 
Gebirge Hier-und-Jetzt versperrt uns die Sicht 
in andere Gebiete der Welt. 

Wir leben und lachen, sind optimistisch, schau¬ 
spielerisch, Ebenso, sind wir heiter und wissen¬ 
schaftlich; sind modern und demokratisch - kurz: 
wir sind vernünftig« 

Wir sind vernünftig, also stehen wir mit beiden 
Beinen auf der Erde und verlangen nach keiner 
Utopie im Reich der Wolken. 

Wir sind vernünftig, also hassen wir niemanden 
mehr und brauchen keinen Mord und Totschlag 
begehen. 

Wir sind vernünftig,’ also halten wir das Leben . 
in Gang und geben uns mit dem Gebotenen zu- 
F rieden. 

Es ist trügerisch, wenn Aradia kommt und 1 sagt. 

"Dis Clowns sind nicht tot und die Narren sind 
nicht im Land Phantasie. Sie sind unter euch, 
sonst hättet ihr nichts zu lachen. Sie sind unter 
euch, sonst hättet ihr eure 'schöne neue Welt* 
schon erkannt. Schaut auf die Straße, wo die@ 
Phantastischen ihre Parodie zum Besten' geben, 
wo die Menschenmenge angewachsen ist, klatscht, 
singt, tanzt und lacht! Schaut wie sie sich 
freuen und glücklich sind., wie die kleinen Kinder 
der Retorte. Wie sie lachen über den Doktor, über 
den Disco-Gänger, über den Politiker. Schaut doch, 
da lachen nicht nur diejenigen, die'sich mit 
ihrem Leben zufrieden geben und diejenigen, die 
nie zufrieden sind. Schaut wer da noch mitlacht. 

Der Doktor, der Disco-Gänger und der Politiker. 

Oh, ist das eine Freude*, alle lacht ihr über 
das Gleiche. Wie eine große Familie. 

Wisset jedoch: der Doktor, der Discc-Gänger, der 
Politiker haben die Phantastischen auf die Straße 
geholt. Wisset, daß sie es sind, die die Clowns 
und Narren haben wollen« 

Damit ihr nicht über eure 'Neurosen der Gesund¬ 
heit* nachdenkt. Sie holen die Clowns und Narren 
extra für euch auf die Straße, damit ihr deien 
Liberalität und Demokratie mit eigenen Augen seht. 

Entschuldigung - ich vergaß: es ist EURE Libera 
lität und Demokratie! Wozu müßt ihr die mit eig¬ 
enen Augen sehen? Um euch danrr selbst auf die 
Schulter tu klopfen und zu sagen 'Hach, bin ich 

aber liberal' - da es js sonst keiner tut-. 

Deshalb sollt ihr die Clowns und Narren ver¬ 
treiben: Erobert euren Haß zurück und tötet 
damit die Clowns und vertreibt mit ihm die 
Narren ins Land Phantasie am Fluß Nirgendwo. 

Laßt keinen von ihnen mehr unter euch. Aber 
‘ihr sollt im Land Realität bleiben und alle 


eure Extreme zurückholen: nicht nur den Haß, I 
auch die Liebe; nicht nur die Wut, auch die 
Freude; nicht nur die Tränen, auch das Lachen; 
holt euch alles zurück, was ihr euch habt 
rauben lassen. Ihr sollt den Alltag wieder an 
euch nehmen und nicht mehr f'rgh über den Feier-' 
tag sein, der euch geschenkt wird. Wie mein j 
Freund Oscar sagte: 'Wohlfahrt empfinden die 
Besten der Armen als lächerlich unzulängliche 
Art teilweiser Rückerstattung*•«’ Uhd was das 
Betteln anbelangt, ist es sicherer zu- bet¬ 
teln, als zu nehmen, aber es ist ’ehrenhafter; 
zu nehmen .als zu betteln.' 

Mit dem Leben aber ist es ebenso wie mit den*.: 
'Lebensunterhalt. Und wie ein anderer Freund, 
Friedrich, seinen Haß auf das .Christentum 
hatte, weil es aus 'Furcht vor der Schönheit 
und Sinnlichkeit, ein Jenseits erfunden, um 
das Diesseits besser zu verleiden.' So 
sollt ihr auch die Bühne ebenso wie die Clowns 
und die- Narren hassen, denn' sie, verwirkl ichen 
eure Träume auf der 8ühne,, mit denen ihr euch 
dann identifiziert und so braucht ihr dann | 
ein MUSS nicht mehr zu erfßll^n^ MUSS 

Träume zu leben, Leben zu träumen, Leben und 
Träumen, d.h. ihr seht das Leben auf der 
Bühne und seit davon befreit, selber zu leben. 

Bejaht eure Gefühle, bejaht d : a.s Chaos, be¬ 
jaht den.- Alltag. D-ann habt- ihr , was ihr : für 1 s 
Leben braucht, dann habt ihr das Lebern» dann 
habt ihr, was euch kein einziger - und erst; 
recht nicht alle - geschenkten Feiertage ' 
bieten können. 

Seid alles, nur eines nicht: bescheiden»" 

Nein, was Aradia sagt ist falsch. Sie fordert 
nicht nur das Chaos, viel schlimmer:; sie 
verlangt, daß wir die Feiertage abschaffen 
und den Alltag lieben. Das jedoch würde j 
einen Rückschritt für das menschliche Leben 
bedeuten: Da gab es z.B. Zeiten, in denen 
es keine Witze, keine Narren, rein Nichts 
gab (z.3. im alten Ägypten oder in Babylon). 

Die Leute mußten sich am Alltag erfreuen, da 
gab es kein feiertägliches Ausbrechen, da 
war das Lachen ein Mißtom des Kampfes von : 

. Verstand und Emotion. Momus, der Gott der i 

Freude, war beklommenen Herzens und sein 
Großvater war Chaos, während seine Brüder Zwie¬ 
tracht, Tod uhd Wut hießen. So meine ich, daß es 
eine 'revolutionäre Erweiterung' der menschlichen 
Erfahrung ist, die Emotion von der fühlbaren Ur¬ 
sache zu trennen. Die Menschen gewöhnten sich an 
die Trennung, weil sie spürten, daß Freude auf sie 
wartet, wann immer die Unwirklichkeit die emo¬ 
tionalen Assoziationen der Wirklichkeit hervorruft 

i ■ 

ohne die Einsicht 2u beunruhigen. Sie sahen, daß 







23 


der Effekt der Freude nicht nur zufällig war, son¬ 
dern absichtlich hervorgerufen werden konnte. 

Erst das macht die Freude für den alltäglichen Ge¬ 
brauch verfügbar. Es ist gefährlich, wenn verlangt 
wird, den Alltag und das Chaos zu bejahen, aber 
Feiertage und Bühnen, all das, was uns Freddie 
macht, abzuschaffen. Das Beispiel hinkt, daß aus 
dem Grund, aus dem der Glaube des Christentums 
ans Jenseits hassenswert ist, auch die Bühnen 
hassenswert sind. Wir haben den Glauben des 
Christentums aufgegeben - aber was ist uns geblie¬ 
ben? Nichts! Wir suchen noch immer das Dies¬ 
seits, ohne es zu finden. 

Schaffen wir auch noch die Feiertage und Bühnen 
ab, so werden wir die Freude suchen und nirgends 
finden. 



leben ist positiv, denn der,.Mensch ist nicht 
harmonisch: ihn harmonisieren zu wollen 
hieße, alle Extreme der Emotionen zu ver- 


Ist es Bosheit oder Uneinsichtigkelt, wenn Aradia 

zu bringen. Und w: 

meint: "Wenn du so sprichst - denkst du, du könn-v 

■Ebenso arm wie 

test für das Leben sprechen? Ich aber sage dir, . 

die Wut, die Freue 

so sprichst du nur für ein totes Leben* Deine Worte 

K . Deshalb sollt 2 

verbergen nur schlecht die Angst vor einem le- 

y nicht: beschrankt, 

bendigen Leben. 

Ihr habt den Glauben des Christentums nur ausge- • 

tauscht gegen einen anderen, unmenschlichen Glauben *- s ist nicht Öoshe 
- sein Ziel ist unerreichbar und deswegen seht ihr von Aradia, w 

das Diesseits nicht. Zurecht hatte Friedrich nicht Sie ist nicht fähi 

nur einen-Haß auf das Christentum, sondern sagte zu versetzen, in s 

von den Griecnen: 'So rechtfertigen die Götter und Sicherheit•• Si 

das Menschenleben, indem sie es selbst lebten* 1 das Chaos fii? 

Das Menschenleben war so sehr gerechtfertigt , daß Und mit der Bej 

nur vor einem baldigen Tod Angst bestand. Und da tremen der Emotion 

behaupte ich mit 278, daß die einzig revolutio- damit nicht auch K 

näre Tat die Abschaffung des Todes ist und be«v * Ketten an 

streite, daß es eine revolutionäre Erweiterung der anderen Menschen i 

menschlichen Erfahrung ist, die Emotion vort der In ® olch eir,em 

fühlbaren Ursache zu trennen. sich selbst gef^ss 

Durch die Trennung der Emotion von der fühlbaren heutzutage leider 1 

Ursache, wird dem Alltag etwas sehr Wich t'ißje'ß Menschen meinen, i 

entzogen, d.h. es wird ein Mangel herges te111« 
der auch nicht mehr an Feiertagen aufgehoben wer¬ 
den kann: denn so wie jemand nicht autofahreh Literatur 

kann, der nur Sonntags fährt, kann auch derjenige 

nicht mit Emotionen umgehen, der ihnen nur an, Bisher, M. Willson 
liebt, anerkennt und nicht missen wollt* 

Anders gesagt, ihr werdet durch den Mangel*; Nietzsche, Friedrich 

zur Selbstbeschränkung und zum Gehorsam , *. * 

erzogen. . ' . 1 e 1 %, - Herbert 

Deshalb sollt ihr alle eure * Emotionen leb&hk;*-; « , ßFtöhe,-Florian) 

Es mag ruhig Chaos entstehen, lernt ahfi ■. Wi-iN®* ar 

ihm zu leben. Es wird dem Alltag seinen / ••’;*%/*. 

Sinn wiedergeben. Denn das Chaos, Spie-. . ' - ■>, 

\ ’• .. ■ ''KY- ■< \ ■ • 

ierische und Unberechenbare ist das Prinzip. -y; 

• 'r’J , v . •’ \ 

des Lebens. Alles andere ist ein Anlegen von ■<^' • » 

Ketten, und sind sie noch so golden.' ;V >A#v Williams, VHeachcote 

Und dieses Chaos zu bejahen, mit ihm- Zu ; : 'g vy-y ,' x 


neinen bzw. sie auf einen kleinen Nenner 
zu bringen. Und wie arm wäre dieser Nenner! 

■Ebenso arm wie der Alltag, dem’die Liebe, 
die Wut, die Freude, der Haß entzogen ist. 

Deshalb sollt ihr alles sein, nur eins 
nicht: b es e bran k t." 


Es ist nicht Bosheit, sondern Uneinsichtig- 
keit von Aradia, wenn sie so argumentiert. 

Sie ist nicht fähig.sich in einen Menschen 
zu versetzen, in sein Bedürfnis nach Ruhe 
und Sicherheit* Sie kann nicht verstehen, daß 
das Chaos für Menschen x unlebbar ist. 

Und mit der Bejahung des Chaos, den Ex¬ 
tremen der Emotionen, würden sich die Menschen 
damit nicht auch Ketten anlegen? Goldene 
Ketten an sich Staber, die sie nicht mit 
anderen Menschen in Berührung kommen lassen! 

In solch einem Fell wären die Menschen an 
sich selbst §#ffSselt.Uhd gerade dies ist 
heutzutage leider nur allzu oft so, wenn 
Menschen meinen, ihre Freiheit zu leben. 


Bisher, M. Wilison 


Willia m s,\H e a fc h co t e 


Clowns and Panfcomimes 
New York/London 1968 
Die Geburt der Tragödie 
in: Werke, München 1966 
Vulkantänze 
München 1978 
Disöbedience: Man's 
‘"Original Virtue 
in: Woodcock, George 
The Anarchist Reader, 
Glasgow 1977 
Oer fmmortalisi 
Basel 1979 




SOZIALKRITIK - GRUNDLAGEN UND ERGEBNISSE 


Unter dem Stichwort "Sozialkri t ik" erscheinen in 
dieser Zeitschrift sieben Abhandlungen. Sie. sind 
auch je unabhängig voneinander zu verstehen (vgl. 
Plan, S.12 der Nullnummer). Nur die Thematik, die 
Frage nach dem Verhältnis van Freiheit und Gesell¬ 
schaft, verbindet die Abhandlungen, die als Dis¬ 
kussionsanregung aufgefaßt werden sollten. 

Teil 1: Von Rousseau bis Goodman 


von Stefan Blankertz 


geahnt. Seine Kritik am zweckrafeionalen Denken 
an der "Geometrisierung des Menschen* 1 (Rudolf! 
zur Lippe), an den geisttötenden Städten paßt 
eher in die Bewegung der "GRÜNEN" - hätte die 
grüne Bewegung doch Denker wie Rousseau - als 
ins 18 .Jahrhundert. Er bezog den MaSstab seine 
Kritik aber nicht aus dem herrschenden, oder 
unmittelbar vorausgegangenen Zustand, Die 
Mächte der Vergangenheit, Kirche und abso¬ 


lutistischer Staat, haben ihn auch keineswegs 

"Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers geliebt, ebensowenig wie die Machte der Zu¬ 
kommt , alles entartet unter den Händen des Menschen. "kunft, die Aufklärer und die, Demokratie Genfs', 

ais deren Bürger er sich fühlte. Rousseauö 
"Der Wille zum System ist ein Maßstab war eine "Natur", die ihrem Wesen nach 
Mangel an Rechtschaffenheit." utopisch ist? nicht reaktionär, Sondern zu- 
- Nietzsche kunftsbezogen. (Der Schriftsteiler Emmanuel 

Goldstein hat dafür den Begriff" der ■ "rück- . 

1. Der Satz der Überschrift - der erste Satz aus wärtsgewandten Futurologie" geprägt.) 

Rousseaus ZtötlE von 1762 - ist die Zusammenfassung Paul Goodman (1911-1972) verfährt ebenso, 

aller“ Sozialkritik. Anders ausgedrückt: Die sozial- wenn er sich Anarchist und Steinzeitkonserva- 


kritische Schrift ist die Auslegung dieses Satzes 
in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort, 
Das liegt nicht etwa daran, daß die Sozial¬ 
kritiker von Rousseau bis Goodman einer einheit- 


fciver nennt. In seinem 'Anarchistischen Mani¬ 
fest* schreibt er beispiels##f£jj$$ ‘Kon¬ 

servativen 1 (...) wollen bei-- der ■ Unterdrückung 
von 1910 oder sogar von Fürst Metternich blei- 


iichen Ideologie folgen würden, oder daran, daß die ben. Nur die Anarchisten sind-'wirkiiehe'Kon- 


Sozialkritiker nach Rousseau einfallslos gewesen 
seien. Es liegt vielmehr im Prinzip der Sozial¬ 
kritik selbst begründet: 

Sozialkritische Überlegungen haben das Ziel, die 
Gesellschaft ("sozial-") zu verändern ("-kritisch" 5 , 
indem sie die Menschen mit Argumenten aufklären. 

Das setzt voraus, daß der kritisierte herrschende 
Zustand von den Menschen selbst verschuldet ("alles, 
entartet unter den Händen des Menschen"), darum 
von ihnen selbst behebbar und nicht etwa in der 
Natur der Welt oder des Menschen begründet ist 
("alles- ist gut, wie es aus den Händen' des Schöpfers 
kommt"). Die inhaltliche Seite der sozialkritischen 
Überlegung versucht dann auszumachen, was in der 
bestimmten Zeit an dem bestimmten Ort die "Ent¬ 
artung" ist, und wo die verschütteten Ansätze 
des gleichsam "ursprünglich" Guten zu finden sind. 
Unweigerlich wird durch diesen Ansatz eine konser¬ 
vative Tendenz in die Sozialkritik eingebaut. 

Oie im Prinzip der Sozialkritik angelegte kon¬ 
servative Tendenz ist aber nicht reaktionär: sie 
will den herrschenden Zustand nicht bewahren durch 
seine Übersteigerung. Zu bewahren gilt es etwas 
anderes: die Freiheit des Menschen gegen die Ge¬ 
sellschaft, gegen den herrschenden Zustand. 

Rousseau hat mitten während der Aufklärung am 
Vorabend des technischen Zeitalters die "Dia¬ 
lektik der Aufklärung" (Horkheimer/Adorno ) voraus- 


servative, weil sie die Sonne uM 'dm Raum, 
die sinnliche Natur, die ursprüngliche Ge¬ 
meinschaft und das gesellschaftliche Experi¬ 
ment erhalten wollen." 
















mm-" ■; 

ä- r : ' v 1 *:;:. 


Die kürzeste Zusammenfassung der bezeich** 
neten sozialkritischen Vorgehensweise gibt 
Goodman in einer Tagebuchnotiz: "(*.*) ijcb. 
mache eine Liste von unvollendeten oder ( ver-. < 
lorengegangenen Dingen und fasse es zu eihiem - 
Aktionsprogramm zusammen, («*•.) Sozial uh& i 
psychologisch hat das zur Folge, daß meine . 
radikale Zurückweisung des Status quo ünge— 
wohnlich konservativ erscheint, (,«**) IcTi ver¬ 
lasse mich auf die natürliche Stärke der 
offenen Situation, die nach Abschluß strebt.!- ■: 
die 'Gegenwart 1 wird erweitert, um mehr Ver¬ 
gangenheit in sich aufzunehmen.(**•) Ein 
Künstlet ist-jemand, der.auf (angeblich) un¬ 
widerruflichen Verlust reagiert, indem er ihn 


angelsächsischen Ländern sehen Dirnen aus, 
Sd's 0:b'.’. f sie ; fliit der' 'fände zugleich' aucjh die 
r *: : * ?'{ 5-, 35-} uft; ein" 

?. ■.t'bed^^i^cb wie. po 11 tisch'" unerhebliches Bei- 
:: ;>.:^p;i'el. zu • wäh len --; ,K ; mm-. y ■ /. ; • > ”' • , • - 

Diese Beobachtung hat nur eihev i'.n,dividuell'e 
^ Bedeutuhg. fßz.* dien;. y : /{die'• -wir-, nicht 

/vnschvb^lziehen o der -'"kennen ■ k o nnen)$■ Foi 

■' Ymu-iiepung-' ist griftdaß wir uns därsn- 
'.. s • erf te u^n : : können, wie das tu^di 1 eh'> a.Upb bei 

$&h: ßpfiäti&men Nietzsches" der Fall istv keines¬ 
falls jedoch ipt-sie wissenschaftliche' r.Büch • 
...■.flicht; im dialektischen Sinne wissenschaftliche 
Soziologie zu nennen* Wenh-ÄdCtcc sif sufge— 
npmmen hat, tat er das als SchriFisteilet, 


bestreitet. Der erfolgreiche Revolutionär ist '..SoziälkTitikev, nicht als Wissenschaftler, 
jemand, der solch ein Dementi verwirklichen Und die MINIMA MGRALIA bieten - das will ich 

kann.” (dt. in 'Habichtskraut') ; betonen * eine-, .durchaus •.•eindZl4cksvdlie r po-: • 

.-'v-lit^sCjh. wie theoretisch erhebliche Sozialfcri- 
2. Sozialkritik ist keine Wissenschaft. Sie :y‘ -tik* ; . : 

mag Wissenschaft - wissenschaftliche Methoden, ;; .Öi> methodische Alternative der*moderneh So- 
wissenschaftliche Ergebnisse - benutzet, ist ^ialkriUk zum' Positivismus geht zurück auf 

-aber wesentlich Opposition gegen Wissenschaft, ein Buch von Paul,Goodman; .Growing Up Absurd 
Sofort einleuchten muß ihre Opposition gegen ( I960; dt. AufwachsBn im ^y^erspruch). 

die^Kritische^heorie". Allerdings hat sie . Seine leidenschaftliche Verteidigung der ju- 
kexne methodische Alternative zu bieten, wenn gendlichen. puertorikanischen Straftäter gegen! 
sie den 3ereich von Grundsatzerklärungen v*r-, die Gesellschaft war dabei offensichtlich 
läßt [hr= Kritik oleibt der universi^taje.n ’ durch cm homosexuelles Interesse an ihnen 

•Nichtsnutziokeit verhaftet. leh oe,haup,ke^f-»;*|; /Saehds»', 

n . F hi 1 n+ »'ni ■ i fff ETt^p * ftu» h p '■ (' phpo- ii' im«W , c .1— , — % _ 


•Nichtsnutziokeit verhaftet. ' Ich oe,haup,fce,^t-. p>; .'Stiches*. 

. . .. . ." h britischen 8eobachtyrfgeni. :tÄ||ihe.i.;pn4.-Sü^iai- 

daß die konkreten <riuau k*. • . ■ - \r. .. v mH . v V- • ,-i 

.. minima MORALIA niedergiei.:t.,;:tl«e«t*‘ f #«f'3fn|e«B «pTr:S*ä*|fti(cert.. und. ■ ■ 

die Adorno in seinen - v i ■**■£$*&*-Aw: •' 

, t u c . i k sind und keine WissehW-l * 

legt hat, Sozialkric j.k ... -.V-. - " 


*\ ■ t ■■■ 


Schaft. Adorno schreibt an 


einer Stelle: 




mm 




asl auf achr leben ! 
^ v re be;.Äer /,ich .;.; 

«Vc* v * \* ■ :■ j'; i: 















und über die Menschen * mit denen sie zu tun 
hatten, (typisch ist z.B. der Titel, THE LI-VE 5 
QF CHILDREN von George Dennison; <dt • - ebenso 
typisch - "lernen und Freiheit^). Sie stießen 
dabei auf die Schwierigkeiten,die man im orga¬ 
nisierten und reibungslos funktionierenden 
System der Gesellschaft hat, menschliche Würde 
und Eigenverantwortung zu bewahren, aber auch 
auf die Hartnäckigkeit, mit der das "trotz 
allem" versucht wird« Die Beobachtungen sind 
subjektiv und mit Interpretationen vermischt: 
ein Sinn wird versuchsweise hergestellt und 
als neue Möglichkeit, als provokative Frage, 
als plausibler Vorschlag mitgeteilt. 

Während die "Kritische Ttgoriö” in der Ge¬ 
fahr steht, papiern zu bleiben, steht die. 
Sozialkritik in der Gefahr theorielos, be¬ 
liebig, dilletantisch zu bleiben. Der gute 
kritische Theoretiker und der gute Sozial¬ 
kritiker treffen sich auf der Ebene der Prak¬ 
tischen Philosophie. 


möglicher "Basissatz", auf den sich eine 
Forschergemeinschaft im Popper'sehen Modell 
einigt. 

Das kann selbstverständlich nicht bedeuten, 
daß der Sozialkritiker die Beobachtungen eines 
Karl Marx nicht zur Kenntnis nehmen sollte« 
Gerade das Studium • seiner Ökonomischen Schriften 
- mehr als das seiner philosophischen und 
politischen, die allzuoft eindimensional sind - 
kann wenigstens das eigene Verständnis von 
Ökonomie ausbilden, selbst wenn man schließlich 
zu differenzierten Ergebnissen kommt. 

Dagegen kann der Sotialkritiker weder den 
geschichtsphilosophischen Prämissen von Marx 
folgen, noch den Ökonomischen Beobachtungen 
den Charakter von "objektiven Gesetzen" zu- 


4. Das Interesse, mit dem ich die Sozialkritik vor 
stelle, begründet sich durch ^die Hypothesen, daß 
1. das Prinzip der Sozialkritik der methodische 
und inhaltliche gemeinsame Nenner, von Anarchismus 
ist und 2. die moderne Sozialkritik Goodmans die 
bislang einzige adäquate Neufassung der anarchi¬ 
stischen Kritik unter den heutigen gesellschaft¬ 
lichen Bedingungen darstellt. 








J{ 


ebenso auf der Ebene der ReaXitife' •.(E.irt.ir*k‘.,' ■. 
bestimmter organisatorischer Strukturen').-.' 
auf der Ebene des Bewußtseins (das abdankt 
die organisatorischen Strukturen als Notw.end.i^-' ^ u 
keit anerkennt) stattfindet« Er ist nur, pMAi ?' 
stoppen , wenn sich zunächst das .ßew“y ^5 v';■<■>'\;.♦.? 
gegen seine völlige Umwandlung in PunkmonntM^fy : * ' 
widersetzt. Die Knotenpunkte und t 
die ich in dieser Artikelserie al.s-■ 
zu einer solchen Widersetzlichkeit .artb^ö.t 
sind und bleiben ein wüstes Gemisch, vof 
legungen zur Logik der Methode und y 

von Sozialkritik sowie von ganz individuellen 
Urteilen und Vorurteilen: das macht die (*röb~ 
lematik der Sozialkritik aus in einer 
der Wissenschaftlichkeit gefordert wird* 

Die Sozialkritik , die ich . vorstelÜfi 
ist nicht dazu angetan, individuelle < 

gesellschaftliche Probleme zu lösen, WeÄelir ■ 
sollen die Probleme gestellt» neu gesteJl.t^ 
umgestellt, überhaupt zu BewußtseingfcÄtfd&hi|y. 
werden und gleichzeitig soll der Versüß, das ,, , 

Experiment, das Risiko, praktischemit.•V : ielen, 

Lösungsmöglichkeiten umzugehen, stimulier^i* " ; t' 

werden. Es ist, glaube-ich, besser, 
verschiedene Gesetzbücher im Land®* Z'Uifob|^ 
von denen die eine Hälfte’ Mist .ist u n d 
andere Ungerechtigkeit festzuschrepbk 
sucht', als nur eines, in- dem Gutes un^. y -1 
Schlechtes, Gerechtes und Ungerechtes^ 
schickt gemischt sind, daß alle es schlie߬ 
lich für .ganz und gar gut, ganz und gap. 

■' • ,; " J v ; :' 

'recht halten. f - 

Ich glaube auf der anderen Seite auch, «*•'«*y.'4 j'y 
die Menschen ein Recht darauf haben,' kon* ■ 

servativ zu sein. Und ich .will, nicht, d,B» •> , 
sie deshalb durch eine Linke, die d.ae n»*t£ 
versteht (weil sie selbst zu ''konservatii;vÄ^' ; ||ig: 
ist), in die Arme der Konterrevolution J»~ ;; ! fyyyfy' 
trieben werden, die all^s zerstört, was ssj. ?• .,,j v 
zu bewahren gilt. VV; 'V 

LITERATUR: v >'■ v ' 


Toirt 1 t-iSft ?!’_<»t i aru.v.«- 


, der im dunkeln kräht 

?A uAAcm eri&cuz J> 1 


geldöbcrwclGurigen aj 


T ; W»i*i,brtdt;inafkeii : an: a.mäiter 
' 4Sf2e*7S Karlsruhe 1 


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- -»Wer - 


Ö)£ 




kann, ist ein Idiot.» 


J/ev 'mti&ev 

|i,(Maga z in für, gute Ideen, 

£&&&»£ ■im* _■ tw - ~ ■ 2 1 jJ. i : *r-ji * '’w n .**■ 


Adorno, Theodor W. , Minima Moralia .(19'51) , - • t.". , ! mt m«ai 

Dennison, George, Lernen und Fr eiheit ■, f if ^ ?y ä% .y ; yr; yy,, -;y ,y tytS/ 

rrankfurt i97i. .' (Magazxn für . gute Ide 

Goldstein,Emmanuel, Herausforderung nach Oben. gegen Dummdext, Ideoa 

in: Auf dem Misthaufbn der Geschichte, S btaatSrelXgl.Ong 

Bd.l, Wetzlar 1978. QArn tRTT * % 

Goodman, Pool, .n.rcM.tl«».. .«M fÜT 2 

lichkeitswann, Wetila, 1900 1 " ' ^leTflSTonVO" ^ ^ 

---, Habichtskraut (Gedichte)»..Wetzlaf ?B . Finkenstraße 56 

..Aufwachsen im Widerspruch 4100 Duisburg 1 V. 

Darmstadt 1971 '-yo./ T' v|' : .iv : VT : ;"v.\ '-V,'r" *. -1!' v’v ■ j 

Rousseau, Jean-Jacques, Emile (1762), ■ ,-/.-v'- .hj } 'v : ;".V 






Stuttgart 1957 

















ÖL, NATO UND DIE KUH VON TYSFJORD 


von Odd Johan fealvik 


Stufenleiter entdeckt wurden'soll dieses 

(übersetzt von Jürgen Wierzoch) Hal verhlndert werden. Das Pha$eh4<ä.nken als.. 

Methode wurde in Tysfjord geboren. Wohl hatte' 1 

Wir müssen "in Phasen denken.. der ^ acBi des Phasendenicena *■■ 

Dies für jene, die es nooh nifüt wissen. Denkt Ehre anzuhäufen und berühmt zu.^wef'dfn. \kbet 
in Phasen! Plant in Phasen! Unterscheidet Recht soll Recht bleiben. 

klar zwischen den verschiedenen Phasen! Die- Vor einigen Jahren sollte ein-Tysfj.ötd 

jenigen, denen es schwer fällt in Phasen zu seine Kuh zum Schlachtverkauf nach M,jsryik 

denken, geraten ins Hintertreffen. Während der schicken. Das Auto kam und '• ?> 

heißen Debatte um die Ölsuche nördlich vom seine Kuh aus dem Stall. Doc.f 

62.Breitegrad begriffen das einige. Da lernten Auto sah/ machte sie starken 

sie, daß man auf dieser Erde hoffnungslos unter- Hann lockte und drohte, der I 
legen war, wenn man nicht zwischen einer Such- doch es nutzte nichts. Die kS 
und einer Produktionsphase unterscheiden konnte, bewegen. Da wurde der Mann b|5 
Mur Marren diskutieren ernsthaft über Probleme, Kuh, ihr rabiates Verhalten! 
die wir,beim Ölpumpen draussen vor der Fugley- Die Kuh, die nicht sehr gewa 

bank kriegen könnten. Nein, erst kommt die Such- zuj sprechen, erklärte 1edig1 

phase, danach können wir auf die Sache zurück- nach Schlachten roch. 1 

• i < . ■ 1| 

kommen. "Schlachten, hier? Im Auto? f | 

Andere von uns bekamen einen Einblick in eie- Hann hervor. I 


Da lernten 


schicken. Das Auto kam und d| 
seine Kuh aus dem Stall. Docl 
Auto sah/ machte sie starken! 
Mann lockte und drohte, der f 
doch es nutzte nichts. Die K- 


die $Uih das/ 
feur^/l/;/ 

f| Sich 


Andere von uns bekamen einen Einblick in eie- • Hann hervor. , f?§S //fei 
men tat es. Phasendenken, als die NATO sich neue ”$ein , wenn wir zur Stadt k ^ *}'<* / ’ | 
und bessere Atomwaffen wünschte. Fast alle hatten “3 a, aber meine liebe Kuh, 

sich schon an den Gedanken gewöhnt., daß der doch nur Ins Auto schaffen . / 
größte Teil des Lebens- auf der Erde innerhalb “Ich will nicht geschlachtet vi 


doch nur ins Auto schaffen. 
“Ich will nicht geschlachte 


einiger Stunden ausgerottet werden kann. Dennoch die Kuh kurz und bündig, - wenig gesprächi 
reagieren'einige auf diese Modernisierung. wie sie war. ■ ! : 

Manche meinten vielleicht, das Projekt- sei in ' 0 er Mann, der kein übler • ^ 

diesen ökonomisch- schwierigen Zeiten etwas ver- darin "recht, daß im Phan^ J 
’ schwenderisch* Außerdem verstanden einige nicht, stecke, das auch ihn bedenklich stimmte;- ja, 


per M ann, der kein- übler - Tyj^lf 


daß man aufrüsten muß, um abzurüsten. Jedenfalls diese öedenken waren 


schrieben einige Leute ihre Namen auf Listen den Bedarf für nähere Erklärungen dieser 

und machten Demonstrationen. , Sache einsah. //Ofe .•v** 

Doch .wieder wurden die Brauseköpfe zurechtge- H Ich will nicht geschlachte^;^^|^f/'^i'ede-jf- 
rückt. Es wurde.klar bewiesen, daß sie nicht C "holte die Kuh, leicht opfr. f ci c 

die Kunst - in Phasen zu denken - beherrschten. sich nun unterstützt fühlt4554 

Es handelte sich hier um eine Produktions- "1>as akzeptiere ich. Es is^äemp^ 

phase, was etwas ganz anderes ist, als die Pia- kritisches Hecht, dich nicht geschlachtet / 

zierungsphase, Und wieder triumphierte das zu wünschen," sagte der Man'fr'Tbe s t ä t i gend. 

Phasendenken! - ,f Dann sind wir uns jetzt ejp-V>'W*-' ■: 

Nun alauben viele, daß Phasendenken auf höchstem fast begeistert, V?-/ .••• ' //.v" 

politischen und administrativem Niveau als “Nur, wenn du ein liebes Mädchen?#ist Und" 

Methode entwickelt wird." Sie glauben, daß Kreise ohne Schwierigkeiten ins Auf#-4,/ dahn 

innerhalb von Regierung und Ministerium diese werden wir uns wohl einig iV• jrt'ÄnW’ 


so groß', ,daß er. ganzklar 


“Ins Auto?“ Die Kuh 


innerhalb von Regierung und Ministerium diese werden wir uns wohl einig 
so effektive Methode unserem Denken zugeführt war freundlich, aber bestimmt, 
haben. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, “Ins Auto?“ Die Kuh schrie’/'^S^^^liiÄ' 

dies« Zwangsvorstellung ein Ende zu bereiten. nicht geschlachtet werden.“ 5 

Oft genug reißeo * hochgestellte Personen die Ehre “Nun hör mal her. Hier und!;-|Ät ;'dtpÄ/®i' sich 
von Neuerungen an sich, die weiter unten in der lediglich um die Transportes^';! •*<%, 


nicht geschlachtet werden.“ 


sehr “Ip# 'älW- . 


-/v- -jV : 










hole - nur die Tranaportphase. Nun laß uns auf 
die Autofahrt in die Stadt kommen. Es besteht 
notwendigerweise kein Zusammenhang zwischen der 
Fahrt nach Narvik und der Schlachtung* Es ist 
überhaupt nicht notwendig, daß nach der Trans¬ 
portphase das folgt, was du schlachten nennst. 

Ich finde es auch richtiger von "Transfarmierung* 1 
zu sprechen. Wir stehen zwei voneinander völlig 
unabhängigen Phasen gegenüber - einer Transport¬ 
phase und einer Transformierungsphase.” 

"Haeh?" sagte die Kuh.Nun war sie deutlich atif 
dünnem intellektuellem Eis. Außerdem war sie 
kaum imstande, das Wort "Transformierungsphase 11 
auszusprechen. Oer Mann dagegen war in der 
Offensive. Ruhig sagte er; "Indem wir uns auf 
die Transportphase konzentrieren, können wir 
auch alles Denkbare maximal einsetzen, um die 
Fahrt durch Bailangen für dich so behaglich 
wie möglich zu machen. Hier bin ich absolut 
offen - über so wichtige Sachen zu diskutieren, 
wie z.B. Wärme, Luft und etwas zu beißen." 

"Und auch was zu trinken?” versuchte 3 ich die 
Kuh . 

Der Mann überlegte ein wenig'. 

"Nachdem ich darüber nachgedacht habe, finde ich 
deine Bitte verständlich und willige in eine- 
Trinkpause bei Bailangen ein.” 

Eigentlich wünschte sich die Kuh, dem Manne 
zu vertrauen. Jahrelang hatte sie sich an ihn 
gehalten. Wenn sie ihm nicht mehr vertrauen 
konnte, dnnR war es so, als wenn von ihr selbst 
etwas wegblieb. Darum entschloß sie sich, nur 
folgendes zu sagen: ”Ist da kein notwendiger 
Zusammenhang zwischen der Transportphase und 
der..., dieser anderen, da?” 

"Nein”, sagte der Mann mit fester Stimme. 

"Ich kenne den Kerl,” dachte die Küh, ”er hat 
eine lange Erfahrung und solide Praxis - und 
er ist als verläßlich bekannt." 

Eine Spur von Unsicherheit blieb dennoch zu¬ 
rück. Sie lugte zu dem fremden Kerl, dem 
Chauffeur, doch nichts an diesem gab ihr Grund, 
auch ihm zu mißtrauen. Im Gegenteil, dieser 
lächelte und nickte zustimmend. 

Der Kuh war es fast eine Erleichterung, ins 
Auto zu spazieren. 

So war es also, daß ein ganz gewöhnlicher 
Tysfjorder unserem Denken die neue und zu¬ 
kunftsgerichtete Dimension zuführte, die 
später, kurz und bündig "PHASENDENKEN” 
genannt wurde. 

DaO es sich um eine effektive Methode handelt, 
zeigt u.a. das Faktum, daß es in Tysfjord 
keine Kühe mehr gibt. 

Das Phasendenken lebt und zeigt ständig 
seine Anwendbarkeit! 


J.Wintjes/J.Gehret 



INFO-DIENST 



UNDERGROUND 



' ein dicker Reprint-Band, der die ersten 
Jahrgänge (1969 - 1973) der Subkultur- 
Postille ULCUS MOLLE INFO zusammen- 

j aS Wintjfs/J SP Gehret (Hrsg.): Ulcus Molle 
Info Dienst (Original-Reprint der Zeitschrift - 
ten-)Jahrgänge 1969 - 74 Aufsätze Kolum¬ 
nen, Stellungnahmen v. P.P. 2ahl !E isabeth 
Alexander, Jörg Fauser, R. Lenz, H. Imnoff, - 
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Beschränkte Auflage - Lieferung solange 
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Auslieferung: 

J. Gehret, Postbus 110 37 

1001 GB Amsterdam 


Informationsdienst: 

Bürgerrechte u nd Folizeientwicktung 

HERAUSGEBER: H. Busch, A. Funk, U. Kauss, 

W.-D. Narr, F, Werkentin. 

REDAKTION: Th. v. Zabern _ . 

In dem Informationsdienst werden Nachrichten, Daten 
und Analysen zu folgender! Themenbereichen publiziert. 

t. Methodische Probleme der Pofizeiforschung 

2. Strukturdaten zur Poteientwicklung in Westeuropa 

3. Rechtsentwicklung 

4. Polizei in Aktion 

5. Polizei in Europa 

6. Poteihilfe fOr die Dritte Weit 

7 . Öffentliche Kontrolle der Potei 

8. Schaffung einer kritischen Öffentlichkeit 

9. Fall Studien 

10. Dokumentation \ x . 

11. Anfragen, Kooperationsmöglichkeiten, Kontakte 

Der ci LI P-informat ionsdienst erscheint jeweils in einer eng 
Irschen und einer deutschen Ausgabe dreimal pro Jahr 
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Redaktionsadresse: CHIP, c/o Berghofstiftung für Konflikt- 
forschung, Winklerstr. 4a, 1000 Berlin 33 

























KNASTARCHITEKTUR - DIE SUCHE NACH 


Oie Geschichte der Gefängnisse, - des Strafvollzuges' 
überhaupt, - ist eine Geschichte der Entwicklung und 
Erforschung baulicher und sozialer Techniken zur 
Bestrafung, Disziplinierung und Überwachung der Unter¬ 
drückten und Beleidigten. 

...in einer Sklavenwirtschaft haben die Straf- 
«echanismen die Aufgabe, zusätzliche Arbeits¬ 
kraft herbeizuschaffen - und damit eine “zivile" 
Sklaverei neben der durch Krieg und Handel 
sich®rgesteilten zu schaffen» mit dem Feudal- 
zeitalter und seiner geringen Entwicklung von 
Geld und Produktion nehmen die körperlichen 
Züchtigungen stark zu- der Körper ist ja 
häufig das einzia erreichbare Gut! das Zucht 
haus (Hopital gewerale, Spinhuis oder Rasp- 
huis), die Zwangsarbeit, die Strafmanufaktu 
erscheinen mit der Entwicklung der Tausch 
System einen freien Markt der Arbeits¬ 
kraft verlangt, geht im 19.Jh. der 
Anteil der Zwangsarbeit innerhalb der 
Strafmechanismen zurück! an ihre Stelle 
tritt eine Internierung zum Zweck der 
0 

Besserung. 

Diesa Geschichte läSt sich bis 500 v. Ohr. zu¬ 
rückverfolgen, dem Gefängnis von Sokrates. 

Auch im "De legibus", einem frühen Werk Platos 
taucht die heutige Idee des modernen Strafvoll¬ 
zuges auf. Er schlug drei unterschiedliche 
Gefängnisarten vor: 

- eines zur sicheren Verwahrung von Personen 
die ihren Prozeß erwarten, (entspricht 
heutiger Untersuchungshaft) 

- ein anderes zur Besserung aufsässiger 
Personen und Landstreicher, dem soge¬ 
nannten "sophronisterion'* (ähnlich den 

frühen Besserungsanstalten) 

- ein drittes zur Bestrafung von (Schwer-) 
Verbrechern, weiches außerhalb der^be- 
wohnten Gebiete gelegen sein soll 

Gefängnisse aber im Sinne der heutigen s j- raf 
gefängnisse gab es zu jener Zeit nicht, j * 
man darf behaupten, daß es im Altertum eigent¬ 
liche Strafgefängnisse überhaupt nicht gegeben 
hat und auch garnicht^geben konnte, weil 
Strafzweck sich von dem heutigen sehr wesent 
lieh unterschied und durch andere Strafmittel 
viel sicherer und leichter erreicht werden 


"RICHTIGEN * 1 UERNICHTUNGSBAU! 
von Winfried Reebs 


Dementsprechend dienten Gefängnisse vorwiegend 
dazu sich Personen zu versichern, oder ihnen 
auch Schutz zu gewähren. Zur Verurteilung, - 
Bestrafung - gab es genügend andere Techniken 
der Aufrechterhaltung von wie sie 

sich z. B, in einem Gesetz des alten Ägypten 
unter König Amasia finden lasssttv ‘hwChdem 
jeder Untertan sich jährlich ifrfbtr auszu¬ 
weisen hatte, ob er durch ehrliche-Arbeit 
seinen Lebensunterhalt verdient habe. Wer das 
nicht konnte , wem nachgewieaeht daß er 

in Müßiggang seine Zeit batte 

der mußte getötet werden,* 1 ^ 

Sicher ein Gesetz, das in modifizierter 
Form die Herzen einiger Herren'--heutzu;tag©-^höher. 
schlagen ließe. Im frühen Mit|nisi|^ regelt 
das Fehderecht das Strafen. Wer einem anderen 
ein Übel zufügte, galt als un d 

dem Verletzten bleibt es überladen selbst 

Genugtuung zu verschaffen... km, Ge¬ 

fängnis als Strafe überhaupt ni«t in, Betracht,, 
sondern Schuldige mußten, soweit sie nicht auf 
Fehde bestanden, ein Entgeld * oder 

wurden, bei Vergehen gegen dir Allgemeinheit 
mit körperlicher Züchtigung w|de« it#lnigen, 
Martern, Spriesen u.ä. bestraft/ Msrtol. wurden 
eine Vielzahl an ^üchtigungstechniken entwickelt, 
z,8, das Verstümmeln (Abschneiden von Ohren, armen 
oder Beinen), Zerschlagen der> Zerstückelung, 

Zerreißen durch Tiere, lebendig Se§rüben t Schmäuch¬ 
en, Verbrennen und Enthaupten* 

Die meisten der angeführten Strafen wurden öffent¬ 
lich, als eine Art Schauspiel zur Abschreckung,' 
vollzogen. Das physische Leidein,. — der Schmerz am 
Körper - bilden zu dieser Zeit die wesentlichen 
Elemente der Strafe. 

Um 1600 trat auf dem Arbeitsmarkt ein spürbarer 
Arbeitskräftemangel auf, einerseits bedingt durch 
die Entdeckung neuer Edelmetallvorkommen.in Über¬ 
see und dem damit verbundenen Aufschwung der Wirt¬ 
schaft, und andererseits durch die als Folge des 
dreißigjährigen Krieges stark dezimierte Bevöl¬ 
kerung* Die Arbeitskraft der.Bettler, Verbrecher» 
Vagabunden und Müßiggänger wurde jetzt als wirt¬ 
schaftlich wertvoll entdeckt* Es war einfach öko¬ 
nomischer die Verbrecher in Zwangshäusern und 
Zuchthäusern zur Arbeit zu zwingen, als* sie zu 
verstümmeln oder zu töten. 


konnte. 














Me BelUnitrsf« des H8«Hrns. 

"In dieser Situation dauernden Menschenmangels, 
wo jede Arbeitskraft kostbar war, wäre es eift« : 
ökonomisch 'sinnlose' Grausamkeit gewesen, Vet 
brecher weiterhin zu vernichten. Oie Freiheit 
strafe nimmt die Stelle der Leibes- und i^biens- 
strafen ein. "Humanität" tritt an die Stelle 
der Grausamkeit; wo immer Richtstätten waren, 
werden jetzt Zuchthäuser errichtet." 

Die ersten Zucht- und Werkhäuser entstanden- in 
London 1555 und in Amsterdam ( "Rasphuis") 1596K 
Auch in Preußen wurde gegen Ende des 17.1h. in 

allen Zwangsanstalten für Manufakturen ge- ; 
arbeitet. In der Regel wurden Gefangene zum 
Spinnen von Wolle gezwungen, da in diesem Ge¬ 
werbezweig der Arbeitskräftemangel besonders 
groß war. Der Befehl des Kurfürsten Fried|. • ; 
rieh Wilhelm aus dem Jahre 1687 - alle« Bette 

gesinde1 und "die umherlaufende Jugend durgh- 
gehend zur Erlernung der Spinnerei... in 
den Zwangsanstalten anzuhalten, und 
des Zuchthauses von Küstrin, Wenn di 
Züchlinge wegen ihres begangenen Verbrechens 

gezüchtigt werden sollen, muß solches 

. . i. sninnen untüchtig 

geschehen, damit sie nicht P 

. „ 7 _ , n i. naß die AFbeii^k|aft 

gemacht ...werden zeigt, aa 

das höchste Gut für Zuchthausunternehmer urt^., 

Staat war . - ' -j. 

M ; V beginnender Industrialisierung trat ) 

. -ä n Hf»runa des ArbeitsMärkfcea 
gi ndlegende Veränderung 

Durch beginnende Mechanisierung wurden Arbeite 
Kräfte freigesetzt, die sich gegenseitig auf 
dem Arbeitsmarkt unterboten. Die einsetzend« 
Landflucht in die Städte begünstigte diese Ten¬ 


denz, Sodaß die Gefangenenarbeit in Zuchthäusern | 
ihren Ökonomischen Ginn verlor, unrentabel wurde, | 
weil der Arbeitsmarkt genügend billigere - und 
vor allem beweglichere Arbeitskräfte bot* 

Die Entwicklung von Hafen, in denen sich große 
Mengen von Waren stapelten, die Organisation 
von Manufakturen mit ihrer beträchtlichen Hasse 
von Rohstoffen 'und Werkzeugen, verlangten eine 
schärfere Moral, aber auch eine genauere Gesetz¬ 
gebung zur Verfolgung von Gesetzwidrigkeiten. 

Hinzu tritt aber nicht nur eine räumliche Vari¬ 
ante der ProduktionsSicherung, sondern auch eine 
subtilere ideologische, die sich im Gewußtsein 
verankern sollte,- und hat! 

"Wie kann man nun diesen Reichtum schützen? Am 
besten durch eine rigorose Moral: Daher jene 
gewaltige Moralisierungsflut, die sich im 19. Jh, 
über die Bevölkerung ergoß, und die .Christiani¬ 
sierungskampagnen, mit denen man die Arbeiter 

''■damals traktierte»* ■/ . 

Mit diesem Wandel der Ökonomischen Struktur der 
Gesgllachaft veränderten sich Freiheitsstrafen 
und Zwangsaffeeit, - auch wenn sich äußerlich für 
den/Gefangenen nichts änderte. 

Die Zwangsarbeit als %ugtzweck des Strafvollzugs 
wurde - weil ökonomisch unnötig - nutzlos, blieb 
aber zur v Oual und Gef Ogi gtnachung der Unterdrückten 
und Eingesperrten bestehen. 

/;ftee$ äußerte sich dergestalt,; daß anstatt zu 
Spinnen die Ge f angen e n innerhalb der Anstalten 
sinnlos“ Steine hin und her schleppen mußten! 

■,fs‘folgte 'ejne Periode det Reorganisierung des 
Strafvollzuges, die sich in den einzelnen ländern 
z-eitllch unterschiedlieh vollzog, auf die aber 

nicht näher eingegangen^ werden soll. In dieser 

■ * . ' ■ ] ■ 

Zdit des ‘'Übergangs zemj modernen Strafvollzug" 
wgrden die Wachsenden Zahlen der Gefangenen in 


alten Schlössern, 8 urgen % Verliesen und Klöstern 
im Rahmen der Zuchthausstrafe eingesperrt. 

Allein zwischen 1810 und 1840 entstanden in 
Preossen auf diese Art 11 neue große Anstalten. 
In diese Zeit fällt auch die Diskussion nach 
dem “richtigen Vollzugs^ystem”, Einzelhaft oder 
Gemeinschaftshaft mit deren Varianten, welche 
zeigt, daß die Ausbeutung der Arbeitskraft nicht 
mehr dominierender Zweck, des Strafvollzuges war. 

. .•l'Öl'l an anderer Stelle aber noch aus- 

StrafgesÄlWdft'i d'pk 1851 in 
:^|Ä^--trafc, tund damit das ajlgei^eine Lahdrecht 
17 M; und die Krimihdidftindnfr von 1805 er- 

faßte dle^-be:stfhÄ#ed v V^^# e wefent- 

wäs gegenüber der'früheren 
' f^lzahl,'\ydn _Strafakten 'ein-k.erhebliche Verein- 
• faci-ßri#' bad : feü€lte r \ , \\ • . . 

■ Mfebplfc®träfe...wterde der . Freiheitsentzug, 
















32 


die Internierung bzw. Verwahrung zur "Besserung”. 

Parallel zur oben beschriebenen rein ökonomischen 
Entwicklung, traten grundlegende Veränderungen im 
wachsenden Gesellschafttskörper ein* Hit zunehmen¬ 
der Industrialisierung veränderten sich nicht nur 
Größenordnungen (Großbetriebe etc*), sondern damit 
einherging ein neues verfeinertes Konfcrollwesen, 
Fabriken nehmen sich ausdrücklich die Festung, die 
geschlossene Stadt als Vorbild ihrer räumlichen 
Anlage. Oer Aufseher öffnet dieorte erst bei 
der Rückkehr der Arbeiter, bzw, beim Läuten der 
Glocke, die die Arbeitsaufnahme signalisiert. Wer 
später kam, hatte kein Recht auf Zutritt* ln dem 
Maße* indem sich die Produktionskräfte immer stär¬ 
ker konzentrierten, galt und gilt es nämlich zur 
Profitmaximierung möglichst alle Reibungspunkte 
zhu neutralisieren (Ruhestörungen, Diebstahl etc.) 

- Material und Werkzeuge mußten geschützt werden. 

Ordnung Reglement, die einzuhalten 

sind, verlangen, daß die Arbeiter unter einem 
Dach vereint werden, damit derjenige der Gesell¬ 
schafter, der mit der Leitung der Manufaktur be¬ 
auftragt ist, die Mißbrauche verhindern und 
wiedergutmachen kann, die sich vielleicht bei den 
Arbeitern einschleichen und den Fortschritt be- 
ein trächtigen . M 9 

Neue Raumaufteilungen werden entwickelt, der 
Arbeitsplatz wird parzelliert, sodaß jedem ein 
überschaubarer Arbeitsplatz zugeordnet wird. 
Gruppenansammlungen, Unübersichtlichkeiten sollen 
verhindert werden- Der Raum muß derart gestaltet 
werden, daß unkontrolliertes Verschwinden, Ver¬ 
sammeln etc* unmöglich wird. Es galt An- und 
Abwesenheit registrieren zu können, überhaupt 
zu wissen, wo und wie man jemanden finden konnte. 
Nützliche Komrounikafcionskanäle mußten entwickelt 
und installiert, unliebsame Kommunikation hin¬ 
gegen unterbunden oder gar in der Entwicklung 
verhindert werden* Hierbei bediente sich die 
Architektur eines alten Vorbildes, - nämlich der 
Zeile der Klöster, 

Die architektonisch genaue Festlegung von Raum 
und Plätzen entspricht nicht nur der Notwendig¬ 
keit der Überwachung und der Unterbrechung un¬ 
liebsamer, gefährlicher Verbindungen, sondern 
dient ebenso der Förderung der nutzbaren: pro¬ 
duktiven Fläche. 

Deutlich wird dieser Prozeß in den Militär- und 
Hafenspitälern- der damaligen Zeit* Häfen, Mili¬ 
tärhäfen mit ihrem'Umschlag an Warfcn, mit An¬ 
sammlungen unterschiedlichster Nationalitäten, 
sind Plätze mit ausbrechenden Epidemien, Kor¬ 
ruption und (häufig) Desertation. 


"Das Hafenspital muß darum nicht, nur heilen, 
sondern auch filtern, festsetzeh und .auf¬ 
gliedern. Es muß dieser beweglichen wim¬ 
melnden Masse Herr werden, indem-es das Durch—, 
einander von Gesetzwidrigkeit #d Krankheit ent¬ 
wirrt* Die medizinische Überwachung der Krank-! 
heiten und der Ansteckungen geht Hand in Hand 
mit anderen Kontrollen: der militärischen Kon¬ 
trolle der Deserteure, die fiskalische Kontrolle 
der Waren, die administrative Kbntro11e der 
Heilmittel, der Verpflegung, der; Abwesenheiten; 
der Heilungen, der Todesfalle, .7. der , 

(...) ”Die Medikamente werden in geschlossenen 
Behältern aufbewahrt, ihre Verwendung wird ' 
registriert? etwas später schSystem 
zur Feststellung der wirklichen Zahl 
ken, ihrer Identität, ihrer Zggfhöhxgkeit. dehn 
reglementiert man .ihr Kommen -'und ,« 

zw-ingt sie in den S.älen zu b'-■;$*&*; 

9ett ist der Name des Darinliegenden angebracht; 
jedes zu behandelnde Individuum. wird in ein 
Register eingetragen..." .■ ! 



Angeketteter Geisteskranker (18%) 

Dieses Prinzip einer totalen Kontrolle djurch 
Erfassung, Aufgliederung und Registrierung der 1 
einzelnen Personen ist in den Fabriken, die 
anfänglich des 19.Jh. entstehen, noch komplexer 
Denn nicht nur Menschen müssen unter den ‘ : 
Kriterien der Erfaßbarkeit, Überschaubarkeit, j 
Überwachung und Vereinzelung verteilt bzw. zu¬ 
geordnet werden, sondern diese Aufteilung 
muß noch den Erfordernissen der Produktion- ! 
Steigerung Rechnung tragen. Das bedeutet ins-', 
gesamt, daß jede Variable der Arbeitskraft, 

- stärke, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, 
Ausdauer - beobachtet, charakterisiert, einge- 
schätzt, verrechnet und den dafür Zuständigen ' 
berichtet werden kann. 















-1? 













Aber die alleinige Parzellierung -Ordnung des 
Raumes zwecks Überwachung * reicht den Herr¬ 
schenden nicht« Eingeführt wurde eine rigo¬ 
rose totale Zeitplanung zur Herstellung einer 
•vollständig nutzbaren Zeit. "Es ist ausdrück¬ 
lich verboten, während der Arbeit die Genossen 
durch Gesten oder sonstwie zu unterhalten, 
irgendwelche Spiele zu treiben, zu essen, 
zu schlafen, beschichten oder Possen zu er¬ 
zählen. n ^ 

Auch in den Schulen wird die Zeitplanung im 
Verbund mit Disziplinierungstechniken einge¬ 
setzt. Zur Veranschaulichung ein Stundenplan 
aus dem 1.9* Jahrhundert: 

"8.45 Eintritt des Monitors, 8,52 Ruf des) 
Monitors, 8.56 Eintritt der Schüler und. Gebet, 

9.00 Einrücken in die Sänke, 9,04 Erste Schie¬ 
fertafel, 9.08 Ende des Diktats, 9.12 Zweite 
Schiefertafel usw. M ^ 

Grundlage solcher Zeitreglementierungen ist 'das 
Prinzip des Nicht-Müßiggangs. Es darf keine.Zeit 
verloren Werden, denn "Zeit ist Geld"'- wie es 
im Volksmund so "schön" heißt, Stundenpläne dieser 
Art, mit ihrer Disziplin und Zeitaufteilung lassen 
keine Verschwendung von Zeit mehr zu. Die Dis¬ 
ziplin und :• Zeit auf-teilung sorgt im Sinne der , - 
Herr sehenden für eine positive Ökonomie, 

Alleiniger Zweck solcher Unterwerfungstechnik ist 
es^die Schüler frühzeitig daran zu gewöhnen, 
diesselben Aufgaben richtig und schnell,"vor 
allem aber ohne großen Zeitverlust reibungslos 
durchzuf ühr.en. Durch Schritt für Schritt auf bauen?- 
de Wiederholungen und Übungen läßt sich die Effi¬ 
zienz dieses Systems noch steigern. 

Oer.so disziplinierte, dressierte Soldat, oder 
Schüler, Arbeiter*., beginnt zu gehorchen, zu 
lernen, zu arbeiten..., was immer man ihm befiehlt 
- sein Gehorsam ist prompt und- blind* 

Disziplin ist "eine Politik der Zwänge, die am 
Körper arbeitet, seine Elemente, seine Gesten, 
seine Verhaltensweisen kalkuliert und manipuliert. 
Sie definiert wie man die Körper der. anderen in 
seine Gewalt bringen kann, nicht nur um sie 
machen zu lassen was man verlangt, sondern um sie 
arbeiten zu lassen wie man will: mit den Tech¬ 
niken, mit der Schnelligkeit, mit der Wirksamkeit, 
die man bestimmt." ^ ! 

Es verwundert nicht, daß diese Techniken' der Ver¬ 
einzelung, Überwachung, Disziplinierung und 
Effektivierung durchs wahlgeplante Raumaufteilung 
ihren architektonischen Ausdruck fanden. Die 
militärische Lageraufteilung, eine Raumordnung 
-Baumassenanlage der Disziplin und Macht, setzte 
sich bei der Errichtung von Arbeitersiedlungen, 
Spitalern, Asylen, Besserungsanstalten etc. als 


"Prinzip der räumlichen Uers:ä^(h : ch|%i;ung hierachie- 
s-erte» Überwachung" enjäWietielte 

sich eine Architektur, die-fecht mehr nur als 
Monumentalbauwerk. Prunkbau nach außen optische 
Größe und Macht verkörpern sollte , sondern der 
innere Raum, die Zuordnung -|||i|iinze3-nerT Bereiche 
mußten - nach den oben beschriebenen Kriterien 
der detaillierten Kontroll £S P-Sp? einzelnen Indi- 
viduen zugeordnet und gegl^^^i^^eefi«, 

Im Spitalbau mußte die Form, des Gebäudes durch 
sorgfältige Trennung der Kranken Absteckung , ver¬ 
hindern,.., Schulgebäude, mußten ein Di.esäuri 
mittel sein. Das Konzept des Architekten 
Gabriel für die ‘UUtärschule ist nichts weiter 
als eine pädagogische ' 

."Der Gesundheitsimperativ ig e 

■ Körper heranzuzüchten * deriö^p^atpllläng 

gebietet die Herstellung f«ig| der 

politische Imperativ verla^Ä^i^g^ 

fügsamer Militärs.; der 

will.'die Verhütung von 

Sexualität ./Dieser vierf 

die .Einrichtung von Tre-.rnrtw* 

Individueh, aber 'auch von |fjj^ 

schule pellte selber ein 
sein; cie Zimmer waren 

eine Reihe kleiner Zellen , 

£ rrr:*“- -■pss»s&i 

für die Tische der Studieriih^iäk^eE 
legt, damit diese alle 




;bäUde dSr " UUtä 


öhtes'pödium 


., , . , ■ • mwm pH:^***** ; ihrer 

Abteilungen während der M 

können. Die Aborte hatte " . 

ausgestattet, damit der z 

d.n Kopf und di, 8.i„, , 

jedoch mit genügend hohen seitlichen Trenn- 
wanden, damit sich die darin b e f ind:ichan nicht 
sehen können," "f-V * f 


PANOPTICON (1791) 


\t 

- O ; 1 

T - - I / 








Der perfekteste Disziplinarappa^at' : w%e ; , V ■ 

jenige, der' es einem einzigen' 

lichte alles zu sehen, und unter Koritr'dii^;^^' 
haben. Eine Überwachung wäre • so mit '.10c f 

Die soweit kurz beschriebene Teqhnik*der Über¬ 
wachung, der Aufgliederung in p-syCtii ; V<.=. 
Anstalten, in Besserungshäüser und SpitalW 
dienen alle gleichermaßen einer Au ft ei 1 •.] \ •. 

und Erfassung der einzelnen in' wahnsidn-^..^|^^r;\; : 
nichtwahnsinnig, gefährlich « harmlos, - 

. • ; * ■ : i;"r 

c anormal... ■ 1 V:- ; -" v;\ '*, 

■ j i / 

Das Panopticon von J,ßentham ist der frühe 
architektonische Ausdruck Jüw«* 

und Techniken. Sein Prinzip, ist die-_ 
standigung der.krei s f o r m i g © h Ar 0 h ifc e k t ur ** '^ n : : £, *'• 

der Peripherie ein ringförmiges ZeIXe»fey 
bäude und in der Mitte ein Überwch^ngstdrtrt 
der Blickbeziehungen nach allen • Seiten; *; 

Jeder ist in seiner Zelle sicher eingesperrt:^^y, 
und dem" Blick des Aufsehers zu., j-ed^r .beli^Ö-f.■ _ 
igen Zeit ausgesetzt« Seitliche Mau©i , n,,hin.d0rpf. .y. 
ihn Kontakt zur nebenliegenden Zelle b. 

nehmen. Sind die Gefangenen Sträflinge? s0 '^' 
besteht keine Gefahr eines . 
kollektiven Ausbruchversuchs;, handelt es. 
um Kranke, so besteht keins Ansteckungsgefahry 
durch Berührung. Sind es Irre, gibt 
Gewalttätigkeiten, Lärm... , • ’ ,, .r • •• ?&t : 

Durch geschickte architektonische Raumsjiy . V;f|v..£; 
teilung wird bei den Eingesperrten di» 
fühl permanent gesehen zu werden produziert^' ;f| ; 
obwohl bei der Vielzahl die Kontrolle 7 nur . 'yly- 
sporadisch sein kann. Die permanente Kon- , • 
trolle jedes einzelnen ist auch nicht'\n,M-• :,y| ,> ; - 
wendig, da durch die bauliche Ablage des [ 

Apparates selbst ein Machtverhältnis vij-r- ; ^0 ; 
körpert wird, welches unabhängig vpn de» \ -’i f0 
jeweiligen Aufseher ist. Der einzelne ,H:äf- 
ling darf niemals wissen, wann er gerade : ^ 

beobachtet und überwacht wird. 1 : 

Um das zu gewährleisten, um An-und• AbM*^Ä'ty 
der Aufseher zu verbergen, hat Benth.sm ^yy’ 

nur Jalousien an den Fenstern des Waßhturmes; 
vorgesehen, "sondern auc.h Zwischenwände, die 
den Saal im rechten Winkel unterteilen ( , ; , ?, 
denn das geringste Schlagen, jeder Lichtschein 
durch angelehnte Türen hindurch, könnte die n-^ . 

J. Q , . ( y • V • 

Wesenheit des Aufsehers verraten* ^ -...-y £?.;< 

Das Prinzip der Macht liegt .h*© r wenigär bei ,, 

Person, die die Macht verkörpert, sOJldB||», : iW'|Ä-|j 

raffiniert ausgeklügelten Raumzvgrdhu^fif^fe^^^ 
.icht und ßlickbeziehungen. • Folglich /jät. ie 
«euontlich wer Macht ausübt, denn beihS.häii^f#W',|'y; 
«-beliebige kann diesan Apparat behBrWctmrf, 
lutzen. Diese architektonische Zuordnung v-oft . /, 







ARf».5tp)eM«A<dl 



WESTERN 

PENITENTIARY (1826 ) 
PITTSBURG, Pa.A 


■ ' Ra u m e i n h e 11 e b • v ef b underr 1 ni||y dm• ■ 7 fjiftSte e n der' 

K 0 nt t olle• Eins pj$ r r ung-, I s"öi u n d.: Er fas s u n g 

'läßt ‘sich auf' #1 fyer,s:ch’iede'nstengeselischaft- ■ 
v. liehen Bereiahe"^‘ : n -Büt\alle Anstalten, 
denen,, innerhalb. ; eines nicht #11 zV ausgedehnten' 
, v ■.^"aume-s-' eine; bestimmte ■■Anzahl;. von fersonen unter 
Aufsicht zu halten ist* 11 17 '■ 

"■ ■ ’ Der erste Entwurf Benthams entstand 1787 . Weitere 
[ Ltn twtb|<iyhge.h• und^A/ervolIständigungen dieses 
. Unter%erfungssystpiPS 1 folgten 1791. 8enthams 
,.V;v;-cfANßPf 1CDN- fn!tw^Üjfr^viiurd en ’ in ihrer reinen For m 
; .hic'ht breit■' angbwahdt;.4n,* trotz. aller “posi- 

tiv;en: ÜhterwerfunfSteÄh'i'ke-n ,r die .'Nachteile dieses 
v, ' Konzepts doch 'seh'iJipffensichtlich waren« Zum 
' einen,: nimmt bei gröflerem r ,Kre.isumfang,. also bei der 
/ Erhöhung der.Belegungsfähigkeit, die Beobachtungs- 
< v ;, genauigkeit stark-:..eb'i Zum- anderen., blieb durch die 
J;-- .kf'Bisf örfige ' f^Tage- ein brittel';der .'Zellen ohne 
Sonnenbestrahlung und eine differenzierte Klassen- 
t ■/.au.ftei.luhg. war 'hier ,'nichf". mö; r glichV, 

:Dq cf w -®t und ist d : #ä-->p#noptische, Schefia* vielseitig 
anwendbar,.,; "es .'d4|e.n't.yZirr -Besserung von Sträflingen 
7••'e^.r. •ysi-.ydIv.• z^it•.n franken - f ’ zw 'Beleh- 
J zung von Schülern, Überwachung von yahnsinni- 
;'tür ;,Öe'aüf.#ief4i^^^::^gh; ^Arbeitern , zur ■ Ar- 
■" ’beitsbeschaf füng; fur\0editier* und Müßiggänger... Es. 
■-fäfdeit' fich. ü.m'>;eine#.,b,estimmten Typ der Ein- ' 

‘t*. .'^fläozun^ - ..fj aftn»' * de^r: : y ei teilung . von 

l.hg%'Vriduef ; irr•^uein'ä'rrder, ,'de-r 
..-."hiliärpfischeh Qrg.aoi:s#ti<an,''der Anordnung von 
M a. cf i : z entre/i • und - Kanälen J der Defi ni tion votr 
Instrunlenten und Intervenfionstaktiken der Macht - 
und diesen Typ kann man in den Spitälern) den 
Werkstätten,: den Schulen und Gefängnissen zur 
Abwendung bringen. Mmn immer mäh es mit einer 
; ielfalt. von Indivi_#uen : ;.’zu •'t'uri-/ hat, denen .eine 
f ■-;.'^|f|#be..ö'der ein i erhalten;..auf«tngen i^t, .... 

kann das pahoptische Schema Verwendung finden 
*n In jeder dieser Anwendung ermöglicht es 

die Perfektionierung der Machtausüburig: weil ' 
es die Möglichkeit schafft,.daß von immer 

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gangen wird, noch einig© Verdeutlichungen 
dessen, was ideologisch in und mit dieser 
Architektur manifestiert werden soll und 
wird. Die Ausbeutung der Arbeitskraft war mit 
dem allgemeinen ökonomischen Wandel hinfällig 
geworden, bildete nicht mehr den Kern der 
Zuchthausstrafen. Mit steigender Industria¬ 
lisierung; stieg auch die Gesamtkrimi.nalität, 
insbesondere im Bereich der Eigentumsdelikte, 
ln Preußen machten um 1835 Eigentumsdelikte 
ca. 85 % aus. In dieser Situation, der steigen¬ 
den Kriminalität und dem Wegfall der ökono¬ 
mischen Ausbeutung der Gefangenen wurde mit 
Inkrafttreten des preußischen Strafgesetzbuches 
1851 der ■Freiheitsentzug zur Hauptstrafe. 

Dieser Wandel, die Reform des Strafvollzugs¬ 
wesens wurde propagandistisch mit m^hr Mensch¬ 
lichkeit» mehr Gerechtigkeit und der Abkehr 
von grausamer Barbarei^verkauft. 


ua die Strafe sich jetzt sichtbar nicht mehr 
ausschließlich gegen den Körper reitet, Wü^ 
gegen- richtet;-sie sich dann? ' 

G.de Mably, ein damaliger Straftheoretiker 

formulierte das ganz banal: "Die Strafe soll 
wenn ich so sagen darf eher die,Seele treffe; 
als den Körper. ” 19 

Hinter dieser Aussage der 'Bestrafung der Se> 
verbirgt sich*nichts .anderesIlL h« i* 


u n g s 















Strafe ein Mittel zur Besserung, oder wie 
sagt, zur Resozialisierung sei. 

»« *, r &T 

Um nach herrschender Ideologie die Identität der 
Gefangenen zu "bessern", d.h. zu brechen, 
das Gefängnis "sämtliche Aspekte des Individuums 
erfassen: seine physische Dressur, seine mora¬ 
lische Einstellung, seine Anlagen. Viel mehr 
die Schule, die Werkstatt oder die Armee, die 
immer eine Spezialisierung aufweisen, ist das 
Gefängnis eine Gesamtdisziplin (...) Das Ge¬ 
fängnis treib-t die Prozeduren der anderen Öle* ; 
ziplinaranlagen auf ihre äußerste Spitze* Es hät 
die gewaltigste Maschine zu sein, um d'sm ver- V 
kommenen Individuum eine neue Form einzupräg.em~>./-• 
Sein Vorgehen ist der Zwang zur totalen Er- 


-S Unter diesen Prämissen,der "Gesamtdisziplin" 

, und; därsteigenden Kriminalität entwickelten 
- ih Europa die ersten größeren Haftanstalten 

Es sollen hier nur die. eimg©hneidensten Stufen 
aufgäzeigt werden. *. 

, Erster ritt war die-'.'Adfhä.jby ng dam a XXge r 

. Gemeinseh^fts'^ilen :• rujpy n^t©h. einer 
ftätutoanordnung die Qr$nun.g§Funktionen 1 uföd Ober- 
wächung .bei gleich£eitiger ;*T : rerfjtyng,f4de;r-Mndi- 
/viduen untereinander, t^mcgliphte. T 
siehe abbildung 


i-ehung . " 


ORDNUNG - TRENNUNG - REIHUNG 


i:.. L-—1 

:' A ‘ . ■' "■ l.j’j.] •• 


Aus: H.J. Graul 



Strafvollzug einst und heute 




'L'V' ■ ' 




iii.. 




f ■ ;-iv 













38 


"Aus der ungeordneten Versammlung von Menschen 

♦ 

im Gemeinschaftsgefängnis ist eine vom Über¬ 
blickflur (Korridor) aus kontrollierbare Qrgani- 
sationseinheit geworden, - das Zellengefängnis, 


„22 


Hinter diesem Prinzip der Parzellierung des 
Raumes durch die Zelle steckt außer der Über- 
wachungs funkt ion noch ein weiterer Aspekt, Die Zel¬ 
le "ist zunächst die völlige, auf naturgemäßem 
Wege» durch die entsprechenden Räumlichkeiten 
vollzogene Aufhebung der Gemeinschaft der Sträf¬ 
linge^ ist die Auflösung ihrer Verbindung und 
Beratschlagung untereinander. Sie (d,Zelle,W.R,) 
bricht und will den Gesinnungsaustausch zwischen 
unbußfertigen Gemütern brechen. Sie will Ge¬ 
sinnung tilgen, welche sich gegen die-.Strafe 
setzt...” 23 

Dieses Prinzip der Reihung von Zelleneinheiten 
fand erstmals größere Anwendung im Center 
Zellengefängnis das 1777 fertiggesteilt wurde. 

Der innere Zellenbereich ist das Ergebnis der 
Suche nach einer auf Rentabilität bedachten und 
überwachungs-und sicherheitsmäßig optimalen 
Lösung. Was die gesamte Anlage betrifft, so 
zeigen sich hier mehrere "Schwachstellen". 

Sie ist nicht' mehr erweiterungsfähig (Bele¬ 
gungskapazität), da eine Erhöhung der Gescho߬ 
zahlen zu überlangen Verkehrswegen führt und 
größere Unübersichtlichkeiten hervorruft. 1 



? 9ao obfchnUt v 

i i. 187$ v 0 U#nd#< / 


flNOANGSTOR 

0FREKTORW3HMUN& 

VORHOF 

ABT f MAMH MJÄTOER 

ABT « UNOSTSf 1CMÖ* 
FR AUf NABTE ItUNG 


1*0 m 


7 ’ SPAZIER HOF 
0 SCHCAFZaiCM 

9 ARSFlTS-u&EM.RÄl«: 

10 ZENTRALHOF 

11 KAPEUE 

12 offen« ARKADEN 


MAiSON DE FORCE ZU GENT ( 1773) 


Oas architektonische "Pro&ieri* bes-ta>ftd zu 
jener Zeit erstmal darin, BjiMj'liehst große 

Reihungslänge der Zellen ebäÄohaubar nach 
Kontroll-und Überwachungsstationen zuzuord¬ 
nen, denn die heutigen Möglichkeiten mittels 
ELEKTRONISCHER ÜBERWACHUNG gab es noch dicht. 
Der entscheidende Einflußes«* bei der Ent¬ 
wicklung einer architektonischen Räumkonzeo- 
tion der Disziplinierung, Unterdrückung ,und 
Überwachung ging von den Vereinigte* Staaten 




5 Rusche; 


( SAUSCHFMA OHNE MASS STAB) 


Arch. Montf#BOn 


A NM ERRUNGEN: tßk- '■ ■ 

0 Dusche/Kirchheimer: SozliÄw ,i". ■ 

ozxalstrukturen und 

StrafvöJfXCug • '£ . 1 

1 London News IlIustrated.äfeä^Bb'V.i'i-,-,', 1 

2 Martin Peter: Funktion v,bn Anstaltsbauten 1 

Wpl.77/78'-10,1^^. 
uanter: Deutsches. Zuchthaus ubdt Gg- 
f ängrilswesen , S.3 
^ ' 1 -* >'* 

Arbeitsmarkt und^trafvollzug, Zeit- 

6 Heins F^h/ 1 ^ ^ S ° 21alfQrsch ung 1933. S.73 

6 Helga Fehler: Zucht- und' Arbeits.h & ,|« ' ■ 

lnS Jahrb,Joh '; Für Wirtsbhafi-s- 
Geschichte, BeiÄlfiv 7 {j, 

7 Eberhard Schmidt: EnfwinH..« : 

tntwicklung und Vollen¬ 
dung dei Freiheitsstrafen 
Berlin ,y'\ : 

O " 1C F hael F ° ucault: «iXrophysik der Mäöht S .29 
• oucault: überwachen ütt*d Strafe*, Die 

Geburt der Gefängnisse S 183 

S.185 ! 

■ ■ - 

S.193 >.■■■■'■■ -> ! 

S.193 ' 

S. 176 

s. 222 ' ‘ ' « : 1 

S.223/4 

S .259 . . - 4 ;. , 

17 o .Bentham: The Darmi-k^ « 

Pan0ptlc ®-Pehitentäry and the 
colonation System compared, 

London 1312 8 . 4 g 

18 M.Foucault; s.o. S.264-65 

19 h „ 

S. 26 

20 Carl Welcker: Artikel iihon o 

©i über Besserungsstrafe 

lm Staats lekikon, 3. Aofl.Bd.il 
S.631 • 

21 M. Foucault:s.o. S.301 

22 H.-J,Grand Der Strafunii, 

« f voli« w einst und heute SA 
13 Johann Wiehern: Dip Pool, u 

e Gestaltung der Gefängnis- 

frage 


10 

n 

12 

13 

14 

15 

16 



















SpilKi 








EtGENTUMSVORBEHALT: 

Nacn düMm Eigen tu ms vor behalt ist die Zeitschrift solange 
Eigentum des Absenders, bis sie dem Gefangenen persönlich 
ausgetandigt ist. “Zurhabenahme” ist keine persönliche Aus 
tandigong im Sinne dieses Vorbehalt. Wird die Zeitschrift 
dem Gefangenen nicht persönlich ausgetandigt. ist sie dem 
Absender mit dem Grund der Nichtaushändigung zurück* 
zusenden. Wird die Zeitschrift dem Gefangenen nur teilweis« 
persönlich ausgehAndigt. so sind die nichtausgetandigten 
Teile, und nur sie. dem Absender mit dem Grund der Nicht¬ 
aushändigung tu ruck xusenden;